Sunday, February 5, 2023
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Sprachrohr des Obersten Führers ruft zur Einnahme der US Botschaft im Irak auf

Am 30. Oktober 2019 rief die Staatliche Tageszeitung Kayhan, die als Sprachrohr der iranischen Regierung gilt, zu einer Einnahme der Botschaft der Vereinigten Staaten in Bagdad auf.

Hossein Shariatmadari, Herausgeber und Repräsentant des Obersten Führers des iranischen Regimes in der Zeitung Keyhan forderte in einem Leitartikel die vom Iran unterstützte Milizen im Irak, die als „Hashd al-Shaabi“ bekannt sind, zur Einnahme der US Botschaft auf.

Shariatmadari, dessen Aussagen Khameneis Meinungen wiederspiegeln, schreibt: „in einem früheren Artikel kam mit der Erwähnung einer Einnahme der US Botschaft im Iran, die vom Imam als „zweite Revolution“ bezeichnet worden war, das Thema im Zusammenhang mit der Frage auf, warum die irakischen revolutionären Jugendlichen … nicht die Anwesenheit der US Botschaft in Bagdad beenden, die das Epizentrum der Verschwörung und Spionage gegen unschuldige Bürger im Irak sei und der: Warum eliminiert ihr nicht diese infizierte Wunde aus unserem heiligen Land? Die Einnahme des US Spionagezentrums im islamischen Iran und die Beseitigung dieses Epizentrums der Verschwörung brachte uns viele Vorteile. Warum haben also die revolutionären Jugendlichen im Irak uns dieser Vorteile beraubt?“.

Eine der Hauptforderungen der Demonstrationen im Irak und im Libanon ist die Vertreibung des iranischen Regimes und seiner Handlanger, der terroristischen Milizen, aus ihrem Land. Um davon abzulenken, behauptete, Khamenei, die Proteste wären durch Washington und die Saudis inspiriert.

Entsprechend kam Shariatmadari in seinem Leitartikel zu dem Schluss, dass die neueste Erhebung im Irak von der US Botschaft aus und von den Saudis gesteuert werde und dass die Einnahme der US Botschaft in Bagdad der erste Schritt sei, sich der Erhebung entgegenzustellen. Er rief deshalb die vom Iran unterstützten Milizen im Irak auf, die Botschaft zu erobern.

Was Shariatmadari als „Vorteile der Einnahme der US Botschaft“ bezeichnet, führt zurück in die Situation des Regimes im Jahr 1979. Damals brauchten die Mullahs eine große Krise, um die demokratischen Kräfte im Iran zu beseitigen und die eigene Position zu stabilisieren. Durch die Einnahme der US Botschaft und die Geiselnahme des Personals aus 52 Leuten für 444 Tage unterdrückten die Mullahs alle demokratischen Kräfte und versuchten, ein theoretisches Regime mit der absoluten Befehlsgewalt der Mullahs zu etablieren.

Die Proteste im Irak und im Libanon bedrohen die regionale Einflusszone des iranischen Regimes zu einem Zeitpunkt, wo es unter den lähmenden US Sanktionen ächzt. Seit eine der Hauptforderungen der Demonstranten im Irak die Vertreibung des iranischen Regimes, der mit ihm verbünden schiitischen Parteien und der in ihrem Auftrag handelnden terroristischen Milizen ist, fürchten die Mullahs um ihre Position im Irak.

„Bei den erneuten Protesten in dieser Woche standen Männer in Zivil und mit Masken vor den irakischen Soldaten Auge in Auge mit den Protestierenden und feuerten mit Tränengas. Anwohner sagten, sie wüssten nicht, wer das sei, und es gab Spekulationen, dass es Iraner seien“, berichtete AP am 30. Oktober 2019 und ergänzte: „Der Iran fürchtet diese Demonstrationen, weil er bisher den größten Gewinn aus den ihm nahe stehenden Parteien in der Regierung und im Parlament gezogen hat“ seit der Invasion unter der Führung der USA im Jahr 2003, erklärte Hisham al-Hashimi, ein irakischer Analyst über Sicherheitsfragen. „Der Iran möchte diesen Gewinn nicht verlieren. Deshalb hat er versucht, mit Hilfe der ihm ergebenen Parteien die Proteste auf sehr iranische Weise einzuhegen“.

Im südlichen Irak haben Protestierende die Büros von Parteien und der von der Regierung unterstützten Milizen, die mit dem Iran verbündet sind, angegriffen und in Brand gesetzt.
„Alle Parteien und Gruppierungen sind korrupt und das steht im Zusammenhang mit dem Iran, weil er versucht, sein System der Kleriker Herrschaft in den Irak zu exportieren“, sagt Ali al-Araqi, ein 35-jähriger Protestler aus den im Süden gelegenen Stadt Nasitiyah, die besonders gewaltsame Zusammenstöße zwischen Protestierenden und Sicherheitskräften erlebt hat.
„Die Bevölkerung ist dagegen und aus diesem Grund sieht man einen Aufstand gegen den Iran“, erläuterte er.

In der Nacht des Dienstag eröffneten in Kerbela maskierte Männer, die mit irakischen Sicherheitskräften in Verbindung zu stehen schienen, das Feuer auf die Protestierenden. Kerbela gilt als eine heilige Stadt, die mit dem Martyrium einer der im schiitischen Islam am meisten verehrten Figuren assoziiert wird. Mindestens 18 Protestierende wurden getötet und Hunderte wurden verletzt bei einem Blutvergießen, das einen unheilvollen Wendepunkt bei den Demonstrationen bilden könnte. In Bagdad verbrannten Protestierende die iranische Fahne. Ein paar Tage zuvor hatten sich Protestierende vor dem iranischen Konsulat in Kerbela versammelt und skandiert: „Iran, raus, raus!“, meldete AP.

Unter solchen Umständen muss das Regime sich auf Gewalt verlegen und darauf, die Demonstranten durch seine Milizen und verbündeten schiitischen Parteien zu unterdrücken.
Indem er eine Einnahme der US Botschaft in Bagdad zum Thema macht, droht Khamenei den USA und den westlichen Regierungen, sie sollten ja nicht die Aufstände der irakischen Bevölkerung unterstützen und stattdessen der vom Iran abhängigen Regierung Adel Abdul Mehdi helfen. Mit anderen Worten: es wird den USA und den westlichen Regierung gedroht, sie sollten sich gegen die Verbrechen der Sicherheitskräfte und Milizen blind stellen, damit das Regime im Iran und die ihm ergebenen Regierung im Irak ungehindert die Aufstände unterdrücken können.