
Rentner der Sozialversicherung in Ahvaz, Süd-Iran, gingen am 12. Januar 2025 auf die Straße, um zu protestieren.
In den letzten paar Tagen sind im ganzen Iran Proteste ausgebrochen, in denen Arbeiter, Rentner und andere Bürger ihre Frustrationen über wirtschaftliches Missmanagement, Korruption und systemische Ungerechtigkeiten laut werden ließen. Hier eine Übersicht über die wichtigsten Protestaktionen:
Am 12. Januar haben sich in Teheran Rentner der Organisation für Soziale Sicherheit vor dem Hauptquartier dieser Organisation versammelt und ihre Forderungen nach höheren Renten und Voraussetzungen für ein auskömmliches Leben wiederholt. In Rezvanshahr im Nordiran haben Arbeiter des Unternehmens Chuka für Holz und Papier gegen nicht ausgezahlte Löhne protestiert und damit eine Welle ähnlicher Kundgebungen der Rentner des gleichen Unternehmens fortgesetzt, die schon zuvor höhere Renten verlangt hatten.
In Kerman im Südiran haben Händler des Arg Platzes eine Kundgebung veranstaltet, um gegen wirtschaftliche Härten und die Schließung der Fläche für diesen wichtigen Marktplatz in der Region zu protestieren. In Schusch im Südwesten des Iran haben Rentner der Organisation für Soziale Sicherheit eine Protestveranstaltung vor dem Gouverneursgebäude abgehalten und eine Anpassung der Renten an das Niveau der Lebenshaltungskosten angemahnt mit der Parole: „Wir haben kein Geld, kein Brot – diese verfluchte Inflation!“ In Ahwas im Südwesten des Iran haben Rentner der Organisation für Soziale Sicherheit sich unter dem Ruf: „Hohe Preise, die Inflation zerstört unser Leben!“ versammelt. Sie verlangten Rentenerhöhung und bessere Lebensbedingungen.
January 12—Meymand, southern Iran
Residents of Meymand rally to protest the confiscation of their lands by the government under the pretext of serving religious sites.#IranProtestspic.twitter.com/jn9xWIOqKU— People's Mojahedin Organization of Iran (PMOI/MEK) (@Mojahedineng) January 12, 2025
In Bandar Abbas haben betrogene Kunden der vom Staat unterstützten Immobiliengesellschaft Maskan Melli Protestaktionen gegen Missmanagement und finanzielle Ausbeutung abgehalten. In Meymand im Südiran haben Bewohner eine Kundgebung gegen die Beschlagnahmung ihres Landbesitzes unter dem Vorwand des Ausbaus religiöser Stätten abgehalten und die Behörden beschuldigt, ihre lokalen Rechte zu missachten.
Am 8. Januar haben in Vasekan im Nordwestiran Arbeiter der Goldmine Masra’e Schadi sich vor dem Gebäude des Gouverneurs versammelt, um sich gegen die schwierigen Lebensbedingungen, nicht ausgezahlte Löhne und Massenentlassungen aufzulehnen. Die Arbeiter sprachen darüber, dass sie nach acht Jahren ihrer Dienste und dem Ausdauern von harten Arbeitsbedingungen entlassen worden seien. Die privaten Manager der Mine zeigten keinerlei Reaktion.
Wiederum in Teheran protestierten Kunde des Autoherstellers Azim Khodro, die von ihm betrogen worden sind, am dritten Tagt in Folge vor dem Gerichtskomplex Galubandak und forderten Rechenschaft vom Management des Unternehmens.
PMOI Resistance Units carry out anti-regime activies during Pezeshkian’s visit to Sistan and Baluchestan https://t.co/jFgxqwQIeu
— People's Mojahedin Organization of Iran (PMOI/MEK) (@Mojahedineng) January 11, 2025
Zugleich ist zu hören, dass in Golschan und Chasch Sicherheitsleute zwei junge belutschische Männer bei neueren Zusammenstößen erschossen haben. Am 8. Januar wurde das Begräbnis von Abduldschalil Gomschadzadi, einem 20jährigen Belutschen, der von Regierungskräften getötet worden ist, zum zentralen Punkt des Ausdrucks von lokaler Unzufriedenheit. Hadsch Hamid Gomshadzadi, ein Stammesältester, verurteilte die Unterdrückung durch das System und die Diskriminierung belutschischer Bürger und erhob Klage gegen die Behörden, dass sie Unsicherheit verbreiteten und krimineller Elemente anheuerten, um die Region zu destabilisieren.
