Friday, January 27, 2023
StartNachrichtenWiderstandZusammenfassung der Proteste im Iran vom 8. Oktober bis 15. Oktober

Zusammenfassung der Proteste im Iran vom 8. Oktober bis 15. Oktober


Berichte aus dem Iran zeigen an, dass es in der vergangenen Woche weitere Proteste in verschiedenen Sektoren der Gesellschaft gab. Diese Proteste gehen hauptsächlich auf die wirtschaftlichen Probleme im Iran und den Druck daraus auf die Gesellschaft zurück.

Jedoch begann diese Woche mit großen Protesten nach dem Tod von Mohammad Reza Shajarian, einem bekannten Meister der traditionellen persischen Musik. Herr Shajarjan verstarb am Donnerstag, dem 8. Oktober, nach einem langen Kampf mit dem Krebs. Seine Unterstützung für das iranische Volk und sein Aufbegehren gegen das Mullah Regime verbunden mit seiner großen künstlerischen Arbeit hatte ihn populär und zu einer sehr beliebten Figur in der Bevölkerung gemacht.

Auf der anderen Seite hatte das Mullah Regime ihm verboten, Konzerte abzuhalten, und damit die Menschen der Möglichkeit beraubt, seine Stimme im staatlichen Fernsehen zu hören.

Vor dem Jam Krankenhaus in der iranischen Hauptstadt Teheran versammelte sich eine große Menge, die Shajarians Tod betrauerte und Slogans gegen das Regime und sein staatliches Fernsehen anstimmte. Videos aus dem Iran zeigen Protestierer, die Parolen riefen wie „Tod dem Diktator“ und „Das staatliche Fernsehen und Radio sind eine Schande“.

Proteste in anderen Sektoren der Gesellschaft

Berichte, die von der Organisation der Volksmudschahedin des Iran (PMOI/MEK) gesammelt wurden, deuten auf Proteste in allen Lebensbereichen in den letzten sieben Tagen hin. Diese Proteste gehen hauptsächlich auf die wirtschaftlichen Härten zurück. Iranische Arbeiter und Angestellte bekommen seit Monaten systematisch keine Bezahlung mehr.

Laut der MEK haben städtische Arbeiter in der Stadt Arvand Kenar im Südwesten des Iran vor dem Gebäude der Stadtverwaltung einen Protest abgehalten und die Auszahlung ihrer ausstehenden Gehälter verlangt.

Die städtischen Arbeiter in der Stadt Arvand Kenar halten einen Protest ab.

Beschäftigte im Gesundheitsbereich und Krankenschwestern haben sich in Ahwaz im Südwesten des Iran vor dem Gebäude der Universität für Medizin versammelt, um gegen die verzögerte Auszahlung ihrer Gehälter zu protestieren.

Beschäftigte im Gesundheitsbereich und Krankenschwestern in Ahwaz protestieren gegen die verzögerte Auszahlung ihrer Gehälter.

Diese im Gesundheitsbereich Tätigen bekommen keine Gehälter ausbezahlt, obwohl sie an der Frontlinie im Kampf gegen den Ausbruch des Coronavirus stehen, der wegen der Untätigkeit des Regimes mittlerweile das Leben von mehr als 123 000 Menschen gekostet hat.

Am 10. Oktober haben Bewohner des Dorfes Banan-e Bala nahe der Region Zarand in der Provinz Kerman (Zentraliran) eine Protestkundgebung vor der Kohlengrube Khomrud abgehalten. Dieser Protest begann in dem Gebiet, wo die Gruben der Regierung eine Austrocknung der Brunnen des Dorfes verursacht haben.

Bewohner des Dorfes Banan-e Bala nahe der Region Zarand in der Provinz Kerman halten Protest ab
Am Samstag haben Vorschullehrer vor dem Gebäude der Abteilung für Bildung in Ahwaz im Südwesten des Iran eine Kundgebung abgehalten. Sie forderten eine Änderung ihres Anstellungsstatus und protestierten, weil frühere Versprechungen von vor zwei Jahren seitens von Mitgliedern des Parlaments des Regimes und des Bildungsministeriums nicht eingehalten wurden.

