Thursday, December 1, 2022
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Korruption in dem Mullah-Regime, das den Iran beherrscht – Teil 6

Die Gruppe um Shamkhani

Im iranischen Regime ist die Korruption institutionalisiert – besonders in den Körperschaften, die regieren. Alle operativen Manager des Regimes, die Abgeordneten, das militärische Personal, die Mitglieder der Revolutionsgarden (IRGC) und die Geistlichen, sind tief in die Korruption verstrickt. Das IRGC ist die in Korruption, Plünderung und Unterschlagung am meisten verwickelte Organisation. Auf diese Weise kommt ein beträchtlicher Teil des Haushalts des IRGC zustande. Abgesehen von der Art, wie es allgemein plündert und unterschlägt, um den für Terrorismus und Repression benötigten Haushalt zusammenzustellen, bedient sich sein Personal verschiedener Methoden, um die eigenen Taschen zu füllen.

Ein Moment der systematischen Korruption besteht darin, daß man sich familiärer Verbindungen bedient; d. h.: Die höchsten Funktionäre des Militärs und der Regierung machen von ihren Stellungen zu dem Zweck Gebrauch, ihren Angehörigen berufliche Positionen mit hohen Einkommen zu erwerben. Verwandte der höchsten Funktionäre des Regimes haben ihre familiären Verbindungen eingesetzt, um in der Regierung leitende Stellungen zu erreichen oder in den Besitz großer, einträglicher Geschäfte und Verträge zu gelangen.

Sehr viele von den höchsten Funktionären des Regimes bedienen sich dieser korrupten Familienbeziehungen, um ihren Verwandten hohe Stellungen zu empfehlen, damit sie Vermögen und Handelsfirmen usurpieren können. Außerdem setzen sie ihren Einfluß zu dem Zweck ein, daß ihre Verwandten maximale Anteile erwerben können. Einer von diesen Funktionären ist Ali Shamkhani, Brigadegeneral der Revolutionsgarden (IRGC).

Er ist der Sekretär des Höchsten Nationalen Sicherheitsrates des Regimes – einer seiner höchsten Behörden. Er begann seine Arbeit als einer der Kommandeure des IRGC während des iranisch-irakischen Krieges; er stieg im IRGC von einem Rang zum nächsten auf. Er ist derzeit einer der korruptesten Funktionäre. Er und seinesgleichen gehören zu den vielen Verkörperungen der „systematischen Korruption“ des Regimes. Außerdem gehört er dessen Schlichtungsrat an.

Shamkhani spielt bei den wichtigen Entscheidungen zu Sicherheit und Militär eine bedeutende Rolle; er setzt im IRGC seinen Einfluß ein, um für seine Verwandten eine besondere, unabhängige Interessengemeinschaft der Korruption zu schaffen.

Die zunehmenden Machtkämpfe zwischen den Fraktionen des Regimes, die Vetternwirtschaft und die zunehmende Kenntnis des Volkes von diesen Dingen – besonders den astronomisch großen Gehältern der Funktionäre – haben dazu geführt, daß der Name Shamkhanis in Artikeln staatlicher Medien auftauchte, die über neue Fälle von Korruption berichteten.

Obwohl die Geheimdienst-Institutionen des Regimes, insbesondere die des IRGC, es nicht gestatteten, daß der Lebensstil solcher Personen öffentlich bekannt würde, haben einige Elemente des Regimes versucht, mit diesen mafiösen Gruppen anzubandeln – z. B. mit der Familie Shamkhanis. Diese Funktionäre haben einige Dinge enthüllt, die sich auf den Kampf zweier miteinander rivali-sierender Fraktionen um die Macht bezogen. Sie versuchen, einander auszuschalten, um dadurch an den reichen Ressourcen des Iran und am nationalen Vermögen einen größeren Anteil zu gewinnen. Doch die Enthüllungen der rivalisierenden Fraktion über die Gruppe um Shamkhani und ihre Korruption verschafft uns die Gelegenheit, die im Regime institutionalisierte systematische Korruption umfas-sender zu verstehen.

