StartProteste & Demonstration im IranIran: Rentner, Arbeiter, Studenten – vereint im Protest

Iran: Rentner, Arbeiter, Studenten – vereint im Protest

 

Kermanshah – Protestversammlung der Rentner vor der Sozialversicherungsanstalt – Sonntag, 7. September 2025

Am Sonntag, dem 7. September 2025, erfasste eine gewaltige Welle trotziger Proteste den Iran und offenbarte die tiefen und immer größer werdenden Risse in der Autorität des Regimes. Von der Hauptstadt Teheran über Großstädte wie Ahvaz, Kermanshah, Rasht und Shush bis hin zu Industriezentren wie Gachsaran gingen Bürger aller Gesellschaftsschichten auf die Straße. Diese synchrone Protestwelle, an der sich Rentner, Staatsbedienstete, Vertragsarbeiter, Studenten und Berufstätige beteiligten, enthüllt das völlige Versagen des Regimes bei der Bereitstellung der Grundbedürfnisse und zeigt eine Bevölkerung, die zunehmend organisiert und furchtlos auftritt und ausdrücklich ein Ende der Tyrannei fordert.

Der wirtschaftliche Zusammenbruch: „Unsere Tische sind leer “

Der Hauptauslöser der Proteste war das katastrophale wirtschaftliche Missmanagement des Regimes, das Millionen in die Armut getrieben hat. In Städten im ganzen Land demonstrierten Rentner der Sozialversicherung und des Stahlfonds – genau die Leute, die die Infrastruktur des Landes aufgebaut haben – gegen Renten, die weit unter der Armutsgrenze liegen. In Teheran versammelten sich Rentner vor dem Gebäude der Sozialversicherungsorganisation und riefen lautstark: „Hört auf mit der Kriegstreiberei, unsere Tische sind leer! “

Diese Stimmung war im ganzen Land zu spüren. In Shush skandierten Rentner: „Schluss mit Unterdrückung und Tyrannei, unsere Tische sind leer! “In Kermanshah nahmen die Proteste eine noch schärfere Form an und richteten sich gegen die grassierende Korruption des Regimes mit Slogans wie: „Der Sohn des Beamten sitzt auf einer Schatztruhe, der Rentner leidet Qualen!“ Die Proteste beschränkten sich nicht nur auf Rentner. In der südlichen Ölstadt Gachsaran demonstrierten Vertragsarbeiter des Öl- und Gasunternehmens für Arbeitsplatzsicherheit und zeigten damit, dass selbst in Irans wichtigstem Wirtschaftssektor Unzufriedenheit herrscht.

Eine breiter werdende Front des Widerstands

Die Proteste vom 7. September zeigten, dass sich der Widerstand weit über konkrete wirtschaftliche Missstände hinaus erstreckt und nun auch Berufstätige, Studierende und sogar Familien von Häftlingen einschließt. In Teheran versammelten sich den zweiten Tag in Folge Bewerber für die Prüfungen zum Ärztekammer- und Facharztzertifikat vor dem Gesundheitsministerium und forderten Transparenz und Rechenschaftspflicht in einem System, das sie als korrupt ansehen.

Mittlerweile sind Universitätsgelände zu neuen Krisenherden geworden. An der Teheraner Tarbiat Modares Universität protestierten Studierende gegen die miserable Qualität und Desorganisation der Essensversorgung. Im Chamran-Wohnheim brachen die Studierenden in Wut über eine plötzliche Preiserhöhung für dieselben minderwertigen Mahlzeiten aus.

Eines der auffälligsten Ereignisse ereignete sich im Kermanshah-Gefängnis Dizelabad, wo ein Stromausfall den Familienbesuchsraum lahmlegte. Nachdem die Situation völlig aus dem Ruder gelaufen war, begann eine mutige Frau zu protestieren und inspirierte fast 200 weitere Familienmitglieder, sich ihr anzuschließen. Ihr kollektiver Widerstand zwang die Gefängnisbehörden, die Stromversorgung innerhalb einer Stunde wiederherzustellen.

Von der Forderung nach Brot zum Ruf nach Freiheit

Während die wirtschaftliche Not als Auslöser dient, offenbaren die auf den Straßen gerufenen Parolen ein tiefgreifendes politisches Erwachen, das sich gegen das Herz des Regimes richtet. Die Forderungen haben sich von Forderungen nach besseren Löhnen zu unmissverständlichen Rufen nach Freiheit entwickelt. In Ahvaz skandierten die Demonstranten eine kraftvolle Botschaft des Widerstands: „Wir werden nicht unter Tyrannei leben, wir werden unser Leben für die Freiheit opfern. Tod dieser Sklaverei, Schande über diese Sklaverei.“

Diese politische Dimension war im ganzen Land spürbar. Demonstranten forderten die Freilassung politischer Gefangener mit dem gemeinsamen Ruf: „Die inhaftierten Demonstranten müssen freigelassen werden.“ In Kermanshah verwandelten Rentner ihren Protest in einen Aufruf zur nationalen Mobilisierung und riefen: „Rentner, erhebt euch! Es ist nicht Zeit, sich hinzusetzen!“ Diese Solidarität zeigte sich auch in ihrer Unterstützung für andere unterdrückte Gruppen: Sie riefen: „Wir unterstützen die Lehrer Kurdistans!“ Diese Slogans bestätigen, dass das iranische Volk seinen individuellen Kampf als Teil eines einzigen, vereinten Kampfes gegen die herrschende Theokratie betrachtet.

Die Proteste vom 7. September sind ein klares Urteil gegen ein bankrottes Regime, das einer Bevölkerung gegenübersteht, die ihre Angst abgelegt hat. Die geografische Ausdehnung der Demonstrationen, die Vielfalt der Teilnehmer und der offenkundig politische Charakter der Slogans beweisen, dass es sich um eine geschlossene nationale Bewegung für einen grundlegenden Wandel handelt.