Thursday, December 8, 2022
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Aus einem belagerten Camp

Ashraf, IraqIraner nach Rückzug der USA gefährdet

Washington Times
Von Mohammad Mohaddes | Freitag, August 28, 2009

CAMP ASHRAF, Irak.
Ich habe in einem Land gelebt, dass vom Staat kontrolliert wurde und in dem jemand vorsichtig ist was er sagt, weil er Angst davor hat, “zu verschwinden”.

Ich habe in einem freien Land gelebt, ging zur Schule, konnte studieren und sagen, was ich wollte – ohne Angst vor Repressalien.

Und ich habe in Freiheit in einem Land der eingeschräkten Möglichkeiten gelebt – man konne sagen was man wollte, aber man fragte sich, wie lange die Freiheit andauern würde.

Nun bin ich eine Geisel in diesem Staat und fühle mich nicht mehr frei. Zeitungen beschreiben mich als iranischen Dissidenten, dass heisst, ich habe keine Verwendung für die Mullahs, die mein Land regieren. Ich will eine blühende Demokratie sehen, aber dort ist nur eine Theokratie, welche Angst und Schrecken in der Welt verbreitet.

Zuerst lebte ich im Iran, in einer unterdrückenden Gesellschaft, die von den Mullahs dominiert wird und welche die Macht seit der Revolution von Ruhollah Khomeni im Jahre 1979 nach dem Sturz des Schah aufrecht erhalten hat.

Dann ging ich in die USA, um zu studieren. Aber ich sehnte mich nach meiner Heimat und einem Beitrag, den ich beim Widererlangen seines Platzes als ein Leuchtfeuer in der Welt leisten darf.

Ich wußte natürlich, dass ich dies nicht im Iran der Gegenwart tun kann. Dort würde ich verfolgt und verhaftet oder hingerichtet werden, wenn ich meine Gedanken ausspreche. So ging ich in den Irak und schloss mich anderen Exiliranern an und arbeitete mit ihnen daran, dass ich eines Tages in einen freien Iran zurück gehen kann.

Jetzt bin ich ein Bewohner von Ashraf, einer selbstversorgenden Stadt ca. 60 Meilen nödrlich von Bagdad. Ich habe meine eigenen Verwandten hier und habe hier Freunde, alle Mitglieder der Volksmojahedin Iran (PMOI), gefunden und wir waren zusammen in etwa 3.400 Menschen. Wir alle lebten an diesem Ort seit 1986 in Frieden, nachdem wir in das Land gekommen waren.

Wir haben die Wüste in eine Oase verwandelt. Wir haben Straßen und Gebäude gebaut, eine Moschee, eine Universität, einen Zoo, einen Park, Läden und ein Einkaufszentrum. Wir bauten Bildungs-, Sport- und soziale Einrichtungen und Schwimmingpools.  Wir baute auch einen Friedhof. Leider mussten wir ihn jetzt häufiger nutzen als sonst.

Die Bewohner von Ashraf lebten in Frieden Seite an Seite mit den iraksichen Nachbarn, bis die USA und seine Allierten 2003 den Irak angriffen. Wir stimmten einer Entwaffnung zu und unterzeichneten ein Abkommen mit den USA, damit sie bei uns blieben und uns unter der vierten Genfer Konvention schützten.

Jeder in Ashraf wurde von den US Behörden befragt und man bescheingte uns, dass wir nicht die “Terroristen” waren, wie die Mullahs es die Welt glauben lassen wollten.

Was ist die PMOI? Sie ist im Prinzip eine iranische Oppositionsbewgung, welche die Untedrückung der Mullahs, ihre im vorhinein feststehenden Wahlen, ihre Folterungen und Ermordungen ablehnt.

Mit der Zeit wurde die PMOI zu den Augen und Ohren der Freiheitsbewegung des Irans, sie warnte den Westen vor dem Atomprogramm der Mullahs, ihrem Export von Terrorismus und seine Einmischung im Irak (während die USA die PMOI auf seiner “Terrorliste” beliess, doch das ist eine andere Geschichte).

Wir begnügten uns damit, in Ashraf zu bleiben, unser Leben in Frieden zu leben und bemühten uns, unsere Ziele zu erreichen. Aber nachdem die USA ein Abkommen mit der Maliki Regierung in Bagdad unterzeichnete, dass sie ihre Truppen in den nächsten zwei Jahren abziehen werden, da sahen die Regenten in Teheran eine Möglichkeit, einen Dorn aus ihrem Auge (die PMOI) zu ziehen.
Im letzten Jahr versuchten wir den USA zu sagen, dass die Übergabe der Sicherheit von Ashraf an die Irak katastrophal wäre, aber niemand hörte zu. Die USA wollten irgendwie nicht glauben, dass die Maliki Regierung dem Iran näher stand als den USA.

Und als es zu internen Problemen bei den Mullahs kann, da erinnerten sie sich an ihre Freunde in der irakischen Regierung und setzten bei ihnen durch, dass sie die PMOI aus Ashraf veretreiben. Ende Juli passierte dann das Undenkbare.

Die von den USA ausgebildeten irakischen Einheiten überfielen, ausgerüstet mit amerikanischen Granaten und Humvees, unsere Stadt. Der Überfall begann am 28. Juli und ging einige Tage lang. Zehn Bewohner wurden getötet, hunderte verwundet. 36 Einwohner wurden verschleppt – ihr Schicksal ist unklar.

Darum sage ich, dass ich nun eine Geisel bin. Ich bin eine Geisel in meinem Haus, in einer Stadt, die ich mit meinen Freunde und Verwandten gebaut habe, um in Frieden zu leben.

Viele unserer Gebäude wurden abgerissen, unsere Autos zerstört und unsere Einrichtungen beschädigt. Viele von uns sind im Hungrstreik und wollen für unsere Sache sterben. Andere widerum leiden immer noch an ihren Verletzungen.

Was war unser Verbrechen? Gegen die Tyrannen im Iran zu stehen, gegen die, die die Demonstranten unterdrücken, die im Iran nach Freiheit rufen?

Ich frage die US Regierung: Was ist aus dem Abkommen geworden in dem steht, dass sie diese schutzlosen Menschen schützen wollen? Jeder von uns hat ein schiftliches Abkmmen mit der US Regierung unterzeichnet. Will man diese Abkommen einhalten oder den Regenten in Teheran erlauben, seine Verbrechen gegen die Menschlichkeit mit Hilfe seiner irakischen Agenten durchführen zu können?

Viel steht auf dem Spiel. Lassen wir geopolitische Erwägungen beiseite. Würden die USA 3.400 Soldaten opfern und Tausende von ihnen verwunden lassen, eine Billion $ ausgeben, um eine Riege von Tyrannen im Irak an die Macht zu bringen?

Wir leben in einem abgelegenen Teil des Irak und es war unsere Heimat seit zwei Jahrzehnten. Dennoch sollte sich Washington gewiss sein, dass die Welt auf uns blickt – und das Urteil wird hier gesprochen werden.

Mohammad Mohaddes, ein Chemiker, war im Iran ein politischer Aktivist während der Endphase der Regentschaft des Schah. Er  ging 1986 nach Camp Ashraf, wo er im Amt für öffentliche Gesundheit arbeitete. Er ist Bewohner von Ashraf und Mitglied des Nationalen Widerstandsrates Iran (NWRI), eines Zusammenschlusses von verschiedenen iranischen Oppositionsbewegungen