Wednesday, December 7, 2022
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Ein Bericht über den Überfall auf Camp Ashraf im Irak

A screen grab taken from a video showing Iraqi armoured vehicles drive into crowds inside Camp Ashraf, zig-zagging from side to side and running several people down on July 28, 2009.Von: Jamshid Karegarfar, Ashraf, Irak
Quelle: The Washington Times, Sonntag, 25.Oktober 2009

Wie lang kann jemand ohne Essen und Trinken überleben? Das ist eine Frage, die ich mir vorher niemals gestellt habe bis die Antwort bei einem Quiyprogramm im TV eine große Rolle spielte. Es wurde zu einer persönlichen Angelegenheit zwischen Leben und Tod.

Vor zweieinhalb Monaten lebte ich den friedlichen Alltag eines Bewohners im Camp Ashraf im Irak. Vielleicht haben Sie niemals von diesem Ort gehört. Er liegt etwa 60 Meilen nördlich von Bagdad und ist die Heimstatt von etwa 3.500 iranischen Dissidenten – Menschen wie ich im Exil, die auf nichts anderes warten, als wieder in de Iran zurückzukehren, wenn es dort keine Mullahs mehr gibt, die die Menschen unterdrücken, Hass predigen und Terrorismus exportieren.

Nachdem ich den Iran auf meiner Suche nach Freiheit verlassen hatte, lebte ich einige Zeit in Kalifornien, Texas, Kentucky und Tennessee. Dann kam ich vor 20 Jahren nach Ashraf, lebte dort zusammen mit anderen, die die iranischen Volksmojahedin (PMOI/MEK), die iranische Hauptoppositionsbewegung unterstützen und davon träumen, eines Tages wieder nach Hause zurückzukehren.

Seit der Invasion unter den Amerikanern im Irak lebten wir – unbewaffnet und friedlich – unter dem Schutz der US Armee und den Genfer Konventionen. Als adie Vereinigten Staaten allerdings dem Rückzug ihrer Truppen aus dem Irak zustimmten, waren wir von der Gnade Bagdads abhängig, das immer mehr zu einem guten Kumpel von Teheran wird.

Die Lage spitzte sich am 28. Juli zu, als etwa 2.000 Männer der irakischen Armee Ashraf stürmten und zu dieser Verletzung auch noch amerikanische Humzees und Waffen benutzten, während die Amerikaner tatenlos zusahen. Bei dem Überfall starben elf und 500 wurden verletzt – und die Iraker entführten 36 aus Ashraf. Ich war einer davon.

Zuerst hielten sie uns außerhalb von Ashraf gefangen. In den ersten Tagen wurden wir mehrmals heftig geschlagen und physisch wie auch psychisch gefoltert. Einige von uns wurden von den Humzees überrollt bzw. von Kugeln getroffen und litten unsägliche Schmerzen.

Dann wurden wir in das Gefängnis in Khalis verlegt. Von dort brachten sie uns zu einem Konzentrationslager des irakischen Geheimdienstes und schließlich zum Gefängnis am Flughafen Muthana. Sie wollten damit unseren Willen brechen. Aber wir gaben nicht auf.

Aus Protest gegen den Überfall und die Verschleppung begannen wir mit einem Hungerstreik, wir verweigerten wochenlang das Essen und beteten für unsere Befreiung. Wir wussten nicht, was los war, weil wir gefangen waren. Und wir wußten nichts von der weltweiten Unterstützung für uns.

Erst nach unserer Freilassung erfuhren wir von den Hungerstreiks vor dem Weißen Haus und der US Botschaft in London, in Ashraf und an anderen Orten in Europa – alles für uns Sache und für die Gerechtigkeit.

Das Gericht in Khalis, unserem ersten Aufenthaltsort, hatte unsere Freilassung dreimal angeordnet. Der irakische Staatsanwalt sandte die Anordnung zu unseren unverzüglichen Freilassung landesweit im Irak an alle Polizeistationen. Doch die irakische Polizei und die Regierung weigerten sich aufgrund des Drucks und der Anfrage aus Teheran, die Anordnung umzusetzen.

Schließlich als mit unserer Verlegung nach Bagdad nach 65 Tagen auch die letzt Hoffnung wich, entschlossen wir uns, nicht nur das Essen, sondern auch das Trinken zu verweigern.

Als die Tage verstrichen – eins, dann zwei, dann drei – schwand auch der letzte Funke Hoffnung. Aber wir waren unnachgiebig. Ein paar meiner Freunde verloren das Bewußtsein und wurden von den irakischen Wächtern weggebracht. Später erfuhren wir, dass sie in ein Krankenhaus gebracht wurden. Und dann, am 72. Tag unseres Hungerstreikes – und dem siebenten Tag unseres trockenen Hungerstreikes, als wir schon mit dem Tode rangen – wurden unsere Gebete erhört.

Wir wurden frei gelassen. Wir wurden zum medizinischen Stützpunkt in Ashraf gebracht. Die Ärzte erklärten mir, dass einige von uns wahrscheinlich schon bald mit dem Tod gerungen hätten.

Wie wir überlebt haben, werde ich wohl nie erfahren. Es muss wohl Gottes Wille gewesen sein, dass wir unsere Geschichte selbst erzählen können, damit so etwas nie wieder geschieht.

Wir erfuhren auch von der weltweiten Unterstützung, die wir von Organisationen wie Amnesty International, der Internationalen Menschenrechtsorganisation, der Weltorganisation gegen Folter, dem Erzbischof von Canterburz, dem Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu und zahllosen Abgeordneten, internationalen Persönlichkeiten und Ausschussen aus der ganzen Welt erhielten. Wir haben bestimmt ihren Bemühungen unser Leben zu verdanken.

Das bedeutet aber nicht, dass Teheran nun aufhört, Ashraf und seine Gegner zu beseitigen, wo immer sie erreichbar sind. Deshalb muss die Weltgemeinschaft handeln.

Die US Regierung, die Vereinten Nationen und die Europäische Union müssen eingreifen, damit eine Wiederholung dessen verhindert werden kann, was mir und den anderen Bewohnern aus Ashraf angetan wurde.

Die US Regierung hat eine Vereinbarung mit jedem Bewohner von Ashraf unterzeichnet und muss solange die US Truppen im Irak sind, wenigstens bis Ende 2011 den sicheren Schutz für die Bewohner von Ashraf garantieren.

Die Vereinten Nationen sollten ein ständiges Beobachterteam in Ashraf einsetzen, um zukünftige Gewalt und eine Wiederholung des Angriffes oder die gewaltsame Umsiedlung dieser Menschen zu verhindern. Und die Grundrechte und der Schutz der Insassen von Ashraf durch die Vierte Genfer Konvention muss als in der Ende April angenommenen Entschließung vereinbart anerkannt werden.

Das wäre eine Bewährung für Präsident Obama, um dem Glauben des Kommitees für den Friedensnobelpreis an ihn gerecht zu werden und seinen "bully pulpit" für die Sache des Friedens und der Sicherheit der friedlichen Insassen von Ashraf  einzusetzen.

Ich wünsche keinem anderen, dass er selbst herausfindet, wie lange es jemand ohne Essen und Trinken aushält.

Jamshid Karegarfar ist ein Fertigungstechnologe mit Fachkenntnissen in Sicherheit. Er studierte an der staatlichen Univeristät in Kentuck Murray und lebt seit 20 Jahren im Camp Ashraf im Irak.