StartNachrichtenIran-Proteste: Demonstrationen, Zusammenstöße und wachsende Not

Iran-Proteste: Demonstrationen, Zusammenstöße und wachsende Not

Retirees in Shush, southern Iran, protested on March 9, 2025

Im ganzen Iran sind die Proteste am 9. März 2025 weiter eskaliert, da Leute aus verschiedenen Sektoren auf die Straße gegangen sind, um die Korruption in der Regierung, das wirtschaftliche Missmanagement und die repressive Politik anzuprangern. Von den Lastwagenfahrern bis zu den Rentnern, Krankenschwestern und Arbeitern in der Ölindustrie gaben die Demonstranten mit lauter Stimme ihrem Zorn gegen die Unfähigkeit des Regimes Ausdruck, ihren Forderungen gerecht zu werden.

Teheran: Lastwagenfahrer von der türkischen Grenze protestierten gegen die Korruption in den Industrien für Transport und Bergbau und verlangten die Freigabe ihrer unrechtmäßig beschlagnahmten Lastkraftwagen. Auch Angestellte der Universität haben eine Protestkundgebung veranstaltet und gerufen: „Ungerechter Minister, tritt zurück, tritt zurück!“

Ahwas, Shush und Shushtar im Südwesten des Iran: Rentner der Organisation für Soziale Sicherung versammelten sich zu einer Kundgebung gegen geringe Pensionen und die Korruption der Regierung; sie verlangten das, was ihnen rechtlich zusteht.

Yasd im Zentraliran: Krankenschwestern  demonstrierten vor der Yazder Universität für medizinische Wissenschaften gegen geringe Gehälter und elende Arbeitsbedingungen.

Bibi Hakimeh Ölfeld im Süden des Iran: Vertragsarbeiter in der Ölindustrie protestierten gegen die Nicht Auszahlung ihrer Boni für Noruz und schlechte Arbeitsbedingungen.

Rasht, Nordiran: Das Personal für medizinische Notfalleinsätze protestierte und rief: „Genug der Versprechungen, unsere Tische sind leer“.

Maschhad im Nordosten des Iran: Betreiber von Betonmischwagen traten wegen der Treibstoffpolitik der Regierung und der geringen Dieselrationen in den Streik.

Qaemshahr im Nordiran: Rentner aus der Stahlindustrie haben sich versammelt, um  Pensionen zu fordern, die den steigenden Lebenshaltungskosten entsprechen.

Rentner aus den Bergbau und Stahl Sektoren in Isfahan im Zentraliran veranstalteten einen Protest, um bessere Lebensbedingungen und faire Pensionen zu verlangen. Sie riefen:

  • „Rentner, erhebt Eure Stimmen, verlangt, was Euch von Rechts wegen zusteht!”
  • „Einigkeit, Einigkeit gegen Unterdrückung und Korruption!“

Trotz heftigen Regens versammelten sich Rentner der Organisation für Soziale Sicherung in Kermanshah im Westen des Iran vor deren örtlichem Verwaltungsgebäude und brachten lautstark ihren Zorn über die wirtschaftliche Not und Korruption zum  Ausdruck. Zu ihren Slogans gehörten:

  • „Wir bekommen unsere Rechte nur auf der Straße!“
  • „Sie haben unseren Pensionsfond geplündert und uns mittellos gemacht!”
  • „Sowohl Regierung als auch Parlament belügen das Volk!“
  • „Gas, Strom und Lebenshaltung wurden dem Volk gestohlen!”
  • „Wir werden nicht in Unterdrückung leben, wir opfern uns für die Freiheit!“
  • „Schande über diese Sklaverei!”
  • „Lehrer müssen aus dem Gefängnis freikommen!”

Rentner der Alborz Kohlengruben in Shahroud im Nordiran  schlossen sich den landesweiten Protesten an und erhoben ihre Stimmen gegen geringe Pensionen und elende Arbeitsbedingungen.