Vorschullehrer halten vor dem Gebäude der Abteilung für Bildung in Ahwaz eine Kundgebung ab

Entgegen seinen Versprechungen hat das Bildungsministerium der Mullahs den Anstellungsstatus von Hunderten von Vorschullahrern in der Provinz Khusistan nicht verändert.

Wie schon in einer früheren Versammlung haben die Arbeiter der Baufirma HEPCO in der Stadt Arak im Zentraliran gegen die Verlagerung von Hydro Atlas, einer Zulieferfirma von HEPCO, in den privaten Sektor protestiert.

(Archivfoto)

Fast 1,7 % der Anteile am Unternehmen Hydro Atlas wurden schon in die Privatisierungsorganisation verlagert ohne Wissen der Anteilseigner.
Das Unternehmen für Schwermaschinenbau (HEPCO) war eines der führenden und größten Hersteller in der Bauwirtschaft des Iran und des Nahen und Mittleren Ostens. Wie viele andere lebenswichtige Unternehmen des Iran wurde HEPCO Opfer der Ausplünderung, der institutionalisierten Korruption und des Missmanagements des Regimes, nachdem ein entsprechendes jahrzehntelanges Missmanagement HEPCO, einst geradezu ein Symbol der industriellen Blüte des Iran, sich in einen bankrotten industriellen Komplex verwandelt hat.

Am Samstag hat sich eine Gruppe von Vertragsarbeitern im Sistan Plain Irrigation Project [Projekt für Bewässerung der Sistan-Ebene] vor dem Gebäude des Landwirtschaftlichen Djihad in der Stadt Zabol im Südosten des Iran aus Protest gegen ihre seit acht Monaten ausstehende Auszahlung ihrer Entlohnung versammelt. Zudem haben diese Arbeiter ihre Boni für das vorherige persische Kalenderjahr noch nicht bekommen.

Vertragsarbeitern im Sistan Plain Irrigation Project versammeln sich vor dem Gebäude des Landwirtschaftlichen Djihad in der Stadt Zabol

Ähnlich haben am Sonntag Beschäftigte der Waisenhäuser in Teheran wegen ihrer armseligen Lebensverhältnisse und ihres Job Status, dessen Änderung ebenfalls in Vergessenheit geraten ist, eine Protestkundgebung abgehalten. Sie verurteilten auch die Nachlässigkeit der Generalabteilung für Wohlfahrt in Teheran bei der Lösung ihrer Probleme.

Laut einem der Protestierenden haben mehr als 70 Vertragsarbeiterinnen dieser Waisenhäuser nach mehr als sechs Monaten ihr ausstehendes Gehalt nicht bekommen und die zuständigen Behörden ihre Forderungen ignoriert.


Furcht des iranischen Regimes vor einem möglichen Aufstand

Die Behörden und staatlichen Medien haben vor einer weiteren Runde der großen Proteste im Iran wegen der wirtschaftlichen Missstände gewarnt.
In diesem Zusammenhang warnte Mohsen Hashemi, der Chef Stadtrates in Teheran, vor einer wachsenden Kluft zwischen den sozialen Schichten und einem sich daraus ergebenden Hassgefühls in der Gesellschaft. „In der heutigen Gesellschaft werden wir Zeuge einer sich vertiefenden Kluft und eines wachsenden Hassgefühls und der Trennung zwischen verschiedenen kulturellen, politischen und ethnischen Geschmäckern und Ansätzen. Einige dieser Herausforderungen stammen aus fraktionellen Praktiken und Geschmäckern bei den offiziell Verantwortlichen. Leider vertiefen manchmal kulturelle Institutionen und Amtsträger die Differenzen, statt zu versuchen, sie aufzulösen“, äußerte Hashemi am Mittwoch gegenüber der staatlichen Tageszeitung Hamdeli.