Am 7. Januar gingen in Chorramschahr im Südwesten des Iran Arbeiter des Iran Ofogh Unternehmens auf dem Ölfeld Yadavan in den fünfzehnten Tag des Streiks. Trotz des widrigen Wetters setzten sie ihre Proteste gegen niedrige Löhne und schlechte Arbeitsbedingungen fort, wobei sie das Vermögen hervorhoben, das auf dem Ölfeld generiert werde im Vergleich zu ihrer elenden wirtschaftlichen Situation.
Ebenfalls in Bandar Abbas im Südiran protestierten Bewohner des West Schahed Komplexes von dem staatlich unterstützten Mehr Immobilienunternehmen vor dem Gouverneursgebäude. Sie wandten sich gegen die plötzliche Erhöhung der Aufwendungen für Bausparverträge, die sie ihrer Meinung nach unter unerträglichen finanziellen Druck setzten. Die Behörden verschlossen, wie es heißt, die Türen zu dem Gebäude und weigerten sich, sich mit dem Protestierenden auseinanderzusetzen.
January 12—Ahvaz, southwest Iran
Pensioners of the Social Security Organization hold protest rally, reiterating demands for higher pensions and better living conditions.
"High prices, inflation, have destroyed our lives!" protesters chant#IranProtests pic.twitter.com/SkxtJCvynp— People's Mojahedin Organization of Iran (PMOI/MEK) (@Mojahedineng) January 12, 2025
In Kaswin im Nordiran veranstalteten betrogene Kunden des vom Staat unterstützten Autoherstellers Resavat Chodro eine Kundgebung vor dem Justizgebäude und verlangten Gerechtigkeit und Anklageerhebung gegen Manager des Unternehmens wegen betrügerischer Machenschaften. In Teheran beschwerten sich Arbeiter der Stadtverwaltung vor dem Rathaus über elende Arbeitsbedingungen und mangelhafte Absicherungen in ihrem Job. Viele dieser Arbeiter betonten, dass es ihnen nicht möglich sei, ihre Arbeitsverträge zu sichern, und dies auch nach 18 Jahren ihrer Dienste; sie seien gezwungen Zweitjobs aufzunehmen, um zu überleben.
Am 7. Januar zerstörten Sicherheitskräfte ohne Vorwarnung oder gerichtliche Dokumente Wohnungen und machten Familien obdachlos. Es brachen Proteste aus, weil die örtlichen Bewohner sich widersetzten, und es kam zu Zusammenstößen. Zeugen berichteten, dass die Sicherheitskräfte eine Mutter heftig verprügelten, die gegen die Zerstörung ihrer Wohnung Protest erheben wollte. Menschenrechtsaktivisten prangerten die Demolierungen als grobe Verletzungen von Bürgerrechten an, die die Lebensbedingungen von verarmten belutschischen Gemeinden verschärften.
January 12—Tehran, Iran
Pensioners of the Social Security Organization hold protest rally, reiterating their demands for higher pensions and better living conditions.#IranProtests pic.twitter.com/5j5PYzYDjG— People's Mojahedin Organization of Iran (PMOI/MEK) (@Mojahedineng) January 12, 2025
Auch am 7. Januar verursachte eine Explosion in einer Kupfermine in Meschginschahr beträchtlichen Schaden für die umliegenden Dörfer, darunter Dschabardark, wo Wohngebäude und öffentliche Bauten Risse bekamen. Einige Familien mussten ihre Wohnungen verlassen. Bewohner, die über die Zerstörung und die ausbleibende Verfolgung der Schuldigen erzürnt waren, blockierten die Zufahrt zur Mine unter Protest und verlangten eine Ende der Vernachlässigung der Umwelt und der Infrastruktur.
Diese Proteste spiegeln die zunehmende Unruhe im ganzen Land wider, die von wirtschaftlicher Not, im System liegender Korruption und Verstöße gegen Menschenrechte befeuert wird. Die öffentlichen Instanzen haben es weitgehend versäumt, sich um die Forderungen der Protestierenden zu kümmern und damit die Spannungen in einem Land verschärft, das schon von verbreiteter Unzufriedenheit gekennzeichnet ist.
