
Der Sturz des Regimes von Bashar al-Assad in Syrien hat die tiefsitzenden Ängste der Kleriker Diktatur bloßgelegt, wie es die neuesten Verlautbarungen und seine Aktionen beweisen. Während der Oberste Führer Ali Khamenei in seiner Ansprache am 11. Dezember Zuversicht auszustrahlen versuchte, ließen seine wiederholten Warnungen an die Medien vor Dissens und Bedrohungen ein Regime erkennen, das sich zunehmend seiner Stabilität nicht mehr so sicher ist. Die Entwicklungen in Syrien haben nicht nur seine regionalen Ambitionen aufgerieben, sondern sie haben in Teheran Panik über potentielle heimische Rückwirkungen ausgelöst.
Mohammad Dschafar Montazeri, der Chefrichter des Regimes, versuchte, Vergleiche zwischen Iran und Syrien abzuweisen, aber dabei enthüllten sich seine zugrundeliegenden Ängste: „Die Islamische Republik des Iran ist nicht mit der Regierung in Syrien zu vergleichen. Aber wir dürfen den Feind nicht unterschätzen, weil seine Ränke sich gegen alle Länder der Region richten können“, meinte er. Seine anschließende Drohung gegen Dissenter verrieten das Unbehagen des Regimes: „Diejenigen, die die Flammen der Propaganda des Feindes im Cyberspace anfachen wollen, werden die ganze Strenge erfahren“.
Diese Furcht manifestierte sich auch in dem Vorgehen gegen heimische Stimmen, die sich erhoben haben. Die Justiz hat Insider vorgeladen wie die früheren Parlamentsangehörigen Heshmatollah Falahatpisheh und Bahram Parsaei, den dem Staat verbundenen Journalisten Marzieh Mahmoudi und politische Analysten wie Ali Khossrowani, Sadegh Zibakalam, Mohammad Mohadscheri, Fayvaz Zahed und Ali Abdi, außerdem mehrere Operatoren des Kanals Telegram. Sie wurden offiziell beschuldigt, „Falschinformationen verbreitet“ und „die öffentliche Moral untergraben“ zu haben. Laut Tabnak hat das Büro des Staatsanwaltes von Teheran gegen diese Personen Anklage erhoben, ein Schritt, der weithin als verzweifelter Versuch angesehen wird, die Kritik an der Außenpolitik des Regimes im Anschluss an den Sturz Assads zu unterdrücken.
Khamenei selbst räumte die Verletzlichkeit des Regimes ein, als er erklärte: „Manche unternehmen etwas gegen uns in der Form von ausländischen Medien in persischer Sprache und gegen sie muss man anders vorgehen, aber niemand sollte innerhalb des Landes so etwas tun “. Der Justizchef Gholamhossein Mohseni Edschei betonte darüber hinaus die Notwendigkeit von „laufender Überwachung“ der sozialen Medien und ordnete an, dass die Sicherheitskräfte sich gegen das, was er „psychologische Operationen“ nannte, zu stellen, die darauf ausgerichtet seien, das öffentliche Vertrauen in das Regime zu untergraben.
Auch religiöse Führer verrieten ihr Unbehagen in öffentlichen Erklärungen. Ahmad Alamolhoda, Vertreter Khameneis in Maschhad, gab das „Angst Erregende” zu, das in den Ereignissen in Syrien liege und verurteilte diejenigen, die Verzweiflung verbreiteten. „Einige gemütskranke Leute versuchen, Hoffnungslosigkeit auszustreuen im Hinblick auf die Macht des Widerstands“, erklärte er und wies Befürchtungen zurück, dass das Kleriker Regime im Iran ein ähnliches Schicksal erwarten könne“.
Dagegen war es an Allahnur Karimi Tabar, dem Leiter der Freiheitsprediger in Ilam, unumwundener die Wiederspiegelung der Befürchtungen des Regimes auf den Tisch zu legen. Er kritisierte Assads Entscheidung, sich vom Iran zu distanzieren, mit den Worten: „Wenn Bashar al-Assad nicht der Islamischen Republik des Iran den Rücken zugekehrt hätte und auf Amerikas falsche Versprechungen hereingefallen wäre, so wäre dieses Unglück nicht über das unterdrückte Volk in Syrien gekommen“. Er warnte die iranischen Amtsträger vor Nachlässigkeit und fügte hinzu: „Das letztendliche Ziel dieser Machenschaften ist die Islamische Republik. Wenn wir Zeit verlieren, wird Reue vergeblich sein “.
Der Parlamentssprecher Mohammad Bagher Ghalibaf gestand die schädlichen Auswirkungen ein und bezeichnete den Sturz Assads als Ursache von „Störungen im logistischen Netz der regionalen Kräfte des Iran “. Einerseits behauptete er zwar, dass die Hisbollah sich den neuen Umständen anpassen könne, räumte aber andererseits ein, dass das Versäumnis Syriens, auf die Warnungen des Iran zu hören, zu „internem Chaos“ geführt habe. Er warnte außerdem davor, dass der Iran „bedeutende Schwierigkeiten“ bekommen werde, wenn er es unterlasse, entschieden etwas gegen die schnelle Verschiebung der regionalen Landschaft zu tun.
Unterdessen spielte der Befehlshaber des IRGC Hosssein Salami den strategischen Verlust herunter, ließ aber auch eine defensive Haltung erkennen. „Manche in den politischen und intellektuellen Kreisen verbreiten die Idee, dass der Iran an regionalem Einfluss verloren habe; wenn wir aber schwach wären, würden wir nicht Operationen wie Wahres Versprechen durchführen“, so sein Argument. Salami kritisierte auch Erwartungen, dass der Iran für Assad hätte kämpfen sollen, und nannte solche Forderungen „unlogisch“.
Diese Verlautbarungen und Handlungen demonstrieren ein Regime, das zunehmend von Angst gelähmt ist. Die iranische Führung ist sich akut der Parallelen zwischen Syriens Revolution und seiner eigenen prekären heimischen Situation bewusst. Sie können nicht ignorieren, dass eine kleine, aber disziplinierte und gut trainierte Rebellentruppe mit großem Zusammenhalt die viel größere, besser ausgestattete und professionell trainierte syrische Armee besiegt hat. Dieses Resultat unterstreicht deutlich, wie verletzlich Regimes sind, die sich auf Repression und externe Anhängerschaft verlassen. Das ist eine Realität, die sich auch für Teheran bedrohlich abzeichnet.
