Wednesday, February 1, 2023
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Ausführungen von Prinz Turki Al Faisal während der Versammlung „Freier Iran“ am 1. Juli 2917 in Paris

NWRI – Am Samstag, den 1. Juli feierte der Nationale Widerstandsrat des Iran (NCRI) seine alljährliche Versammlung „Freier Iran“; dazu kamen mehr als 100 000 Personen, darunter hunderte hochrangige Politiker aus den USA und der EU sowie Würdenträger aus aller Welt.

Zu den Rednern der Veranstaltung gehörte der Ehrenwerte Prinz Turki Al Faisal, ehemaliger Botschafter Saudi-Arabiens in den Vereinigten Staaten und im Vereinigten Königreich, gegenwärtig der Vorsitzende des von König Faisal gestifteten Zentrums für Islamische Studien in Saudi-Arabien.

Es folgt der Text seiner Rede:

Im Namen Allahs des Erbarmers

Friede und Segen unserem Propheten Mohammed und seiner Familie und seinen Jüngern

Sehr verehrte Frau Maryam Rajavi,

sehr geehrter Herr Präsident Ahmed Al-Ghozali,

meine Damen und Herren!

Die Gnade und der Segen Gottes sei mit Ihnen!

Ich danke Ihnen für die Einladung zu dem jährlichen Treffen, durch die ich mich geehrt fühle. Dies ist das Forum, auf dem die Söhne des Iran, die ihn wegen der Ungerechtigkeit der Velayat-e Faqih verlassen haben, den Vertretern vieler Länder der Welt begegnen, sie, die unter dem Terrorismus dieser Regierung, dem wichtigsten Förderer des Terrorismus in dieser Welt, gelitten haben. Diese Versammlung möge die Welt an die Verbrechen erinnern, die das Regime an seinen Bürgern und seinen Nachbarn begeht, ebenso an die Art, wie es die regionale und globale Sicherheit und Stabilität bedroht.

Liebe Brüder und Schwestern,

während der Versammlung des vorigen Jahres beschrieb ich das, was uns zusammenführt – nicht allein die Geographie, sondern auch das, was uns menschlich miteinander verbindet. In Persien haben sich arabische Stämme angesiedelt und menschliche Verbindungen mit Ihnen hergestellt, ebenso mit der Menge der persischen Pilger, die während ihrer Haj familiäre Verbindungen mit uns schufen. Uns verbindet auch die Erklärung der Schahada: „Es ist kein Gott außer Gott, und Mohammed ist sein Prophet.“ Wir teilen miteinander ein historisches Erbe, das zum Fortschritt der menschlichen Zivilisation beiträgt.

Die Länder des Rates für Zusammenarbeit am Arabischen und Persischen Golf (GCC) haben mit ihrem Nachbarn, dem Iran, friedlich zusammengelebt – bis zu der Revolution Khomeinis im Jahre 1979. Dann verwandelten sich die Verhältnisse von der Koexistenz zur Konfrontation. Khomeini und seine Nachfolger suchten, die Logik der Koexistenz durch Konfrontation zu ersetzen; die Haltung wurde als Politik eines Exports der Revolution bekannt. Die Sprache der Beziehungen zwischen verschiedenen Ländern wurde mit der Logik der sogenannten Revolution samt ihrer expansionistischen, aggressiven Propaganda vermengt. Die Logik der Revolution und des Staatsstreichs erschwerten die Verständigung bis zur Unmöglichkeit. Sie tritt an die Stelle der Politik, der Diplomatie und des Prinzips der Nicht-Einmischung in die inneren Angelegenheiten der anderen. Außerdem untergrub die Außenpolitik der ‚Herrschaft des Rechtsgelehrten’ (Velayat-e Faqih) die Haltung der Stabilität mit ihrer Mentalität von Staatsstreich und Tumult.

