Sunday, February 5, 2023
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Tunnelbau im Iran weckt neue Atomangst

Agenturen- Der plötzliche Wirbel um Grabungen, die auf jüngsten Satellitenphotos auf einer Seite der Berge im Zentraliran entdeckt wurden, könnte nach Angaben des Irans wegen eines normalen Straßentunnels sein. Aber der Ort ist die Hinterseite des ehrgeizigsten und umstrittensten nuklearen Anlage und lässt bei den Vertretern der USA und unabhängigen Experten eine andere Schlussfolgerung aufkommen: Es scheint der Baubeginn eines größeren Tunnelkomplexes im Berg zu sein.

Die Frage ist: warum? Die Sorgen wurden geschürt durch die Nähe von befestigten Gebäuden, in den Uranium bearbeitet wird. Diese Konstruktionen wiederum werden jetzt mit Straßen zu Irans Nuklearanlagen in Natanz verbunden, wo das Land vor kurzem trotz der internationalen Proteste mit der Produktion von angereichertem Uran begonnen hat.

Aufgrund der Photos von der Anlage, die von den Regierungen analysiert wurden, stellen Nachrichtendienste und Nuklearexperten alle die gleiche Frage: Versucht der Iran zukünftige militärische Angriffe gegen seine Nuklearanlagen durch die Verlagerung seiner Schlüsselteile in unterirdische Bunker zu verhindern?

Der Bau bei der Internationalen Atomenergiebehörde Besorgnis erreicht. Die UN Aufsichtsbehörde mit Sitz in Wien überwacht das Atomprogramm Irans. Am Freitag bestätigte eine Sprecherin Der IAEA, dass die Agentur das Thema bei iranischen Vertretern angesprochen hat. "Wir haben deswegen mit iranischen Vertretern Kontakt aufgenommen und haben Erklärungen erhalten", sagte Melissa Fleming, die Sprecherin. Sie weigerte sich, weiter darauf einzugehen.

Anrufe bei der UN Mission Irans in Wien wurden nicht beantwortet. Aus informierten Kreisen verlautete, dass Mitarbeiter der IAEA das Thema Ende der zweiten Juliwoche zusätzlich in einen vorher geplanten Besuch in Teheran mit aufnehmen.

"Der Tunnelkomplex steht wahrscheinlich mit Natanz in Verbindung", sagte David Albright, ein früherer UN Waffeninspektor und Präsident des Instituts für Wissenschaft und Internationale Sicherheit, eine nicht profitorientierte Gruppe mit Sitz in Washington, die der Washington Post Kopien der Fotos übergab. "Wir denken, dass es wahrscheinlich ein Lager für nukleares Material ist."

Regierungsvertreter der USA sagten bei verschiedenen Militär- und Nachrichtendiensten, dass sie von dem Bau wissen und ihn intensiv verfolgen. Es ist nicht zu vermeiden, dass der Zweck des Tunnels öffentlich kommentiert oder darüber spekuliert würde.

Ein Tunnelkomplex würde nach Angaben von Regierungsvertretern der USA, die die iranischen Nuklearaktivitäten intensiv verfolgen, Optionen für einen präventiven Militärschlag zur Ausschaltung des iranischen Nuklearprogramms reduzieren.

Auf die Vermutungen von Vizepräsident Cheney und anderen, dass die Vereinigten Staaten den Einsatz von Gewalt zum Stopp der iranischen Nuklearambitionen in Betracht ziehen könnten, hat Ahmadinejad das Programm zusätzlich verschleiert und droht damit die Kooperation mit internationalen Nuklearinspektoren zu unterbrechen.

Der Iran hat vor mehr als vier Jahren auf einem niedrigen Niveau Uran in Natanz angereichert und ein weniger angereichertes Ergebnis geschaffen, dass für die Erzeugung von Elektrizität eingesetzt werden kann. Wird weiter angereichert, kann das Uran für die Herstellung von Waffen benutzt werden.

Die kommerziellen Satellitenfotos, die am 11. Juni von der Firam DigitalGlobe aufgenommen wurden, zeigen zwei neue Straßen, die zu einer Baustelle neben der Nuklearanlage führen, an die ein Berg unmittelbar im Süden angrenzt. Obwohl die Tunneleingänge nicht direkt zu sehen sind, zeigen die Fotos große Ablagerungen von Gestein und Schutt in der Nähe der ausgegrabenen Stelle. Auf ähnlichen Fotos, die von dem Gebiet vor sechs Monaten gemacht wurden, sind keine Hinweise auf Bautätigkeit zu erkennen.

In einem Analysebericht zu den Fotos verglichen Mitarbeiter des Instituts für Wissenschaft und Internationale Sicherheit (ISIS) den neuen Natanzbau mit einem Tunnelbau in einem Berg Irans in der Nähe eines anderen Schlüsselstandortes. Diese Anlage, etwa 80 Meilen südlicher gelegen und bekannt als Esfahan beheimatet eine größeres nukleares Forschungszentrum und einen Betrieb, der Uran in eine Form umwandelt, die in Natanz angereichert werden kann.

Der Iran begann 2004 seine Arbeit in Esfahan ganz ruhig und baute einen langen Tunnel in den Berg mit zwei Eingängen, die später als wahrscheinliches Nuklearlager bekannt wurden. Der Iran hat wahrscheinlich den IAEA Inspektoren den Zugang zu dem dann leeren Tunnel erlaubt. Mit separaten unterirdischen Bunkern in der Nähe der beiden Standorte wäre es den Vertretern Irans möglich, schnell sensitives Material in ein sicheres Lager zu evakuieren, wenn von einem unmittelbar bevorstehenden Angriff ausgegangen würde, so Albright, der Präsident des ISIS.

Der Zweck des Natanz Tunnels kann nicht durch die Fotos sicher bestätigt werden. Aber "dieser Tunnel in einem Berg würde einen hervorragenden Schutz vor einem Luftangriff bieten", geht aus dem Bericht, des ISIS hervor, das Nuklearprogramme technisch bewertet. "Diese neue Anlage wäre ideal für sichere Lagerung" von natürlichem und angereichertem Uran und die dafür notwendige Sonderausrüstung, sagt das ISIS.

Dem ISIS Bericht zufolge ist eine weniger wahrscheinliche Möglichkeit, dass der Iran versuchen würde, die Tunnel als Standplatz für die Zentrifugen nutzt, mit denen Uran angereichert wird. Irans Zentrifugen in Natanz sind massive Gebäude, die teilweise unterirdisch gebaut wurden. Der Iran hat zugegeben, dass er seine Urananreicherung ausbaut und dafür Zehntausende schnell drehender Zentrifugen benötigt.

Im April hat sich der Iran unilateral von einem internationalen Vertrag zurückgezogen, der forderte, dass Planzeichnungen für jeden neuen mit Nuklearanlagen im Zusammenhang stehenden Bau veröffentlicht werden. Der ISIS Bericht sagte, dass der Iran Bericht sagte, dass der Iran dennoch "dem [IAEA] jede Aktivität in seinem Gebiet bekannt machen sollte, die mit seinen Vorhaben in der Nähe von Natanz oder einem anderen Nuklearziel in Verbindung stehen."