Tuesday, December 6, 2022
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Irans Außenminister spricht Weihnachtsgrüße aus, während die Christen schwer verfolgt werden

 

Der Außenminister des Iran wurde am Sonntag mit einer zornigen Antwort konfrontiert, nachdem er am Vorabend zu Twitter gegangen war, um “allen ein frohes und friedliches Weihnachtsfest” zu wünschen.

Außenminister Mohammad Javad Zarif, der zusammen mit dem ehemaligen US-Außenminister John Kerry bei dem Abschluß des Nuklearabkommens im Jahre 2015 eine Schlüsselrolle gespielt hatte, erklärte  unter Berufung auf einen Vers des Koran: “Möge die universale Friedensbotschaft Christi im kommenden Jahr angenommen werden.”

Dutzende von Antworten wiesen empört auf die langjährige Verfolgung hin, mit der im Iran seit Jahrzehnten gegen die Christen vorgegangen wird. Viele von ihnen erwähnten, daß am 12. Dezember in der Stadt Karaj vier Iraner, die zum Christentum konvertiert waren, verhaftet wurden.

 

Javad Zarif hatte  in seinem Tweet geschrieben:

„’Die Engel sagten: Maria, Allah gibt dir frohe Botschaft von einem Wort, dessen Name Jesus Christus ist, der Sohn der Maria, hoch geehrt in dieser und  der anderen Welt“ – Koran Sure 3, Vers 45.’

Ein glückliches und friedliches Weihnachtsfest für  alle! Möge die universale Friedensbotschaft Christi im kommenden Jahr angenommen werden.“

Nach „Artikel 18“, einer Organisation, die sich für verfolgte Christen im Iran einsetzt, wurden „am Dienstag, den 12. Dezember in der Stadt Karaj Milad Goudarzi, Amin Khaki, Alireza Nour-Mohammadi und Shehabuddin Shahi von den Sicherheitskräften festgenommen.” Demnach sollen sechs Häuser, die von den Konvertiten als Kirchen benutzt wurden, von den Sicherheitskräften des iranischen Regimes gestürmt worden sein.

Die iranische christliche Nachrichtenagentur „Mohabat News“ berichtete darüber- hinaus, die Sicherheitskräfte hätten die Geschäfte von zwei Häftlingen überfallen.

Die Geschäfte wurden wegen “Überbezahlung”, “Profitgier” und “Brechen der Zunftordnung” geschlossen. Eine Bibel und ein Laptop wurden konfisziert.

Die IRNA, das offizielle Sprachrohr des iranischen Regimes, berichtete, dass “Elemente eines hinterhältigen christlichen Kults, die ihn propagierten und versuchten, den Markt und die Wirtschaftsordnung zu stören, verhaftet wurden”.

Nach der offiziellen iranischen Statistik leben im Iran mehr als 100.000 Christe; hingegen sind manche christliche Organisationen der Meinung, dass die Zahl 270.000 oder mehr betragen könnte. Während die traditionellen ethnischen Kirchen wie die armenische im allgemeinen toleriert werden, erfahren evangelikale Christen und Konvertiten von den Behörden oftmals eine brutale Behandlung. Nach iranischem Recht ist der Übertritt vom Islam zu einer anderen Religion ein Verbrechen, das die Todesstrafe nach sich ziehen kann.

Mindestens fünf Kirchenführer wurden ermordet,  hunderte weitere seit der Islamischen Revolution von 1979 im Iran verhört und inhaftiert. Die Veröffentlichung der persischen Version der Bibel ist im Iran verboten, während mehrere Kirchen zur Schließung gezwungen wurden. Doch scheint die Verfolgung das Wachstum der Gemeinschaft von Christen nicht verhindert zu haben: Der Organisation „Operation World“ zufolge, die die Mission erforscht, nimmt die christliche Bevölkerung im Iran jährlich um fast 20 Prozent zu – das ist mehr als in irgendeinem anderen Land der Welt.

Im Juni 2017 wurden vier iranische Konvertiten – einer von ihnen aus der nordostiranischen Provinz Azerbeidschan –  zu jeweils zehn Jahren Haft verurteilt, weil sie sich „missionarisch betätigt“ und “gegen die nationale Sicherheit verstoßen” hätten. Die vier Männer waren ein Jahr zuvor verhaftet worden, nachdem sie zu einem privaten Besuch christlicher Freunde nach Teheran gereist waren. Sie wurden damals  in das berüchtigte Teheraner Evin-Gefängnis eingeliefert.

In dem  Jahresbericht 2017 der „Kommission für internationale Religionsfreiheit“ der Vereinigten Staaten wurde der Iran als eines der Länder aufgeführt, die am meisten gegen die Religionsfreiheit verstoßen.

“Seit 2010 haben die Behörden,“ so heißt es in dem Bericht,  „mehr als 600 Christen im Land willkürlich festgenommen und inhaftiert”. „Im vergangenen Jahr kam es zu zahlreichen Vorfällen, bei denen die  iranischen Behörden Gottesdienste überfielen, Kirchenmitglieder bedrohten und die Gläubigen und ihre Führer festnahmen und inhaftierten, insbesondere evangelikale Christen.”

 

Quelle: Allgemeiner