Wednesday, December 7, 2022
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Ist das neue Urananreicherungsabkommen ein Durchbruch?

Der Iran hat bekannt gegeben, dass er ein Abkommen zur Lieferung von 1200 kg seines niedrig angereicherten Urans innerhalb von einen Monat an die Türkei abgeschlossen hat. Er soll dann höher angereichertes Uran von der Türkei für den Betrieb eines medizinischen Forschungsreaktors zurück bekommen.

• Eine Frage des Vertrauens
Das neue Abkommen scheint einem von der UN geforderten Vorschlag ähnlich, Uran nach Rußland und Frankreich zu verschiffen, um es dort anzureichern. Das Abkommen mit der Türkei und Brasilien nennt die Türkei als den Ort der Lieferung. Dies könnte Vertrauensprobleme mit den Großmächten lösen.

• Fokus auf die Anreicherung
Diplomaten sagen, es ist möglich, dass der Iran dem Abkommen zugestimmt habe, um so viel Uran im Ausland anreichern zu lassen, dass es im hoch angereicherten Zustand für den Bau einer Atombombe reichen könnte. Aber sie sagen auch, dass der Iran versucht, den Fokus auf das Anreicherungsabkommen, anstatt auf die Atombestrebungen als Ganzes zu legen.
“Das Abkommen ist nicht der Grund, warum Teheran Probleme hat. Es ist die gesamte Natur des Atomprogramms und das Ablehnen wichtiger Fragen”, sagte ein westlicher Diplomat. Die Diplomaten sagten auch, dass die Lieferung von 1200kg wenig Aussagekraft hat, weil sich der Bestand an niedrig angereichertem Uran im Iran im Gegensatz zum üblichen UN Vorschlag mittlerweile verdoppelt habe.

• Wie sieht es mit den Aktivitäten zur Anreicherung von höherwertigem Urans aus?
Der Iran hat mit der Anreicherung von höherwertigem Uran im Februar begonnen und sagt, er produziere es selbst. Diese Entwicklung ist ein Problem für den Westen, weil sie den Iran näher an Bereiche bringt, die für den Bau von Bomben ausreichen.

Diplomaten sagen, dass der Westen das Abkommen ablehnen wird, wenn der Iran weiter mit der höheren Anreicherung fortfährt.

Der Chef der iranischen Atombehörde sagte, dass der Iran die Anreicherung auf 20 % stoppen wird, wenn es entsprechendes Material aus dem Ausland bekommt.

“Wenn sie die Anreicherung auf 20 Prozent stoppen wollen und dieses Abkommen für Brennstäbe treffen, warum dann die Fortsetzung der höherer Anreicherung? Es gibt keine Rechtfertigung dafür bei einer friedlichen Nutzung”, sagte ein westlicher Diplomat.

“Das wäre ein Bruch des Abkommens.”, sagte ein anderer.

Das neue Abkommen könnte dem UN Sicherheitsrat die Möglichkeit geben, gegen eine vierte Sanktionsrunde zu stimmen, aber bis es keine weiteren Details gibt, sehen die westlichen Mächte darin nicht mehr als eine taktische Aktion, sagten Diplomaten.

Die IAEA hat bisher jeden Kommentar zu dem Abkommen verweigert. Diplomaten sagen, dass die Agentur erst die Details sehen will und bisher nicht informiert wurde. Ein EU Diplomat sagte, das Abkommen sei nur nebensächlich, wenn es nicht auf dem bisherigen Vorschlag beruht.
Unter den fehlenden Details sind zum Beispiel Fragen, wer das Material anreichert und wer die entsprechenden Aggregate bereit stellt.

• Interner Streit
Die Gespräche über das UN Angebot führten im Iran zu einem Streit und dem neuen Abkommen könnte ein ähnliches Schicksal blühen.

Der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad stimmte zuerst dem UN Vorschlag zu und sah ihn als Weg, seine Macht zu sichern. Aber es gab Widerstand aus der geistlichen Elite und von politischen Rivalen, die es haßten, dass er einen Durchbruch für sich beanspruchte.

Analysten glauben jedoch, dass Ahmadinejad das Abkommen nicht ohne Zustimmung des obersten Führers abgesegnet hätte.