Sunday, November 27, 2022
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Irans schwere Hand auf den Menschenrechten

Dr. Gary MorschVon: Gary Morsch
Quelle: The Boston Globe

So wie die Regierungsbeamten der USA sich mit dem iranischen Weg zu Atomwaffen auseinandersetzen, so müssen sie sich auch mit dem Verstoß gegen die Menschenrechte bei ihrem eigenen Volk und der Einmischung des Regimes in die inneren Angelegenheiten des Iraks auseinandersetzen. Soldaten kümmern sich nicht selbst um Politik. Das überlassen wir den Politikern. Es gibt jedoch Zeiten, in denen ein Soldat eine Ausnahme macht. Wie alle, die bei amerikanischen Truppen im Irak eingesetzt waren, habe ich meinem Land gedient, um Frieden und Demokratie in den Mittleren Osten zu bringen. Ich bin ein Arzt aus Kansas und Oberst der Reserve und habe für ein Jahr in Ashraf, etwa 60 Meilen [ungefähr 97 km] nördlich von Bagdad gedient.

Von allen Orten, an denen ich im Irak war, war Ashraf vielleicht der friedlichste. Eine Gruppe iranischer Dissidenten, alle Mitglieder der iranischen Volksmojahedin, die wollen, dass die Demokratie wieder in ihr Heimatland zurückkehrt, hatte es vor 23 Jahren aufgebaut. Sie flohen kurz nach der 1979er Revolution aus dem Iran, weil sie sich gegen den neu errichteten theokratischen Staat stellten.

Tausende ihrer Freunde wurden von den Handlangern der herrschenden Ayatollahs hingemetzelt.

Inmitten einer Wüste verwandelten sie trockenes Brachland in eine Oase.  Sie bauten Schulen und Krankenhäuser, Geschäfte und Anlagen für Sport, Erholung und Konzerte. Sogar iranische Studenten, die nach Amerika kamen, gingen nach ihrer Ausbildung wieder nach Ashraf zurück.

Und die irakischen Menschen schlossen mit ihnen Freundschaft.

Nach der Invasion 2003 unter Führung der USA übergaben die iranischen Volksmojahedin ihre Waffen an die Koalitionsarmee und ließen monatelange Untersuchungen über sich ergehen – um zu beweisen, dass sie keine Terroristen gewesen seien und nur in Frieden leben wollten.

Je mehr ich sah, um so mehr begann ich die Menschen in Ashraf zu mögen. Sie fühlen sich der Demokratie und einem freien Iran verpflichtet und machen die Welt auf die Gefahr aufmerksam, die von den Mullahs in Teheran ausgeht.

Ashraf wurde durch eine Vereinbarung mit den Vereinigten Staaten durch die Vierte Genfer Konvention geschützt. Aber der gegenwärtige Rückzug der US Truppen macht aus dem Gebiet eine Art
Niemansland.

Die irakische Armee kontrolliert nun ihr eigenes Land, in dem die Lage in den meisten Fällen gut ist. Aber die irakische Führungsriege rückt näher an Teheran, und von dort wünscht man die Schließung von Ashraf und dass die Leute wieder in den Iran zurück gesendet werden – und man kann sich vorstellen, welches grauenhafte Schicksal sie dort erwartet.

Am 28. Juli stürmten die irakische Polizei und das Militär Ashraf auf Geheiß Teherans. Elf Bewohner wurden ermordet, 500 verwundet und 36 wurden 71 Tage lang als Geiseln gehalten.

Und wo waren die amerikanischen Beschützer? Ein Videoclip habe ich gesehen, da standen sie dabei und haben beobachtet und wenig getan, um das Blutvergießen zu verhindern.

Die Obama Administration kritisierte die iraksichen Sicherheitskräfte und ihr brutales Vorgehen, aber das ist nicht genug. Die irakische Armee hält noch immer Teile von Ashraf besetzt. Das Leben von 3.400 Menschen, die den Vereinigten Staaten vertrauten, steht zur Diskussion. Weil ich die Notwendigkeit für ihre medizinische Betreuung kenne, bin ich freiwillig nach Ashraf gegangen, um die Verwundeten medizinisch zu versorgen.

Ich bin wegen der Menschen in Ashraf traurig und verärgert über die amerikanische Inaktivität. Das war für mich als Arzt, als Soldat, als Mensch und vor allem als Amerikaner ein beschämender Moment.

Die Nation, der ich diene, gab das Versprechen, diese Menschen zu beschützen. Inzwischen war ich dort, und habe diese Mission erfüllt. Die Obama Administration muss einen Weg finden, um dieses Versprechen zu halten, vor allem jetzt. Es ist zu sehen, dass der Wind of change über den Iran hinwegfegt. Die fundamentalistischen Mullahs in Teheran wissen, dass sie mit ihrem eigenen Volk in Zwietracht liegen. Der Präsident muss jetzt handeln.

Dr. Gary Morsch ist ein Oberst der Reserve.