Tuesday, November 29, 2022
StartNachrichtenIranische Umweltaktivisten verbringen acht Monate ohne offizielle Anklage in Haft

Iranische Umweltaktivisten verbringen acht Monate ohne offizielle Anklage in Haft

Im Februar starb der bekannte Umweltaktivist Professor Kavous Seyed Emami im Gefängnis, nur einige Wochen nachdem er und sieben seiner Kollegen von der Persian Wildlife Heritage Foundation verhaftet wurden. Die Stiftung setzt sich für den Schutz gefährdeter Arten im Iran ein. Die Gruppe wurde von den iranischen Revolutionsgarden (IRGC) verhaftet und inhaftiert.

Die iranischen Behörden behaupten, der iranisch – kanadische Bürger habe in Haft Selbstmord begangen, doch das glauben viele nicht, sie denken eher, dass das Regime ihn in Haft zu Tode foltern ließ.

Acht Monate später sitzen seine sieben Kollegen sowie andere Umweltaktivisten, die im März verhaftet wurden, immer noch in Haft. Bis heute hat es keine offizielle Anklage oder Verhandlung gegen sie gegeben und sie haben keinen Anwalt ihrer Wahl bestimmen können. Das iranische Regime hat zudem bis heute keine ordentliche Untersuchung des Todes von Seyed Emami durchgeführt und sie haben seiner Ehefrau Maryam – ebenfalls iranisch – kanadische Staatsbürgerin – die Ausreise verweigert.

All dies passiert, obwohl der Klimawandel auch im Mittleren Osten aktiv ist. Das Regime tut nichts, um seine Menschen vor deren Auswirkungen zu schützen. Statt dessen lässt es diejenigen verhaften, die darauf aufmerksam machen wollen und das Land davor schützen wollen, indem sie das Volk über deren Motive belügt und sie zu Spionen für den Westen erklärt. Selbst eine Untersuchung des Parlament hat dafür bisher keinerlei Beweise gefunden.

Das Regime ließ sogar den stellvertretenden Leiter des Umweltministeriums verhaftet. Kaveh Madani kam erst kürzlich aus Großbritannien zurück, um dort Informationen und Hilfe zum Abbau der Wasserversorgungsprobleme im Iran zu erhalten. Er wurde zwar frei gelassen, floh danach aber aus dem Iran, um einer erneuten Verhaftung zu entgehen.

The Atlantic Council schreibt dazu: Neun Monate in Haft zu sitzen, ohne eine klare Anklage zu haben und keine Anwälte zu bekommen, ist selbst für eine jegliche Standards mißachtende iranische Justiz außergewöhnlich. Ein Grund dafür könnte sein, dass die Behörden große Probleme haben, genug Beweise zu finden, um sie überhaupt irgendeines Verbrechens anzuklagen.“ 

Es scheint eindeutig zu sein, dass dies ein weiteres Beispiel dafür ist, dass der Iran jedem mißtraut, der Verbindungen zum Westen hat. Bereits in der Vergangenheit gab es zahlreiche Fälle von Verhaftungen von Personen mit doppelten Staatsbürgerschaften und von Studenten, die im Ausland studiert oder gearbeitet hatten. Diese Fälle sind vor allem seit der Unterzeichnung des Atomabkommens von 2015 wieder stark angestiegen.

Viele Medienanstalten, die zum Regime zählen, haben immer wieder das Narrativ verbreitet, dass der Westen den Iran unter dem Vorwand der wissenschaftlichen Forschung oder des Schutzes der Tierwelt infiltriert. Sie haben sogar einige Aktivisten direkt beschuldigt, mit dem Westen zu kollaborieren, ohne jedoch irgendwelche Beweise dafür vorzulegen.

Dies ist eine Gefahr für alle Umweltgruppen im Iran und es ist nur eine Frage der Zeit, wann die nächste Gruppe in das Visier der iranischen Behörden gerät.