Saturday, February 4, 2023
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Wissenschaftler berichtet über seine Haft im Iran: „Er legte sich die Schlinge selbst um den Hals“

Dr. Rashid AlievNWRI – Ein Physiker aus Azerbaijan, der Spezialist für Lasertechnologie ist, verbrachte 18 Monate in iranischen Gefängnissen und wurde vor kurzem entlassen und in sein Heimatland ausgewiesen. Er veröffentlichte seine Erfahrungen mit den Gefängnissen des iranischen Regimes und zeigte ebenso auf, wie das Regime ihn gefangen hielt.

In einem Interview am Dienstag sagte Dr. Rashid Aliev, dass er überrascht war, welche „willkürlichen Verhandlungen es gab und wie stark die Rechte der Gefangenen im Iran mißachtet wurden.“ Er ergänzte, dass er am meisten von der hohen Moral, dem Durchhaltevermögen und der Weltanschauung der politischen Gefangenen in Zelle 209 des berüchtigten Teheraner Evin Gefängnisses beeindruckt war.

„Ich war immer über ihre Zukunft besorgt“, sagte Dr. Aliev und bezog sich dabei auf die politischen Gefangenen. „Obwohl sie zum Tode verurteilt waren, hatten sie eine unglaublich hohe Moral und führten mit politischen Diskussionen fort. Es war, als sei es ihre Bestimmung, einen Wandel in der Gesellschaft zu erwirken und dies konnte nicht aus ihren Köpfen gelöscht werden.“

„Ein Beispiel war Farhad Vakili. Einige Tage, bevor er gehängt wurde, hatten wir eine interessante politische Diskussion. Ich hörte später von seinem Freund, dass er selbst zum Zeitpunkt seiner Hinrichtung froh die Schlinge um seinen Hals gelegt habe.“

Herr Aliev sagte, er arbeitete bis 2006 an der Baku Universität als Physiker mit dem Spezialgebiet der Lasertechnik und wurde dann von der Sazan Elektronikfirma im Iran angeworben.

„Als ich das erste Mal mit dem iranischen Rechtssystem in Berührung kam, war ich geschockt. Nach 16 Monaten Haft wurde in meiner Abwesenheit ein Urteil ausgesprochen, ich konnte mich weder verteidigen noch hatte ich einen Anwalt. Sie verdrehten und fabrizierten Beweise. Der Verhörbeamte sagte mir, ich solle die Geräte aufzeichnen, an denen ich arbeitete. Ich sagte ihm, dass die Geräte in dem Labor ist. Doch er bestand darauf, dass ich es aufzeichne und ich tat es.“

„Später zeigten sie meine Zeichnungen vor Gericht und sagten, ich hätte sie gestohlen, um sie außer Landes zu bringen. Über der Zeichnung schrieben sie: Ich gestehe, dass ich diese Dokumente aus dem Land schmuggeln wollte. Unten auf dem Dokument war meine Unterschrift, sie hatten gesagt, dass ich dies nach der Zeichnung machen soll.“

Aliev ergänzte:“ Ich war über die Fabrikation dieses Beweises schockiert. Ich sagte ihnen, dass ich so ein Labor schon vor 30 Jahren aufgebaut hatte und dies selbst in den Iran mitgebracht hatte. Warum sollte ich das also stehlen wollen?“

Auf seine Erfahrungen im Gefängnis bezogen sagte er:“ Ich wurde von dem Streß fast verrückt. Ich verbrachte 50 Tage in Einzelhaft und war 5 Tage im Hungerstreik. Ich wünschte mir jeden Tag, ich würde sterben. Ich lernte in der Einzelhaft mein eigenes Grab kennen.“

„Für einen 57 Jahre alten Mann wie mich, war das wie 20 Jahre Haft. Es gab physische und psychische Folter in den Zellen 209 und 350 (in Evin), besonders in Zelle 350. Die Gefangenen bekamen kein Essen oder Früchte und die Feuchtigkeit ging bis durch deine Knochen. Die Ärzte behandelten nicht richtig und Briefe der Gefangenen kamen nie an ihrem Zielort an.“ 

„Ich möchte dem iranischen Regime sagen, dass keine noch so brutale Gewaltanwendung den Weg der Evolution blockieren kann. Gewalt ist keine Antwort und produziert keine Ergebnisse“, ergänzte er.