Tuesday, February 7, 2023
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Arbeiter der iranischen Fabrik „Azarab“ sind von der Korruption des Regimes betroffen

Am 6. Oktober begannen die Arbeiter der Fabrik „Azarab“ in Arak mit einer neuen Serie von Streiks; sie protestierten gegen die Vorenthaltung längst fälliger Löhne, das Mißmanagement in der Fabrik und ihre Privatisierung.

Die Fabrik „Azarab“ und ihre Arbeiter sind Opfer der im iranischen Regime längst institutionalisierten Korruption und befinden sich derzeit in einer unerträglichen Lage; die Arbeiter haben daher erneut mit Demonstrationen und Streiks begonnen.

Die erste Serie ihrer Sreiks begann zu Beginn des Jahres 2017. Arbeiter von „Azarab“, denen man bereits drei Monate lang ihre Löhne vorenthalten hatte, versammelten sich und demonstrierten für das, was man ihnen schuldig war. Diese Demonstrationen wurden bis zum Juni 2017 fortgesetzt und im Juli 2017 wieder aufgenommen. Nun forderten die Arbeiter ihre Löhne, die man ihnen fünf Monate lang vorenthalten hatte; doch niemand antwortete auf ihr Verlangen.

Die nächste Runde der Demonstrationen der Arbeiter begann im Oktober 2017. Das iranische Regime verhaftete den leitenden Direktor der Firma, um die Arbeiter zum Schweigen zu bringen.
Die Frage lautet: Warum gerät eine riesige Fabrik, die für die Erhaltung der Industrie des Landes verantwortlich ist, plötzlich in eine so mißliche Lage, daß die Entlohnung ihrer Arbeiter verhindert wird?

Der Vorgänger von Hassan Rouhani, Mahmoud Ahmadinejad, ließ im Jahre 2006 die Fabrik „Azarab“ privatisieren. Bis 2013 arbeitete sie mit inländischen sowie internationalen Firmen in großem Umfang zusammen; sie unterstützte einen erheblichen Teil der industriellen Vorhaben des Landes. Doch zu Beginn des Jahres 2013 wurden – unter der Regierung Rouhanis – die meisten Vorhaben der Fabrik „Azarab“ gestrichen.

Einer der leitenden Direktoren dieser Fabrik sagte: „Als diese Regierung (d. i. Rouhani) an die Macht kam, wurden einheimische Firmen, darunter ‚Azarab‘, in Assalouye unter dem Vorwand unzureichender Kompetenz von Kraftwerken ausgeschlossen … , und die Regierung unterschrieb Verträge mit ausländischen Firmen.“

Die Regierung Rouhani erteilte der Fabrik „Azarab“ einen Gnadenschuß – mit der Ausrede, „es fehlten Kredit und zureichende Kompetenz“; sie unterschrieb Verträge mit ausländischen Firmen. Das führte zu dem Eintritt von 1500 Angestellten dieser Fabrik in den vorzeitigen Ruhestand; die Menge einiger ihrer Produktarten ging auf 10% zurück. Weiß Rouhani denn nicht, daß die wichtigste Aufgabe einer Regierung darin besteht, die einheimische Industrie vor dem Einfluß fremder Länder zu schützen? Welche Art von Verschwörung lag diesen Maßnahmen zugrunde?

Ein Blick auf auf die Stellung und Rolle, die diese Super-Firma in der Erhaltung der wichtigsten Industrien des Iran gespielt hat, klärt über das Ausmaß der Krise auf.

„Azarab-Industries“ – das ist eine iranische Super-Holding, beteiligt an dem Aufbau der industriellen Infrastruktur, an Öl- und Gas-Raffinerien, petrochemischen Unternehmen, am Bau von Dämmen, Zementfabriken, Wasserkraftwerken, Gas-, Wärme- und Atomkraftwerken und ihrer Herstellung.

Die Fabrik „Azarab“ ist der Automobil-Fabrik in Arak benachbart; vor der iranischen Revolution von 1979 war sie integriert in den Plan zur Erweiterung dieser Fabrik. 1982 wurde sie zu einem selbständigen Unternehmen.

Das Gelände dieser Fabrik beträgt 37 Morgen, der Umfang ihrer wichtigsten Werkhallen beträgt etwa 70 000 qm; der Umfang der überdachten Räumlichkeiten 110 000 qm.

Diese Fabrik arbeitet mit anderen – z. B. IHI, GKK, JSW – auf dem Gebiet der Entwicklung und Herstellung von Dampfkesseln, Vorheizern, Masten, Reaktoren, Druckkesseln und anderen Kesseln zusammen. Außerdem arbeitet „Azarab“ in der Entwicklung und Herstellung von Dampfkochern und Kesseln zur Kombination von Gas und Dampf mit „Foster Wheeler (FW)“ und in der Herstellung von Francis-Wasserturbinen mit der „Voith-Group“ zusammen.

Die Fabrik „Azarab“ gilt im Iran und im gesamten Nahen Osten als eines der größten Generalvertragsunternehmen. Sie hat viele Projekte zu Ende gebracht, darunter das Kraftwerk in Qom, das Kraftwerk von „Shazand“ in Arak, die Ölraffinerie in Isfahan, die Gasraffinerie in Kangan und die petrochemische Raffinerie in Arak.

Diese Fabrik spielt in dem Wachstum der iranischen Industrie eine Schlüsselrolle, befindet sich derzeit aber am Rande eines absoluten Bankerotts – im korrupten System des Regimes.

Das iranische Regime antwortet auf jede Art von Protest und Streik mit Repression, besonders wenn sie von Arbeitern betrieben werden – aus Angst vor ihrer Ausbreitung; es kommt dazu, daß die Sicherheitskräfte des Regimes die streikenden Arbeiter angreift und jene, die an den Streiks teilnehmen, verhaftet.

Der iranische Widerstand verurteilt die Art, wie der religiöse Faschismus auf die Proteste der Arbeiter reagiert, denn sie beharren nur auf ihren Grundrechten. Er hat erklärt, daß die Arbeiter, wenn sie auf ihrem Protest beharren, diese Grausamkeit besiegen werden.

Im September 2019 wurden in 71 iranischen Städten und den Industriegebieten von 28 Provinzen insgesamt 284 Demonstrationen gezählt – mehr als in dem Monat zuvor.

Die meisten von diesen Protesten, besonders von Arbeitern gegen die Vorenthaltung der Löhne unternommenen, dauern seit Monaten an.