Wie zündeten die Enthüllungen?

Am 19. und 20. September 2018 erhob Seyyed Mehdi Sadr al-Sadati in zwei Posts auf Instagram Beschuldigungen gegen die Familie von Ali Shamkhani, die in den iranischen Medien und im Internet eine Welle der Entrüstung auslösten. Ein einläßlicher Blick auf den Komplex der Medien des Regimes und die regimefreundlichen und regime-kritischen Netzwerke vermehrt die Kenntnis von der Gruppe um Shamkhani.

Doch bevor wir uns ihr zuwenden, muß eine Frage beantwortet werden:

Wer ist Mehdi Sadr al-Sadati?

Seyyed Mehdi Sadr al-Sadati ist der Schwiegersohn von Mullah Seyyed Mohammad Reza Modarresi Yazdi, einem Mitglied des Wächterrates der Mullahs. Er ist Seminar-Student und lebt in der Stadt Qom; in den vergangenen Jahren hat er die wirtschaftliche Korruption von Managern des Regimes enthüllt, ebenso von ranghohen Funktionären sowie ihren Verwandten und ihrer Verbindung mit einer Gruppe der „Jugend auf der Suche nach Gerechtigkeit“.

Sein Bruder Seyyed Ruhollah Sadr al-Sadati (geb. 1983) ist das jüngste Mitglied des Expertenrates des Regimes.

Mehdi Sadr-al-Sadat mit seinem Schwiegervater Modaressi


Mehdi Sadr-al-Sadati (rechts) mit seinem Bruder Ruhollah Sadr al-Sadati (links)

Die Sadr al-Sadatis haben in den Medien des Iran und im Internet für viele Schlagzeilen gesorgt, indem sie für die Gerechtigkeit eintraten und den aufwendigen Lebensstil anderer Funktionäre enthüllten. Doch diese angeblich „Gerechtigkeit suchenden“ Mullahs gehören beide einer wohlhabenden Familie an; es sind Söhne einer mit dem Regime verbundenen korrupten Familie, die nun andere korrupte Funktionäre und die rivalisierende Fraktion angreifen.

Die enge familiäre Verbindung der Sadr al-Sadatis mit einigen Mitgliedern des Wächterrates und des Expertenrates sowie mit einigen bekannten schiitischen Geistlichen in Qom hat diese beiden Mullahs dazu gebracht, die rivalisierende Fraktion anzugreifen – obwohl sie, als sie der Spitze der „Pyramide der Korruption“ des Regimes näher kamen, an der sich der Höchste Führer, Ali Khamenei, befindet, vom Geheimdienst des IRGC gebremst wurden.

Schockierende Nachrichten über Shamkhani und seine Familie

In seinem Post auf Instagram vom 19. September 2018 schrieb Mehdi Sadr al-Sadati: „Herr Shamkhani ist Sekretär des Nationalen Sicherheitsrates. Hossein Shamkhani, sein ältester Sohn, ist Direktor von ‚Admiral Shipping‘ und – seinem Facebook-Account zufolge – graduierter Student der Amerikanischen Universität des Libanon.

Ein Semester kostet an dieser Universität bis zu $10 000. Auch Hassan Shamkhani, ein weiterer Sohn, gehört zu den Managern der Firma. Ein Neffe Herrn Shamkhanis namens Mohammad Hadi Shamkhani ist Experte über die Politik Rußlands, und Mo‘oud Shamkhani ist der für die Technik zuständige stellvertretende Leiter der Organisation ‚Freie Zone Arvand‘. Doch der wichtigste von ihnen allen ist Herr Shamkhani selbst. Welche Karriere hat er durchlaufen? Was tut er selbst – als Sekretär des Nationalen Sicherheitsrates?“

