Wednesday, December 7, 2022
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Iraner beenden mit altertümlichem Festival die Feiertage zum persischen Neuen Jahr

Teheran (AP)- Eifrig darum bemüht, wirtschaftliche Nöte und die Erinnerung an einen strengen Winter – der 64 Menschen das Leben kostete – zu verdrängen, strömten Iraner am Dienstag in Scharen in die Parks und Gärten, um das altertümliche Festival Sizdeh Bedar, den letzten Tag der zweiwöchigen Feiertage zum persischen Neuen Jahr zu feiern.

Die Ursprünge des Festivals liegen tausende Jahre zurück, in einer Zeit, in der der Zoroastrismus Persien beherrschte und noch niemand den Islam kannte.

Auch wenn die herrschenden Hardliner der heutigen islamischen Republik vielen Ritualen aus der vorislamischen Zeit entgegen getreten sind, so konnten sie jedoch die Iraner nicht vom persischen Neuen Jahr, oder dem Nowruzfest, und seiner Abschlussfeier, Sizdeh Bedar abhalten.

Die ungebrochene Popularität der Feiertage hängt vor allem mit der Vorliebe der Iraner für Familienfeiern und öffentliche Feste zusammen.

In den Teheran Parks saßen am Dienstag Familien auf kleinen Teppichen auf den Wiesen, schlürften Tee und kauten geräuschvoll Nüsse. Ein aufwendig vorbereitetes Picknick ist traditioneller Teil der Feierlichkeiten.

Anders als die anderen Länder des Mittleren Ostens folgt der Iran dem persischen Sonnenjahr, dass am ersten Tag des Frühjahrs beginnt. Dieses Jahr begann am 20. März im Iran das Jahr 1387. Zusammen mit den Iranern begehen Kurden und Perser (oder auch Parsi) in Teilen der Türkei, in Azerbaidschan, Turkmenistan, Tadschikistan, Kirgisistan, Afghanistan und Pakistan, sowie auch in Indien das Nowruzfest – das ist das Persische Wort für Neues Jahr.

Sizdeh Bedar ist der dreizehnte Tag des Nowruzfestes. Sizdeh bedeutet 13 und Bedar bedeutet im Persischen "vorbei". Derjenige, der an diesem Tag nicht nach draußen geht, soll angeblich vom Pech verfolgt sein.

Das alte Festival wird auf unterschiedliche Weise begangen. Die Iraner setzen die Keimlinge aus, die in kleinen Gefäßen als Samen in Wasser herangezogen wurden und ein glückliches Leben verkörpern. Jung und alt binden Grashalme oder Blumen als Bündel zusammen und hoffen, in der Hoffnung, dass das Neue Jahr Glück und Wachstum bringt. Junge Mädchen und Frauen wünschen sich beim Binden der Grashalme meistens, dass sie bald verheiratet werden.

Die Not der Iraner ist in den letzten Monaten aufgewallt, vor allem der krasse Anstieg des Preises für Gemüse und Mieten sowie der 64fache Kältetod im Winter aufgrund der Unterbrechung der Gasversorgung. Mit dem zweiwöchigen Nowruzfest haben die Iraner ebenfalls eine Gelegenheit, vom gegenwärtigen Atomstreit des Landes mit dem Westen abzuschalten und die Sanktionen des UN Sicherheitsrates zu vergessen, die verhängt wurden, weil sich Teheran weigert, die Urananreicherung einzustellen.