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Iran wechselt zahlreiche Botschafter aus

Die Botschafter gelten als moderat. Auch innenpolitisch setzt der Präsident auf einen kaum bekannten Konsevativen

Die Welt, Teheran, 03. Nov. 2005 – Der Iran will dutzende Botschafter in aller Welt auswechseln, darunter auch den diplomatischen Vertreter in Deutschland. Einem früheren Regierungsmitglied zufolge zielt die größte Umbesetzung der Diplomatenriege des Landes seit 1979 auf eine Verschärfung des außenpolitischen Kurses. Auch innenpolitisch sorgte Präsident Mahmud Ahmadinedschad für Aufsehen, als er einen kaum bekannten Konservativen zum Ölminister ernannte.

In der iranischen Botschaft in Berlin war niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. Das Außenministerium in Teheran bestritt, die Neubesetzungen seien politisch motiviert. Rund 40 zurückbeorderte Botschafter hätten das Ende ihrer Amtszeit erreicht, andere gingen in Rente, sagte Außenminister Manuchehr Mottaki der Nachrichtenagentur IRNA. Dem Ministerium zufolge vertreten weltweit rund 96 Botschafter den Iran.

Kritiker und politische Experten sagten hingegen, einige der betroffenen Botschafter wie der in London ansässige Mohammed Hossein Adeli seien erst kurz im Amt. Er vertrete relativ moderate außenpolitische Ansichten. „Ahmadinedschad möchte Hardliner als iranische Botschafter, die seine Botschaft in die Welt hinaustragen“, sagte ein früherer hochrangiger Regierungsvertreter, der namentlich nicht genannt werden wollte. „Als ein radikaler Hardliner-Präsident will Ahmadinedschad zeigen, daß sich die Atom- und Außenpolitik des Landes geändert hat“, sagte der politische Beobachter Said Lejlas.

Von den Umbesetzungen sind auch die iranischen Botschaften in Großbritannien, Frankreich und Deutschland betroffen – also in den Ländern, die für die Europäische Union die Verhandlungen über das umstrittene Atomprogramm des Landes geführt haben. Westliche Länder werfen der Islamischen Republik vor, nach Atomwaffen zu streben, was diese zurückweist. Die Verhandlungen mit den Europäern waren kurz nach Ahmadinedschads Amtsantritt im August gescheitert. Erst in der vergangenen Woche hatte der Präsident mit der Erklärung, Israel müsse von der Landkarte radiert werden, für weltweite Entrüstung gesorgt.

Innenpolitisch könnte Ahmadinedschad nun Widerstand des Parlaments entgegenschlagen. Einige Abgeordnete drohten am Mittwoch, Veto gegen den nominierten Ölminister einzulegen. Ahmadinedschads Kandidat Sadek Mahsuli für den wichtigsten Ministerposten des zweitgrößten Ölproduzenten der Opec sei in der Branche völlig unbekannt. „Die Menge an Informationen, die uns über ihn vor liegen, entspricht vielleicht dem, was er über Öl weiß“, sagte ein Vertreter der staatlichen Ölgesellschaft und der nationalen Energiekommission. WELT.de/rtr