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…. . دبیر شواری امنیت ملی آقای شمخانی است. حسین شمخانی پسر بزرگ آقای شمخانی مدیر کشتیرانی ادمیرال است و طبق اطلاعات فیس بوکش فارغ التحصیل دانشگاه Lebanese american university است . خرج هر ترم دانشگاه تا 10 هزار دلار است. حسن شمخانی پسر دیگر نیز از مدیران همین شرکت است. . . برادر زاده های جوان آقای شمخانی محمد هادی ، کارشناس مسائل سیاسی مقیم روسیه و موعود شمخانی معاون فنی سازمان منطقه آزاد اروند … . . اما مهمتر از اینها خود آقای شمخانی است. خود آقای شمخانی دبیر شورای امنیت ملی در چه کارهای اقتصادی دست دارد؟

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Am nächsten Tage teilte Sadr al-Sadati in einem weiteren Post auf Instagram – veröffentlicht am 20. September 2018 – eine weitere interessante Information mit:

„Nebenbei: Ich habe unter den Verwandten von Herrn Shamkhani eine sehr wichtige Person vermißt: Azim Shamkhani. Warum bezeichne ich ihn als wichtig?

Weil ich nicht eine Nachrichtenagentur in der Provinz Khuzestan erlebt habe, die im Protest gefragt hätte: Warum haben Sie (die Funktionäre des Regimes) einem Absolventen der Hochschule (Azim Shamkhani) so eine bedeutende Manager-Position wie die des stellvertretenden Bürgermeisters der Stadt Ahvaz verschafft? Warum gerieten Sie ins Stottern? Haben Sie Angst, weil er Mohsen Rezaei vertrat und der Bruder von Shamkhani ist?

Fürchten Sie nichts. Es wird nichts geschehen. Fordern Sie den Bürgermeister, den Gouverneur und Herrn Shamkhani selbst heraus!

Sagen Sie, wie konnte jemand, der im Jahre 1988 geboren worden ist und ein Hochschul-Diplom besitzt, nach Auskunft eines Mitglieds des Stadtrates zum Direktor der Verschönerungs-Organisation von Ahvaz werden? Und darnach der stellvertretende Leiter der Stadtwerke? Darnach stellvertretender Bürgermeister? Und dann Leiter der Organisation für städtische Zusammenarbeit? Etc.? Einige dieser Posten gelten der Leitung von einigen tausenden Berufstätigen.

P. S.: Einige Fotos von Shamkhanis Urlaub auf der Insel Mauritius. Ich entnahm sie der Seite von Miaad Shamkhani – dem Bruder Mo‘oud Shamkhanis; er war mit Shamkhanis Söhnen zusammen.“

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… . درمورد نزدیکان آقای شمخانی یک پدیده خیلی مهم به نام عظیم شمخانی جا افتاد! . . چرا میگویم مهم است؟ زیرا ندیدم خبرگزاری های خوزستان اعتراض کنند که چرا به جوانی دیپلمه پست های مدیریتی خیلی مهم تا قائم مقام شهردار اهواز میدهید؟ . چرا لکنت پیدا کردید؟ از اینکه ایشان نماینده محسن رضایی بودند و برادر شمخانی هستند میترسید؟ نترسید! اتفاقی نمی افتد ، شهردار و استاندار و خود آقای شمخانی را به چالش بکشید! بگویید ، کسی که متولد 67 است و به گفته عضو شورای شهر دیپلم دارد چگونه مدیر سازمان زیبا سازی بشود؟ بعد معاون خدمات شهری بشود؟ بعد قائم مقام شهردار؟ بعد رییس سازمان همیاری شهرداری ها و … بعضی از این شغلها مدیریت بر بیش از چند هزار نفر پرسنل متخصص است! . . . . پ.ن: عکس تفریحات در جزیره موریس از صفحه میعاد شمخانی برادر موعود شمخانی به همراه فرزندان علی شمخانی … بعضی عکس ها هم از صفحه عشایر شماخنه گرفته شده است !

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Angesichts der von Sadr-al Sadati enthüllten Information ist es wichtig, weitere Einzelheiten über die Personen, von denen er sprach, an den Tag zu bringen.

