Saturday, December 3, 2022
StartNachrichtenAtomprogrammIran: Vollständige Transparenz bei Atomabkommen dringend nötig

Iran: Vollständige Transparenz bei Atomabkommen dringend nötig

Wednesday, 01 July 2015 02:45

Arak Schwerwasserreaktor 

NWRI – Zu einem der wichtigsten Punkte in den laufenden Verhandlungen zwischen den P5+1 und dem iranischen Regime gehört, dass Teheran kompletten und freien Zugang von internationalen Inspektoren gestattet und auch die Kontrolle militärischer Anlagen muß in einem möglichen Abkommen enthalten sein.

 

Denn ein Bericht des Nationalen Widerstandsrates Iran (NWRI), der letzte Woche veröffentlicht wurde, machte noch einmal deutlich, dass der oberste geistliche Führer Ali Khamenei den Besuch von militärischen Anlagen durch internationale Inspektoren zur rote Linie erklärt hat. 

Der Bericht dokumentiert auch, dass in den letzten zwei Jahren bei den Verhandlungen nicht „Transparenz“, sondern „vertrauensbildende Maßnahmen“ für das Regime als Ziel galten. Das Regime hat in dieser Zeit alles versucht, um die Frage der „Transparenz“ im Hinblick auf mögliche militärische Dimensionen des Atomprogramms (PMD) nicht in die Verhandlungen einfließen zu lassen. 

Bereits Anfang der Woche gab ein hochrangiger US Vertreter, der für die P5+1 in den Atomverhandlungen mit dem Regime beteiligt ist, zu, dass die US Administration möglicherweise bereit wäre, von der Forderung eines kompletten freien Zugangs zu allen iranischen Anlagen Abstand zu nehmen.  

Ed Royce, Abgeordneter des Repräsentantenhauses und Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses, sagte diesbezüglich am Sonntag in FoxNews:“ Ohne Bestätigung und ohne die Möglichkeit von Inspektoren, in iranische militärische Anlagen zu gehen, ohne die Möglichkeit, dort von den iranischen Wissenschaftlern Antworten zu bekommen, ist das Abkommen nicht mehr wert als das Papier, auf dem es steht.“ 

Solche Konzessionen würden das Regime nur ermutigen und es würde den Einfluß der internationalen Gemeinschaft limitieren, die Mullahs vom militärischen Aspekt des Atomprogramms abzubringen. Wenn die Vergangenheit eines gezeigt hat, dann, dass man den Worten des Regimes in keiner Weise trauen kann. 

Schauen wir kurz auf die Hintergründe. Wie viele iranische Anlagen wurden eigentlich vom Regime selbst offen gelegt? Nicht eine einzige. 

Der Nationale Widerstandsrat Iran war die erste Gruppe, welche die Atomanlagen in Natanz und Arak 2002 öffentlich machte. Seitdem hat der NWRI Duzende andere iranische Atomanlagen sowie die Strukturen und Aktivitäten des Regimes im Hinblick auf den Bau von Kernwaffen aufgedeckt. Teheran hat bisher nur die Existenz der atomaren Forschungszentren zugegeben, weil diese so detailliert vom NWRI offen gelegt wurden, dass dem Regime nichts anderes übrig blieb. 

Hier einmal eine chronologische Reihenfolge der wichtigsten Enthüllungen des NWRI in Bezug auf geheime Anlagen und andere Aspekte des iranischen Atomwaffenprogramms (Auszug): 

1.August 2002: Der NWRI enthüllt zwei Anlagen des Regimes in Nazanz (Urananreicherung) und Arak (Schwerwasser – Plutoniumreaktor). Zu den Details der Anlage in Natanz gehört ein 2500 Quadratmeter großer Raum unterhalb der Anlage. Ebenso wurde der genaue Ort der Anlage und seine Geheimhaltungsstufe enthüllt. Nachdem Satellitenbilder die Informationen bestätigten, besuchte die IAEA Natanz und Arak. 

2.Februar 2003: Der NWRI entdeckt, dass das iranische Regime Zentrifugen in der Anlage Abe-Ali testet, die offiziell als Fabrik mit dem Namen Kalaye Elektrik fungiert. Das iranische Regime hat die gesamte Anlage so gebaut, dass seine wahre Natur nicht zu sehen ist. Nachdem den Inspektoren der IAEA vom Regime monatelang der Zugang verweigert wurde, konnten Inspektoren dennoch die Anlage besichtigen. Proben der IAEA deckten später auf, dass dort eine geheime atomare Anlage existierte. 

3.Mai 2003: Der NWRI deckt die Anlage in Shian-Lavizan und die dort statt findende Forschung auf. Eine Karte und der Ort der Anlage werden bekannt gegeben. An diesem Ort war das Zentrum der atomaren und biologischen Aktivitäten. Als die IAEA im Juni 2004 Shian besucht, versucht das Regime, seinen Zweck zu vertuschen, aber es waren immer noch radioaktive Spuren zu finden. Die Informationen des NWRI waren korrekt, aber das Regime hat die Anlage vorher komplett umgebaut. 

4.Die Enthüllung der Anlage Lashgar Abad in Karaj und der Nurafaz Gostar Firma. Das iranische Regime zeigte den Inspektoren zuerst eine andere Anlage, um ihnen zu suggerieren, dass die Informationen des NWRI falsch waren, aber zwei Monate später war das Regime gezwungen, die richtige Anlage zu zeigen. 2004 entdeckten die Inspektoren der IAEA einen Laser, der für die Forschung im Bereich der Anreicherung benutzt wurde. 

5.November 2004: Das neue Technologiezentrum (Modjeh Anlage) und die Namen der dort arbeitenden Experten wurden vom NWRI in einer Pressekonferenz in Paris aufgedeckt. Der iranische Widerstand enthüllte auch die Funktion von Mohsen Fakhrizadeh, dem zentralen leitenden Wissenschaftler im iranischen Atomprogramm, der bis dahin komplett geheim gehalten wurde. Die IAEA will Fakhrizadeh seit Jahren befragen, aber das Regime hat bisher jeglichen Zugang zu ihm verhindert.

6.Dezember 2005: Auf einer Pressekonferenz im Paris gibt der NWRI den Bau einer Serie von neuen Anlagen bekannt, davon eine nahe Ghom. Vier Jahre später wurde deutlich, dass diese Anlage die geheime Anlage in Fordow war, wo Urananreicherung stattfand. 

7.April 2011: Der NWRI enthüllt eine geheime Anlage mit dem Namen Firma Taba, wo Zentrifugen gebaut werden. Das klerikale Regime leugnete zuerst den Bericht, gibt später aber seinen Wahrheitsgehalt zu. 

8.Der NWRI enthüllt, dass die Organisationsstruktur des Atomwaffenprogramms unter der Leitung von Mohsen Fakhrizadeh nun an einen anderen Ort verlegt wurde. Sie bekommt auch einen anderen Namen und fungiert nun unter dem Begriff Organisation für Defensive Innovation und Forschung (SPND). Die IAEA bestätigt dies in seinem Bericht im November 2011.