Exil-Iraner präsentieren sich bei Europa-Treffen als Alternative zu den Mullahs.
Von RUDOLF BALMER
DIE PRESSE – PARIS. Zehntausende Anhänger des „Iranischen Nationalen Widerstandsrates“ (NWRI) versammelten sich am Wochenende in Villepinte nördlich von Paris: Sie forderten, dass die oppositionellen „Volksmudschahedin“ von den USA und den Staaten Europas in ihrem Kampf gegen das Mullah-Regime anerkannt und nicht mehr als Terroristen eingestuft werden.
Einen ersten Erfolg konnte der NWRI vor einiger Zeit in Großbritannien feiern, wo diese schon in den 1960ern gegründete Bewegung trotz Bedenken des Innenministers per Parlamentsbeschluss von der Liste der terroristischen Organisationen gestrichen wurde.
„Entfernt diese Ketten“
NWRI-Präsidentin Marjam Radschawi, die bei ihrer Rede vor frenetischen Anhängern Kopftuch trug, appellierte an westliche Regierungen: „Entfernt diese Ketten, mit denen ihr die Hände und Füße des Widerstands gegen die religiöse Diktatur gefesselt habt!“ Sie kritisierte die Haltung der derzeitigen US-Regierung, die immer noch versuche, die „Mullahs in Teheran zu besänftigen“: Einen produktiven Dialog mit dem Regime in Teheran führen zu wollen, sei so absurd wie „Steine kochen zu wollen – das ist bloß verlorene Zeit“.
Die Volksmudschahedin bezeichnen es als ihr Ziel, ohne Krieg das Mullah-Regime stürzen und einen „freien und demokratischen Iran“ aufbauen zu wollen, in dem Meinungs- und Religionsfreiheit herrsche. Vom Westen wollen sie harte Sanktionen gegen den Iran.
Rückzugsbasis der Volksmudschahedin, die im Iran bewaffneten Widerstand schüren, war stets der Irak. Nach der Intervention im Irak schlossen die USA eine Art Stillhalteabkommen mit den Volksmudschahedin. In Frankreich besitzt der NWRI ein Zentrum in Auvers-sur-Oise, in dem bei einer großen Polizeiaktion im Juni 2003 viele Mitglieder vorübergehend festgenommen und neben Computern auch große Geldsummen konfisziert worden waren.
Hoffen auf Sarkozy
Der damalige Innenminister, der heutige Präsident Nicolas Sarkozy, hatte dazu erklärt, er wolle nicht, dass die Mudschahedin in Frankreich ihr Rückzugslager aufbauten. Die Mullahs gratulierten damals Paris zu dem Schritt. Jetzt hofft der NWRI, dass sich Sarkozy als neuer EU-Ratspräsident für die Legalisierung der iranischen Opposition in Europa einsetzt. Immerhin verweist der NWRI darauf, dass man der UNO vor einigen Jahren Informationen zukommen ließ, durch die Irans bis damals geheimes Atomprogramm aufflog.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.06.2008)