Abdolazim Shamkhani, der Stiefbruder von Ali Shamkhani, ist im Jahre 1988 geboren. Im Alter von 25 Jahren – er hatte schon ein Hochschuldiplom – wurde er zum Geschäftsführer der Verschönerungs-Organisation von Ahvaz ernannt. Darnach wurde er – aufgrund seiner familiären Verbindungen – zum Manager der Organisation für städtische Zusammenarbeit in Khuzestan. In dieser Stellung verblieb er bis zum Februar 2017. Darnach wurde er wegen Unterschlagung in großem Umfang und seiner Unfähigkeit zum Management entlassen. Natürlich nahm er in seiner Jugend noch weitere Positionen ein; es ist sehr bemerkenswert, wie es ihm aufgrund seiner Verwandtschaft mit Shamkhani gelang, in sie zu gelangen.

Zu den weiteren Stellungen, die diese korrupte Person einnahm, gehören die folgenden:

– Vertreter des Sekretärs des Schlichtungsrates in der Provinz Khuzestan – im Alter von 22 Jahren.

– Leiter der Anzeigenabteilung des Rates zur Koordinierung der islamischen Entwicklung in Khuzestan – im Alter von 23 Jahren.

– Besonderer Inspekteur des Allgemeinen Aufsichtsamtes des Gouverneurs von Khuzestan – im Alter von 23 Jahren.


Abdolazim Shamkhani

Hossein und Hassan Shamkhani sind die beiden Söhne von Ali Shamkhani. Sie beide sind Direktoren der Firma „Admiral Shipping“, die über Büros in Dubai, Indien und im Iran verfügt.


Hossein Shamkhani
Im Jahre 2011 wurde von einigen jungen Mitgliedern der Familie Shamkhani die Firma „Admiral Shipping“ gegründet. Sie verfügt jetzt über eine Kapazität von 160 000 TEU – im Persischen Golf, im Indischen Ozean und den Häfen des Fernen Ostens, wo sie Container-Transporte zur Verfügung stellt. Daran zeigt sich: Die Familie Shamkhani ist tief verstrickt in Schmuggel und illegalen Grenzübertritt.

http://archive.is/zZkUx

Mo‘oud Shamkhani, der Neffe von Ali, geboren 1987, wurde im Jahre 2015 zum für technische und rechtliche Angelegenheiten zuständigen stellvertretenden Leiter der „Organisation Arvand Freie Zone“ ernannt. Er hat auf diesem Posten mit vielen Projekten viel Geld verdient. Im Januar 2019 wurde das Projekt des Küstenschutzes von Arvand Kabir eingeleitet; dazu gehörten der Bau einer zweispurigen Asphalt-Straße, der Bau einer Brücke und eines Schutzzauns am Rande der Straße sowie die Beschaffung ihrer Beleuchtung, die entlang dem Ufer des Arvand-Flusses noch um 11 km verlängert werden soll.

Zu seinen Unternehmungen gehören auch die Schaffung von technischen Anlagen für die Marsch Arbaeen und die Entsendung von Karawanen aus dem Iran in den Irak; hier handelt es sich um einen weiteren Zweig des finanziellen Imperiums der Gruppe Shamkhani im südlichen Iran. Die Feier in Arbeen, bei welcher des Martyriums des Dritten Imam der Schiiten Hossain-Ibn Ali gedacht wird, stellt für das Mullah-Regime eine Einnahmequelle und zugleich einen Kanal zum Schmuggel von Waffen in den Irak dar, wo der Imam Hossain begraben liegt.

Mo‘oud Shamkhani


Mohammad Hadi Shamkhani, ein weiterer Neffe Alis, ist Experte für den Nahen Osten; er lebt in Rußland und arbeitet an der dortigen Botschaft des Regimes. Er ist Absolvent der Islamischen Azad-Uni-versität und wurde sofort zu einem politischen Experten gemacht.


