Monday, November 28, 2022
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Die iranische Nation verdient ein anderes Schicksal

Maryam RajaviVon: Maryam Rajavi
Quelle:  Le Figaro 12. Februar 2010*
 
Einen Tag nach dem Jahrestag der Revolution verurteilt die vom Widerstandsrat Iran gewählte Präsidentin, Maryam Rajavi, die zunehmenden Repressalien gegen die iranischen Volksmojahedin.

Der Westen beging einen großen Fehler, als er glaubte, mit Investitionen das Verhalten des Regimes ändern zu können

Der ehemalige Außenminister Claude Cheysson fragte mich einmal, wie sich das iranische Volk, als die Nachfahren einer großen Zivilisation, sich einem so rückschrittlichen Regime wie dem von Khomeini unterordnen konnte. Ich antwortete ihm, dass das Volk das Regime nie akzeptiert hat. Das Regime wurde dem Volk aufgezwungen und bis jetzt wurden 120.000 Menschen hingerichtet.
Heute zeigen die acht Monate andauernden Aufstände, dass die iranische Nation das fanatische Regime nicht akzeptiert und ein anderes Schicksal verdient hat. Sie demonstrierten ihren Willen, das Regime zu stürzen und ihr Schicksal selbst in die Hände zu nehmen. Der Kampf gegen die religiöse Diktatur hat nicht erst nach den Scheinwahlen im Juni begonnen. Eigentlich haben die fingierten Wahlen erst die tiefe Kluft in der Regimespitze offenbart und dienten als Katalysator für den Ausbruch des unterdrückten Volkszorns.

Das Regime schlägt einen härteren Ton gegen die Aufstände an, die jeden Tag besser organisiert werden. Erst vor kurzem haben Beamte des Regimes entdeckt, dass „eine intelligente, organisierte Kraft hinter diesen Ereignissen steckt und dass die PMOI [Organisation der iranischen Volksmojahedin] die Ashura Proteste  [am 27. Dezember] angeführt hatte. Sie gerieten außer Fassung, als sie die Slogans in den Straßen von Teheran hörten, die auf den Webseiten unserer Widerstandsbewegung standen.

Deshalb richten sich die Repressalien auch insbesondere gegen die Unterstützer und Familienangehörigen von PMOI Mitgliedern. Eine große Zahl der Familien von Bewohnern in Ashraf (einer Stadt, wo die Mitglieder der PMOI im Irak leben) und ehemalige politische Gefangene wurden in den letzten Wochen festgenommen und gefoltert. Die Regimetreuen betonten, dass jeder der mit der PMOI zusammen arbeite als Feind Gottes (Mohareb) betrachtet werde und somit auch mit dem Tod zu bestrafen sei, selbst wenn die Person nur an politischen Aktivitäten beteiligt gewesen sei.

Der Trend hin zur Unterdrückung hat sich verstärkt. Die Hinrichtung von zwei jungen politischen Gegnern und die Todesstrafe für neun weitere sind Zeichen der Panik im Regime. Das Regime versuchte, die Menschen durch Entmutigung von der Teilnahme an Protesten zum Jahrestag der anti-Shah Revolution am 11. Februar abzubringen.
 
Trotz einer so hohen Zahl von Verhaftungen, Ermordungen und Verwundeten ist der Aufstand ein Sieg des Volkes und läutet die Todenglocke für das gesamte Regime.
Die gegnerischen  internen Fraktionen können möglicherweise nicht ihren Wunsch nach Veränderungen auch nach außen vertreten, aber wenn sie selbst auf Distanz zum Obersten Führer der Mullahs und die Verfassung des Regimes gehen, können sie sich auf der richtigen Seite wiederfinden.

Der Mythos von einer möglichen internen Reform des Regimes wurde in der Folgezeit nach der Scheinwahl ein zweites Mal begraben. Der Westen beging einen schwerwiegenden Fehler, in dem er in die Fähigkeit des Regimes, sich selbst zu reformieren, investierte.

Jeder weiß, dass das System großen Nutzen aus seinen Beziehungen zum Westen und selbst aus den Atomgesprächen zog. Der Oberste Führer des Regimes versuchte diese als Zeichen der Stabilität zu bewerten. Inmitten des Aufstandes im Oktober 2009 vermittelte er den Irrglauben, dass er die Verhandlungsergebnisse von Genf akzeptieren zur Lieferung von Uranium akzeptieren würde, um sich Vorteile aus der Beschwichtigung der Westmächte zu verschaffen und auch die USA von der Unterstützung des Aufstandes abhalten könne.

Wir sollten uns daran erinnern, dass das Regime seine Ausrüstung für seine Einsätze gegen das Volk, seine Werkzeuge zum Anzapfen von Telefonleitungen und seine Werkzeuge zum Filtern des Internets von westlichen Firmen erhält.

Während unschuldige Menschen bei den Protesten ermordet oder erhängt werden, weil sie angeblich die „PMOI unterstützen“, gehen einige Regierungen noch immer restriktiv mit unserem Widerstand um, was bei der gegenwärtigen Lage des Aufstandes besonders beschämend ist.

Wer das Boykottieren von diplomatischen und Handelsbeziehungen mit dem Regime von einem Stopp der Repressalien abhängig macht – vor allem seitdem die Revolutionären Garden das Monopol der Wirtschaft in ihren Händen halten, die ja für die Niederschlagung der Proteste verantwortlich sind – unterstützt damit nur das Regime. Machen Sie keinen Fehler. Das iranische Volk will keine Unterstützung von der einen oder der anderen Regierung. Ich möchte nur Politiker einladen, sich nicht mehr auf die Seite des Regimes zu stellen und sich nicht in den Kampf des iranischen Volkes und seiner Folterer einzumischen.

Die Menschen werden ihren energischen Kampf für die Errichtung einer pluralistischen säkularen Republik fortsetzen. Jedes Land, das für das iranische Volk und seine rechtmäßigen Forderungen eintritt, wird geehrt werden und die Fehler der anderen Länder wieder gut machen. So können wir den Grundstein für zukünftige gesunde Beziehungen zum iranischen Volk legen.

* Das ist die auf der englischen Übersetzung beruhende deutsche Übersetzung des im Le Figaro veröffentlichten Artikels