Vertragsarbeiter in der Ölindustrie in Arkan-e Sales im südlichen Gachsaran veranstalteten einen Massenprotest gegen die Behörden, die ihre Versprechungen nicht gehalten haben. Die Protestierer erklärten: „Das Neue Jahr ist nahe, aber keine der uns versprochenen Zulagen wurden ausgezahlt. Selbst unsere Gehälter und Urlaubsgelder bleiben aus!“

Zugleich werden die Proteste in Zahedan im Südosten des Iran fortgeführt, wo sich die Menschen vor einer Polizeiwache versammelten und die Freilassung von inhaftierten Jugendlichen verlangten. Sicherheitskräfte haben mit Massenverhaftungen reagiert und die wachsende Liste der politischen Gefangenen im Iran verlängert.

Arbeiter in der Branche Telekommunikation hielten am 8. März in Mashhad und Piranshahr Kundgebungen ab und prangerten die elenden Arbeitsbedingungen, nicht ausgezahlte Löhne und Missmanagement der Regierung an.

Grobe Niederschlagung und Repression

Berichte deuten darauf hin, dass die Behörden ihr Vorgehen gegen Protestierer verstärkt haben. In der Stadt Izeh trieben sie Aboul Kourkour, einen allgemein bekannten Aktivisten in den Hinterhalt und in den Tod. Wie es heißt, nahm sich Kourkour das Leben, um nicht in die Hände der Sicherheitskräfte des Regimes zu geraten. Sein Schicksal teilt er mit dem anderer Dissidenten in Izeh wie Hussein Saidi, Mahmoudi Ahmadi und Mostafa Ahmadi Mustafa Ahmadpour, die auch von schwer bewaffneten Regimekräften umzingelt und  getötet wurden,

Wirtschaftliche Not nährt Unruhen

Die im Niedergang befindliche Wirtschaft des Iran verschärft den öffentlichen Ärger. Mohsen Bagheri, ein staatsnaher Ökonom gibt zu, dass die iranischen Arbeiter, während staatliche Einkünfte in US Dollar vorliegen, in der entwerteten Währung bezahlt werden, wodurch ihre Löhne ein Bruchteil dessen wert sind, was sie zum Überleben brauchen. Er weist darauf hin, dass die Löhne in der Türkei auf 630 $ im Monat gewachsen sind, während die iranischen Arbeiter nur einen Bruchteil davon erhalten und das bei einer in den Himmel schießenden Inflation.

Eine regierungsnahe Zeitung, Ham-Mihan („Mitbürger“) warnte, dass die Kombination von Sanktionen mit der Weigerung, in Verhandlungen einzutreten, den Iran an den Rand des wirtschaftlichen Zusammenbruchs gebracht habe. Mit einem Wechselkurs von etwa 90 000 Rial je Dollar wird vorausgesagt, dass die Inflation über 50 % hinausgeht, was die Kaufkraft normaler Bürger weiter lähmt.

Die Website Bahar („Frühlings-) Nachrichten heben die sich verschlechternden Bedingungen in Teheran hervor, wo eine wachsende Zahl von Geschäften zugemacht werden müssen, weil ihnen die Kunden fehlen. Die Zahl der Bettler und Straßenhändler ist gestiegen und immer häufiger gibt es Konflikte über Orte des Verkaufs. Der Bericht offenbart auch, dass jetzt mehr als 4,3 Millionen Motorradfahrer in der Stadt tätig sind, was einen Anstieg an Kurzzeit Jobs wiederspiegelt, weil die Bürger sich abstrampeln, um über die Runden zu kommen. Der Ökonom Dschavad Mosaffar nennt dies ein Zeichen für eine „Wirtschaft im Zusammenbruch“, wo die Armut sich ausgebreitet hat und Millionen zu unproduktive niedere Arbeiten treibt.

Ein Regime verliert die Kontrolle

Trotz der gewaltsamen Niederschlagungen gehen die landesweiten Proteste weiter und demonstrieren eine tiefe und wachsende Unzufriedenheit auf allen Ebenen der iranischen Gesellschaft. Die Kleriker Diktatur hat es nicht mehr im Griff, weil sich immer mehr Menschen gegen seine Korruption, Brutalität und das wirtschaftliche Missmanagement erheben. Die Proteste sind nicht mehr isolierte Vorfälle, sondern eher eine landesweite Bewegung, die einen Systemwandel fordert.