Saturday, May 25, 2024
StartNachrichtenIran-Nachrichten: Kapitalflucht intensiviert sich, da iranische Aktionäre einen Krieg befürchten

Iran-Nachrichten: Kapitalflucht intensiviert sich, da iranische Aktionäre einen Krieg befürchten


Inmitten der sich steigernden Spannungen und dem drohenden Gespenst eines Konflikts im Nahen Osten flüchten sich iranische Investoren zunehmend aus dem Aktienhandel des Landes, was die Sorgen um die Wirtschaft verschärft. Laut der mit der Regierung verbundenen Zeitung Etemad Online („Vertrauen“) wurden am 14. April fast 1800 Milliarden Toman (etwa 275,5 Milliarden $ nach den marktgängigen Wechselkursen) vom Kapitalmarkt abgezogen, somit erschreckende 373 % mehr im Vergleich zum Vortag. Zugleich wurden 994 Milliarden Toman aus festverzinslichen Wertpapieren entnommen.
Die Zeitung vermerkte einen bedeutenden Kursverfall auf dem Aktienmarkt um 95 %, so dass Marktteilnehmer in einen Taumel gerieten. An der Börse in Teheran fiel der Gesamtindex um mehr als 53 000 Einheiten auf 2 207 000 gegenüber der Vorwoche.

https://x.com/iran_policy/status/1779746474387017821
Besonders besorgniserregend ist der Massenexodus kleiner Investoren vom Aktienmarkt, den Analysten auf Befürchtungen eines Krieges in der Region zurückführen.
Die Kapitalflucht aus dem Iran ist aber kein neues Phänomen. Wegen der destruktiven Politik des Regimes, der Korruption und der internationalen Isolation, die eine Folge der Förderung von Terrorismus ist, fühlen sich Investoren zunehmend unsicher und entscheiden sich dafür, das Land zu verlassen, wobei sie ihr Kapital mitnehmen.

Ein Bericht der staatlichen Website Fararu vom 10. Januar 2023 verwies auf die Veröffentlichung der Vierteljahresstatistik über die Kapitalkonten durch die Zentralbank hin, die eine negative Bilanz von über 10 Milliarden im Frühjahr des betreffenden Jahres offenbart. Diese Zahl deutet implizit auf Kapitalabflüsse aus dem Land, ein Trend, der sich seither verstärkt hat.
Das iranische Regime hat vergeblich versucht, sich gegen die Flut der Kapitalflucht zu stemmen. Im August 2022 berichtete die Website des Präsidenten über ein Treffen zur wirtschaftlichen Koordination unter dem Vorsitz von Ebrahim Raisi, bei dem die Zuständigen über Maßnahmen diskutierten, um dem Abfluss von Kapital entgegenzuwirken, und Initiativen dafür vorschlugen, etwas gegen diese Vorgänge zu unternehmen.

Im September 2023 räumte Said Moidfar, der Vorsitzende der Iranischen Soziologischen Assoziation in einer Äußerung gegenüber der Website Dschamaran, die mit Hassan Khomeini, dem Enkel des Gründers der theokratischen Diktatur, verbunden ist, eine neue Welle der Emigration ein, die sich in der Folge des Aufstands von 2022 abzeichnete. Er schrieb diesen Trend der verbreiteten Verzweiflung zu, die in der Gesellschaft vorherrsche und die verschärft werde durch die tiefen wirtschaftlichen Krisen in der Produktion, die Beschäftigungslage, die Inflation und andere Erscheinungen.

Der frühere Industrieminister Mostafa Hashemi-Taba hat vor kurzem offen gelegt, dass im vergangenen Jahrzehnt mehr als 280 Milliarden $ aus dem Land geschwemmt worden seien. Ferner hat Mehdi Ghazanfari, der Chef der Handelskammer in Teheran, in einer Erklärung vom 12. Dezember 2022 eröffnet, dass 45 Milliarden $ allein in vier Jahren den Iran verlassen hätten, pro Jahr 10 Milliarden $.

https://x.com/iran_policy/status/1607837437577003008

Ein Forschungsbericht, der von der Handelskammer im April 2023 veröffentlicht worden ist, hob die sich verschlechternden wirtschaftlichen Bedingungen in der zweiten Hälfte des Vorjahres auf Grund von Faktoren wie der Schließung des Internet, der Zensur in den sozialen Medien, der Energieknappheit und anderer ungünstiger Umstände hervor, die das Ausmaß der Kapitalflucht aus dem Iran vermehrt hätten.

Das Zusammenwirken dieser Faktoren illustriert lebhaft die tiefen wirtschaftlichen Umbrüche, die den Iran quälen. Trotz der Bemühungen des Regimes, Resilienz zu propagieren, kennzeichnen seine schädliche Politik und der daraus folgende Exodus von Kapital anschaulich eine Nation im Abstieg. Mit Investoren, die zunehmend ihr Heil im Ausland suchen, sieht sich der Iran auf einem immer prekäreren Pfad nach unten, der die Gesellschaft des Landes unerbittlich auf Kollisionskurs mit den Wurzeln seiner Leiden lenkt.

https://x.com/iran_policy/status/1727688860568571966