Mohammad Hadi Shamkhani und Javad Zarif

Am 20. November 2018 gab das Sondergericht für Geistliche die Verhaftung von Mehdi Sadr al-Sadati bekannt; vier Privatleute traten gegen ihn als Kläger auf. Diese Nachrichten erfuhr viele Reaktionen und wurde von den Medien weit verbreitet. Doch die staatlichen Medien gaben nach kurzer Zeit seine Freilassung bekannt. Seine Verhaftung war ein Zeichen von Shamkhanis erster Reaktion; er wollte nicht, daß diese beiden Brüder sich noch mehr in den Kreis der Korruption seiner Familie vertieften.


Mohammad Hadi Shamkhani auf dem Bild rechts von Ali Shamkhani

Doch die Rivalitäten traten in eine neue Phase ein.

Mehdi Sadr al-Sadati veröffentlichte am 14. August 2019 in einem Post auf seinem Telegram-Account weitere Anschuldigungen gegen Shamkhani und seine Familie – unter der Überschrift: „Wann werdet ihr zufrieden sein“ – ein Sarkasmus, der sich auf die Gier der Familie Shamkhani bezog und unterstrich, daß sie, an der alle Funktionären des Regimes beteiligt seien, niemals enden werde.

Diese Enthüllungen betrafen besonders Zeinab Shamkhani, die Tochter von Ali, und ihren Ehemann Hassan Mir-Mohammadi, der bekannt ist wegen der am Bau von Luxusvillen beteiligten Korruption und seiner Spekulationen.

Sadr al-Sadati schrieb: „Zu dem Vermögen von Shamkhanis Tochter und Schwiegersohn gehören das 920 qm große Grundstück an der Khaled-Eslambouli-Straße mit zwei zusätzlichen Flächen und einer nützlichen Wohnanlage in der Größe von mehr als 4000 qm sowie ein 750 qm großes Grundstück in Pasdaran und eine 6000qm bemessende Khodro-Handlung mit einer Villa in Lavasan. Ferner ist der Familien-Turm an der Fereshteh-Straße, gelegen auf einem 2600qm großen Grundstück, nach Shamkhanis Frau benannt worden; diese Familie besitzt außerdem Grundstücke in Ahvaz, Dezful und im Norden.“

Nach Sadr al-Sadati erhielt die Familie von Shamkhani außerdem großzügige Baugenehmigungen in Teheran, Lavasan, Ahvaz, Shush und im Norden des Iran. Er enthüllte später, daß der Komplex von Appartements an der Fereshteh-Straße in Teheran, der eine Billion Toman wert ist, Azarmidokht Tabatabai, der Ehefrau von Ali Sham-khani, gehört. Diese Aufklärungen fordern zu folgender Frage her-aus: Gab es denn keine Aufsichtsbehörde, die die Familie Shamkhanis daran gehindert hätte, immer mehr von dem Vermögen des Volkes zu plündern und ihre Stellungen zu mißbrauchen? Wie kommt es, daß ein Regime, das die Bürger des Iran streng kontrolliert, sich in ihr Privatleben einmischt und – was das Wichtigste ist – sie unterdrückt, nicht imstande ist, seine eigenen Behörden zu kontrollieren? Offensichtlich sind sämtliche sog. Sicherheits- und Aufsichtsbehörden des Regimes tief in die Korruption verstrickt. Diese Enthüllungen haben mit einem demokratischen Land, dessen Bürger über Korruption bei den Behörden frei sprechen können, was zu Verhaftungen und Rücktritten führt, nichts zu tun. Sondern es handelt sich um Momente des inneren Machtkampfs des Regimes, bei dem es sich um größere Anteile an der Macht, am nationalen Vermögen und an den Ressourcen des Iran handelt.

Shamkhani im Licht staatlicher Medien

Am 6. März 2019 veröffentlichte die staatliche Nachrichten-Website „Ensaf News“ einen Bericht über Villen und Luxushäuser in Lavasan und geräumige Hügel in Teheran; sie stützte sich auf Enthüllungen, die Milad Goodarzi, Mitglied von Sadr al-Sadatis „Jugend auf der Suche nach Gerechtigkeit“, getätigt hatte.

