Thursday, December 8, 2022
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Iranische staatliche Medien entdecken Korruption im Regime als Wurzel der wirtschaftlichen Probleme – Warnungen vor Aufständen


Iran – Proteste, November 2019 – Archivfoto

Die staatlichen Medien im Iran haben in den letzten Tagen die Vertreter des Regimes vor dem „Misstrauen des Volkes“, „Gewalt“ und „Wutausbrüchen“ gewarnt. Indem sie die wirtschaftlichen und sozialen Nöte aufzählen, erkennen sie an, dass das Volk das Regime hasst und ein Aufstand unvermeidlich ist.

Während das Regime mit der Finanzierung von Terrorgruppen und seinem ballistischen Raketenprogramm fortsetzt, kämpfen die Iraner und vor allem seine Arbeiter mit Armut.
„Offizielle Schätzungen gehen davon aus, dass man 7-9 Millionen Tomans verdienen muss, um die Lebenshaltungskosten zu bezahlen. Doch die Erfahrungen haben gezeigt, dass diese Zahlen nur auf dem Papier existieren, denn die Löhne der Arbeiter sind seit langer Zeit von diesem Wert entfernt.“, schreibt die staatliche Zeitung Hamdeli am 31. Januar.

„Die Armutsgrenze liegt längst bei 10 Millionen Tomans und die Löhne der schwächsten Teile unserer Gesellschaft rangieren bei rund 2,5 Millionen Tomans. Die Schere zwischen den Lebensbedingungen und der Inflation wird immer größer, vor allem in diesem Jahr.“, ergänzt Hamdeli.

Das Regime und seine Apologeten versuchen unablässig, die US Sanktionen für die iranische Wirtschaftskrise verantwortlich zu machen. Und mit der neuen US Administration verbreiten nun einige Vertreter im Regime und seine Lobbyisten die falsche Behauptung, dass nun der finanzielle Knoten durchschlagen ist. Doch selbst die staatlichen Medien nennen nun immer mehr andere Gründe.

„Diejenigen, die denken, ein neuer US Präsident würde einen fundamentalen Wandel in der iranischen Wirtschaft bedeuten, sind einfach zu optimistisch. Die Wurzel der wirtschaftlichen Probleme ist mehr in der Politik im Iran als auf der internationalen Ebene zu finden. Hier ist ein Zentrum der wirtschaftlichen Korruption und sie ist das wahre wirtschaftliche Problem (des Iran)“, schreibt die staatliche Zeitung Arman am 27. Januar.
What’s the price of the mullahs staying in power in Iran?

Welcher Preis ist zu zahlen, wenn die Mullahs im Iran an der Macht bleiben?
Auch das iranische Volk hat längst das Regime als die wahre Quelle ihrer Misere ausgemacht, vor allem im wirtschaftlichen Bereich. Die staatlichen Medien nennen diesen Hass der Menschen auf das Regime „Misstrauen“.

„Man liegt sicher nicht falsch, wenn man sagt, dass 80 – 90% des Volkes nicht mehr vertraut (dem Regime)“, schreibt die staatliche Zeitung Aftab-e Yazd am Sonntag.

„Dieses Misstrauen kommt aus innenpolitischen Entscheidungen und dass die Vertreter ihre Versprechen nicht eingehalten haben. Das Volk kann nicht vertrauen, weil die Vertreter desorganisiert sind und ihr Wort nicht halten“, ergänzt Aftab-e Yazd.

„Am Samstag ging der Vizepräsident des Regimes, Eshagh Jahangiri, nach Chomeini Hafen im Südwesten des Iran. Dort protestierten die Anwohner gegen seine Anwesenheit und Videos zeigen, wie Menschen kritische Worte gegen ihn rufen.

Die staatliche Zeitung Vatan-e Emrooz gibt am Sonntag zu, dass „Proteste der Anwohner mittlerweile zur Angewohnheit werden, wenn sie Vertreter treffen.“

„Es gibt einen Punkt, wo wir das Maß an Ärger nicht mehr ignorieren sollten, dass unter den Menschen herrscht, vor allem in den Gegenden, die immer schon mit dem Überleben zu kämpfen hatten. Es gibt mehrere Beispiele in den letzten Monaten, dass man diese Warnungen ernst nehmen sollte“, ergänzt Vatan-e Emrooz.


„Die Methoden des Umgangs (des Regimes) mit der Gesellschaft sind ein Grund für den steigenden Ärger. In einer Gesellschaft, wo es viele Konflikte im Bereich des Managements zwischen den Vertretern gibt, gibt es auch Spannungen unter dem Volk und dies sorgt für eine steigende Wut in der Gesellschaft“, schreibt am Sonntag die staatliche Zeitung Resalat.

„Der wirtschaftliche Druck sorgt dafür, dass die Menschen viel Zeit und Energie damit verschwenden, überhaupt zu überleben. Wenn das Überleben in Gefahr ist, dann ist es normal, dass die Menschen dünnhäutig werden und zu Taten schreiten. Und eine dieser Taten kann ein Wutausbruch sein“, ergänzt Resalat und deutet damit an, dass das Volk das Regime als Wurzel all ihrer Probleme ansieht.

Die beiden großen Iran – Proteste in 2018 und 2019 brachen wegen wirtschaftlicher Probleme aus. Die Menschen zielten dabei mit ihren Slogans schnell auf das Regime und den korrupten Apparat der Mullahs als wahren Grund für die wirtschaftlichen und sozialen Krisen im Iran ab.

Das Regime ermordete bei dem Aufstand im November 2019 mehr als 1500 Demonstranten und unterdrückte die Gesellschaft. Doch der Hass in der Gesellschaft lodert weiter wie Glut unter Asche. Die fortgesetzten wirtschaftlichen und sozialen Krisen werden zusammen mit der Korruption im Regime den Widerstand in der Gesellschaft steigen lassen.

Die Zeitung Mostaghel schrieb dazu am 27. Januar, dass die Vertreter des Regimes „vor dem Tag Angst haben, wenn das Volk genug hat und sich dann gegen sie richtet. Dieser Tag ist nicht sehr weit entfern.“