Monday, November 28, 2022
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Nuklearprogramm: Iranische Dissidenten wollen geheime Atomanlage entdeckt haben

Con nuke-usaDer Westen hofft darauf, dass neue harte Sanktionen gegen Teheran Wirkung zeigen. Doch eine Dissidentengruppe legt nun Belege für eine angeblich bislang geheim gehaltene Anreicherungsanlage nahe Teheran vor. US-Regierung und Internationale Atomenergiebehörde schweigen dazu bislang.

Spiegel Online – Washington – Eine iranische Dissidentengruppe behauptet, eine bislang geheimen, iranischen Atomanlage aufgespürt zu haben. Vertreter der iranischen Volksmudschahedin ("People's Mujaheddin Organization of Iran"/PMOI) erklärten bei einer Pressekonferenz in Washington, sie hätten in jahrelangen Recherchen Belege für eine Anlage in Abijek, rund 120 Kilometer nordwestlich von Teheran, gesammelt.

Die Exiloppositionellen zeigten Satellitenbilder der angeblichen Anlage, auf denen Tunnelarbeiten in bergigem Gelände zu sehen sein sollen. Den Volksmudschahedin zufolge werde an der Anreicherungsanlage 100 Meter unter der Erdoberfläche gebaut, wohl, um diese vor Bombenangriffen zu schützen. Im Inneren der Anlage sollen sich drei bis zu 200 Meter lange Hallen befinden, die Urananreicherungszentrifugen beherbergen könnten.

Innerhalb Irans werde die Anlage als "311" bezeichnet und als ein Annex einer benachbarten Militärgarnison geführt. Die Organisation glaubt aber, das das Ausmaß der Tunnelarbeiten diese Behauptung klar widerlege. Die Arbeiten an der Anlage seien seit mindestens fünf Jahren im Gange, Iran habe bislang 100 Millionen Dollar dafür ausgegeben. Die Leitung liege beim Verteidigungsministerium und dem Generalstab.

Soona Samsami, eine Sprecherin der Volksmudschahedin, nannte das fragliche Projekt zu 85 Prozent fertig gestellt und möglicherweise "weit wichtiger" als eine Anreicherungsanlage nahe der Stadt Ghom, deren Existenz das iranische Regime voriges Jahr einräumen musste.

IAEA und USA sollen informiert sein
Die Dissidentengruppe, die ihre Erkenntnisse nach eigener Aussage auf interne Recherchen in Iran stützt, hat in der Vergangenheit bereits Belege unter anderem für eine Urananreicherungsanlage in Natans vorgelegt. Andere Hinweise wurden jedoch von der US-Regierung skeptisch aufgenommen, auch weil die Gruppe selbst unter Terrorismusverdacht steht. Die Europäische Union hat die iranischen Volksmudschahedin erst Anfang 2009 von ihrer Liste der terroristischen Organisationen gestrichen.

Die Volksmudschahedin erklärten, sie hätten ihre Erkenntnisse den amerikanischen Behörden sowie der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) mitgeteilt. Weder IAEA noch die US-Regierung haben sich dazu aber bislang geäußert. Iran hat der IAEA im vergangenen Jahr versichert, derzeit keine weiteren Nuklearanlagen zu bauen. Alireza Jafarzadeh, ein weiterer Volksmudschahedin-Sprecher, sagte dazu: "Iranische Vertreter lügen ganz offen."
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Die Enthüllung der Anlage käme zu einem heiklen Zeitpunkt. Sie würde belegen, dass Iran sein Atomprogramm weiter aggressiv vorantreibt – während zahlreiche Beobachter eigentlich davon ausgingen, dass neue harte Sanktionen des Uno-Sicherheitsrates gegen das Regime Wirkung zeigten.

US-Außenministerin Hillary Clinton sagte am Mittwoch bei einer Rede vor dem Council on Foreign Relations in Washington: "Wir wissen, dass Iran unter enormen Druck steht."
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URL: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,716702,00.html