Die wichtigste Angelegenheit bestand in diesem Fall darin, daß Hassan Mir Mohammad Ali bemüht war, die Enthüllung seiner wahren Identität zu verhindern; denn es handelte sich um von ihm und anderen Hausbauern in Lavasan begangene Rechtsverstöße. „In diesem Falle stellt der Schwiegersohn Shamkhanis sich als Vertragspartner im Bau vor und leugnet zugleich seine Identität; darnach räumt er ein, daß es auf diesem Gebiet zu umfangreichen Rechtsverstößen gekommen ist. Außerdem gesteht er gewisse vorsätzliche Verstöße gegen rechtliche Grenzen, begangen von denen, die in dem Gelände Villen bauen und diesen Grenzen durch Zahlung einer Buße nach Artikel 100 entgehen. All dies gehörte zu Mir Mohammad Alis Bemerkungen über Leute, die im dem Bezirk Lavasan Villen bauen; sie riefen“ – so heißt es in dem Bericht – „in den Medien viele Spekulationen hervor.“

Der Clip von Goudarzi, einem angeblich unabhängigen Journalisten, der Lavasan besuchte und sich mit Shamkhanis Schwiegersohn unterhielt, spricht für sich selbst:


Ansicht der Villa von Mir Mohammad Ali in Lavasan

Die staatliche Website „Ensaf News“ veröffentliche am 21. Oktober 2019 einen Bericht über die Villen im Bezirk Lavasan. Darin heißt es:

„Nach dem Erscheinen des Video von Milad Goudarzi, einem Reporter, der mit der Bewegung ‚Auf der Suche nach Gerechtigkeit‘ verbunden ist, und seinen Enthüllungen über Hassan Mir Mohammad Ali (dem Schwiegersohn von Ali Khamkhani) begaben wir uns zu dieser Villa, um die Ereignisse in Lavasan deutlicher in Augenschein zu nehmen. Mir Mohammad Ali glaubte, daß, obwohl er beim Bau dieser Villa Rechtsverstöße begangen habe, jene, die ihn nun beschuldigten, ebenfalls keine reine Weste hätten. Er sagte, in Lavasan seien Rechtsverstöße beim Bauen allgemein üblich; die Stadtverwaltung empfange die Bußen, was legal sei. Daher müsse, wenn der Verstoß nicht zu einer Buße führen solle, jedermann auf dieselbe Art behandelt werden.“

Wenn Mir Mohammad Ali von der Entrichtung von „Bußen“ spricht, meint er in Wirklichkeit die Bestechung der Stadtverwaltung – eine unter den Funktionären zur Rechtfertigung ihrer Handlungsweise allgemein übliche Methode.

Im August 2019 veröffentlichte die staatliche Website „Entekhab“ einen Video-Clip über die von der Familie Shamkhani betriebene Korruption; darin zeigten sich einige Aspekte dieses Falles.

Als die Situation außer Kontrolle geriet, intervenierte der Geheimdienst des IRGC, und Shamkhani machte, um die Lage zu beruhigen, von seinen Beziehungen Gebrauch.

Einen Monat nach der letzten Enthüllung der Sadr al-Sadatis zirkulierte in den Medien die Nachricht, sie seien gemeinsam mit zweien ihrer Gefährten verschwunden. Sie begaben sich zum Flughafen, um nach Bandar Abbas – im Südwesten des Iran – zu fliegen, doch zu dieser Reise kam es nicht, und sie wurden drei Tage lang vermißt. Einige der staatlichen Medien deuteten an, sie hätten „sich versteckt“. Die Situation zwang sogar das Sekretariat des Expertenrates dazu, eine Presseerklärung herauszugeben, worin es heißt, er verfolge die Situation von Sadr al-Sadati. Endlich veröffentlichte am 7. September 2019 Seyyed Ruhollah Sadr al-Sadati, Mitglied des Expertenrates des Regimes, auf dem Telegram-Kanal seines Bruders ein Post, in dem er die Umstände wie folgt erklärte:

