Saturday, December 10, 2022
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Anglikanischer Kirchenführer besorgt über das Lager Ashraf im Irak

Archbishop of Canterbury Rowan Williams LONDON (Agenture) Das geistliche Oberhaupt der Anglikanischen Kirche hat sich am Sonntag besorgt über die iranischen Emigranten geäußert, die in einem irakischen Lager leben: Sie seien "Verletzungen der Menschenrechte" ausgesetzt, deren man sich umgehend annehmen müsse.

Der Erzbischof von Canterbury Rowan Williams sagte, sowohl die Vereinigten Staaten als auch die irakische Regierung sei verpflichtet, die Bewohner des Lagers Ashraf zu schützen, des Wohnortes einer Dissidentengruppe der "Organisation der Volksmojahedin des Iran (PMOI)".

"Die fortwährende ernste Situation in Ashraf stellt im Verein mit der Tatsache, daß 36 Personen, die im Juli aus dem Lager verschleppt wurden, noch immer nicht freigelassen worden sind, ein Menschenrechtsproblem von großer Bedeutung und Dringlichkeit dar", sagte Williams in einer Erklärung.

Die 3500 Bewohner des Lagers befanden sich im Schutz der amerikanischen Armee, bis, im vergangenen Januar, die Verantwortung an die irakische Verwaltung übertragen wurde.

Ende Juli übernahmen die irakischen Truppen die Kontrolle über das Lager, das nordwestlich von Bagdad liegt; dabei kam es zu Zusammenstößen, bei denen mindestens sieben Emigranten getötet wurden.

Einige der Bewohner befinden sich seitdem im Hungerstreik und fordern die Befreiung der 36 Personen, die während des Überfalls festgenommen wurden. Sie fordern ferner die irakischen Truppen auf, das Lager zu verlassen.

"Sowohl die Regierung des Irak als auch die der Vereinigten Staaten – letztere wegen ihrer Verantwortung für die Übergabe der Bewohner des Lagers an eine andere Verwaltung – haben die Verpflichtung, die Rechte dieser Bewohner zu sichern und sie vor Gewalttat und Mißhandlung zu schützen", sagte Williams auf seiner Website.

"Ich hoffe, daß alle, die es angeht, auf die Stimmen derer hören, die, überall in der Welt, über diese Menschenrechtsverletzungen tief besorgt sind; ich hoffe, daß sie umgehend darauf reagieren werden."

Einige Mitglieder des US-Kongresses haben die Administration von Präsident Barack Obama kritisiert, weil sie die Situation ignoriert und keine adäquate Antwort auf den Überfall des Juli gegeben hat.

Vertreter der USA erklären, das Lager sei eine Angelegenheit Bagdads, seitdem es seine Sicherheitsprobleme selbst in die Hand genommen habe. Zugleich erklärten sie, die Bewohner von Ashraf sollten menschlich behandelt und nicht zwangsweise in den Iran repatriiert werden.

Doch Menschenrechts-Anwälte klagen den irakischen Premierminister Nuri al-Maliki an, daß er die Zusicherungen ignoriert, die er Washington, die Behandlung der Lagerbewohner betreffend, gegeben hat, und die die irakische Regierung wegen ihrer engen Bindung an den Iran jetzt irritieren.

Williams sagte, es gab gute Gründe, den Bewohnern von Ashraf im Sinne des internationalen Rechts den Status "geschützter Personen" zuzuerkennen. Er bat zugleich die im Hungerstreik Befindlichen, ihren Protest zu beenden.

"Der Verlust weiteren Lebens könnte nur zu weiteren tragischen Ereignissen führen", sagte er.