„Ich, Seyyed Ruhollah Sadr al-Sadati, Mitglied des Expertenrates, habe des öfteren mit Funktionären über die Aufgaben gesprochen, die der Höchste Führer den Mitgliedern unserer Versammlung verordnet hat – darunter die Prüfung der Fortschritte des Landes in Richtung der großen Ziele der Islamischen Revolution und die Aufsicht über die dabei angetroffenen Hürden. Dabei wies ich auf die Schritte hin, die zur Erreichung dieses Ziels notwendig sind, sah aber betrüblicherweise, daß dabei viele Eindringlinge im Spiel sind. So wurde klar, daß das Vorhaben der Infiltration, das in den Befehlen des Höchsten Führers ausdrücklich erwähnt wird, sehr ernst zu nehmen ist und vielerorts Erfolg hat; die wichtigsten Beispiele dessen finden sich unter den Gelehrten der Seminare sowie den Geheimdienst-Organisationen. Ich setzte meine Bemühungen fort, fand aber bei diesen Infiltratoren keine Bereitschaft vor, die Dinge zu ändern. Sie verweigerten mir sogar die Antwort. Statt dessen machten sie sich Tag für Tag ihre Situation zu Nutze; manchmal streuten sie Gerüchte über mich aus, und manchmal bedrohten und bedrängten sie meine Familie und meine Freunde; sie wollten mich zum Schweigen bringen.“

Durch die vom Höchsten Führer getroffene Einrichtung repräsen-tativer Ämter an den Universitäten, die Organisation des Heiligen Moschee von Jamkaran, das Amt einiger Geistlicher etc. verbreiteten sie – überall im Lande – das Gerücht, dieser Herr (Sadr al-Sadati) sei konterrevolutionär und opponiere dem Höchsten Führer. Er sei eine der Säulen eines falschen Mystizismus usw. Bei Zusammenkünften mit Freunde n drohte der Geheimdienstchef des IRGC in Qom mir an, er werde mich verhaften lassen, mein Haus angreifen und meine Familie mißhandeln. Einige von diesen Drohungen habe ich“ – so fuhr er fort – „aufgenommen.

Ich beschwerte mich bei der Justiz, beim Sondergericht für die Geistlichen, dem Wächterrat, dem Expertenrat und jedem, von dem ich annahm, er könne mir gegen diese Schandtaten beistehen, doch auch dann traf ich diese Infiltratoren an; ich beschwerte mich in Wahrheit bei mir selbst. Endlich fand ich keine andere Zuflucht mehr als die beim Höchsten Führer; ich schrieb einige dieser Sache gewidmete Briefe, doch unglücklicherweise erhielt ich von seinem Amt keine Antwort. Ich schickte ihm sogar einige Leute, damit sie ihm diese Information zukommen ließen, doch offensichtlich blieben sie“ – so sagte er – „ohne Erfolg.“

„Es ist sehr enttäuschend, daß ein Mitglied des Expertenrates mehrere Jahre lang nicht in der Lage sein sollte, durch diese Organe dem Führer irgendetwas mitzuteilen. Das jüngste Ereignis bestand jedoch darin, daß ich mich zu einer Reise entschloß, um die Dinge zu untersuchen, die die Infiltratoren in meinem Wahlkreis angerichtet hatten; man drohte mir“, so heißt es in dem Post auf Telegram, „wenn ich das täte, würde ich getötet werden.“

„Unterwegs entschloß ich mich, weil ich keine Verhaftungen und Konflikte wollte und nicht sah, daß sie im Interesse des Landes liegen könnten, meine Entscheidung zu ändern; gemeinsam mit meinen Gefährten schaltete ich das Telefon aus, damit man uns nicht nachspüren konnte, und begab mich an einen Ort, der der Öffentlichkeit verborgen war.“

„Wieso ist es möglich, auf den wichtigsten Sicherheitstribünen der Islamischen Republik mit Leichtigkeit zu lügen und doch niemals zur Rechenschaft gezogen zu werden – deutet dies nicht auf Infiltration?! Bedeutet es nicht eine Abweichung von unseren Idealen, wenn der Familie eines Vertreters der Experten der Führung mit Leichtigkeit und frei vor Angst vor den Folgen der Tod angedroht werden kann? Wenn die Revolutionsgarden, die uns (dem Regime) sehr teuer sind und ohne die die Revolution nicht überlebt hätte, unter ihren Reihen so viele korrupte Menschen aufweisen, deutet das“ – so fuhr er fort – „nicht auf Infiltration?“

Worin liegt die Bedeutung der Ausführungen von Sadr al-Sadati?

Die Ausführungen von Sadr al-Sadati – einem Mitglied des Experten-rates des Regimes – sind sehr bedeutungsvoll; sie führen zu einigen sehr wichtigen Fragen:

1. Wie konnte es dazu kommen, daß ein Geheimdienstchef des IRGC in der Stadt Qom einem Mitglied des Expertenrates, der in der Hierarchie des Regimes einen hohen Rang einnimmt, mit Tod und Haft drohte? Was geschah hinter der Szene?

2. Warum weigerte sich das Amt von Khamenei, Sadr al-Sadati zu antworten und ihn zu schützen? Liegt es nicht daran, daß Khamenei selbst die Spitze der Hierarchie der institutionalisierten, systematischen Korruption des Regimes einnimmt?

3. Worin besteht das Projekt der Infiltration, von dem Sadr al-Sadati spricht? Ist es sogar bis zum Höchsten Führer und zu anderen wichtigen Ämtern der Mullahs vorgedrungen, und hat es sie infiltriert? Kontrollieren die Elemente des IRGC nicht die gesamte Struktur des Regimes?

Der Fall der Brüder Sadr al-Sadati, der begann mit der Aufklärung über die in der Familie Shamkhani beheimatete Korruption und für beide Brüder solche schwere Folgen mit sich brachte, bestätigt: Die korrupten Funktionäre des Regimes sind unantastbar. Darin liegt der Grund dessen, daß bürgerliche Journalisten und andere Leute sich vor einer Annäherung an die mörderischen Schurken fürchten, die den Iran beherrschen. Man stelle sich vor, anstatt dieser beiden Brüder, die ja zum Regime gehören, hätten zwei normale Bürger die Korruption Shamkhanis und anderer Mitglieder des IRGC herausgefordert. Was wäre dann die Folge gewesen?

Diese Zwistigkeiten und Enthüllungen zeigen die Art, wie das IRGC und das Mullah-Regime den Iran und seine Ressourcen als Geiseln genommen haben. Sie zeigen: Wenn der Kreis ihrer Korruption enthüllt wird, kennen sie keine Gnade gegenüber dem, der sie enthüllt, wer immer es auch sei.

Wenn die Interessen des IRGC betroffen sind – wenn die Enthüllungen der Brüder Sadr al-Sadati von Shamkhanis Korruption Gebiete betreffen, an denen das IRGC beteiligt ist, so werden sie zum Schweigen gebracht und mit dem Tode bedroht.

Die Mafia des IRGC befindet sich in einer Nußschale und ist gierig

Obwohl die Zerstörung der Villa von Shamkhanis Schwiegersohn endlich auf die Tagesordnung kam und ihre Verurteilung öffentlich bekannt wurde, bleibt die Tatsache, daß in Lavasan und an anderen Luxusorten von Kindern der Funktionäre und kleinen und großen Regierungsfunktionären und Führern des IRGC Villen mit viel Land, Schwimmbädern und Gärten gebaut wurden, bestehen; es gibt darüber keine Statistik.

Doch das Interessanteste: Das Schweigen von Ali Shamkhani, dem Sekretär das Höchsten Nationalen Sicherheitsrates, hat die öffentliche Meinung sensibler gemacht; auf dem Höhepunkt der wirtschaftlichen Krise erkannten viele Menschen, wie korrupt das Regime und das IRGC sind. Während die Armen mit dem Coronavirus und ihrer Armut zu kämpfen haben, setzen die Funktionäre des Regimes ihr Luxusleben fort und plündern weiterhin das Vermögen des Volkes aus.