Khomeini lebte aufgrund der politischen Verhältnisse und seines Partisanengeistes von 1093 bis 1979 im Exil; in dieser Hinsicht unterschied er sich nicht von anderen Gruppen eines politischen Islam, die der Gesinnung des Staatsstreichs und dem Verlangen nach einer Abkehr vom Staat frönten. Er lebte in Najaf und strahlte dort seine dem Staatstreich gewidmeten Lehren aus, deren Zentrum die Idee einer Herrschaft des Rechtsgelehrten (Velayat-e Faqih) über die Nation war. Diese Ideen stellte er in einem Buch mit dem Titel „Islamische Regierung“ zusammen.

Liebe Schwestern und Brüder,

die führenden schiitischen Juristen haben diese Idee verworfen und gezeigt, daß die Ideen Khomeinis den Erkenntnissen der religiösen Jurisprudenz der Imame widersprechen – sei es denen, die in der Stadt Qom im Iran oder denen, die in Najaf (Irak) oder überall dort vorhanden sind, wo Ja’fari-Geistliche residieren. Zu den Geschichten, die über Khomeinis Umzug nach Najaf verbreitet werden, gehört die, daß er sein Zimmer mit einem anderen Studenten teilte. Es kam ein Moskito ins Zimmer; sein Kommilitone schlug ein Insektizid vor. Doch Khomeini soll in der Atmosphäre der Sufis und unter dem Vorwand der Gottesfurcht in den Tagen vor der Revolution diesem Vorschlag widersprochen und gesagt haben, der Moskito dürfe nicht getötet werden; er sei ein Geschöpf Gottes. Stattdessen vertrieb er ihn mit seiner Robe aus dem Zimmer.

Als er nun an die Macht kam und die Oppositionellen, die an den revolutionären Ereignissen beteiligt gewesen waren, in den Gefängnissen hinrichten ließ, erinnerte ihn besagter Kommilitone an die Geschichte von dem Moskito und Khomeinis Scheu, Insekten zu töten, während er nunmehr, nach der Revolution, menschliche Wesen töte. Khomeinis Antwort bestand in dem Hinweis darauf, daß es sich hier um Feinde des Islam handle. Das heißt: Jeder, der sich gegen Khomeini erhob, war ein Feind des Islam, ein Verräter; der Tod wartete auf ihn.

Vor der Revolution wurde Khomeini von den Rechtsgelehrten in Najaf nicht warm begrüßt. Es ist bekannt, daß der Jurist Mohsen al Hakim ihn ermutigte, die Prinzipien von Imam Hussein zu fördern, doch Khomeini antwortete: „Warum sollten wir nicht die Ansichten von Imam Hassan fördern, der für den Frieden eintrat und nach keinem Krieg verlangte?“

Hier zeigen sich die verschiedenen Auffassungen der schiitischen Juristen über die absolute Macht der Velayat-e Faqih und die Revolution. Es ist außerdem bewiesen, daß nach der Machtergreifung Khomeinis seine Gefolgsleute damit begannen, auf Kosten ranghoher geistlicher Führer weitere Gefolgsleute auszuwählen, um die Velayat-e Faqih und die gesamte religiöse Jurisprudenz in seiner Hand zu vereinigen. Entsprechend erlegte er den Geistlichen Beschränkungen auf, besonders dem Muhammad Kazem Shariatmadari, der ihn einst, während der Herrschaft des Schahs, dadurch vor der Hinrichtung gerettet hatte, daß er ihm den Rang eines „Ayatollahs“ zuerkannte; denn wer diesen Rang innehatte, durfte damals nach iranischem Recht nicht hingerichtet werden. Shariatmadari war dagegen, der Republik das Attribut „islamisch“ zu geben. Im Irak gehörte der Geistliche Abu Al Qasem Kho’ei, der gegen die Vermischung von Religion und Politik eingenommen war, nicht zu den Freunden der Velayat-e Faqih. Später wurde er von Khomeini beleidigt, der sein Seminar schloß und ihn unter einen Hausarrest stellte, der bis zu seinem Tod im Jahre 1985 anhielt. Sein Schwiegersohn wurde daran gehindert, an seinem Grabe zu beten; sein Grab blieb ohne Gedenkstein.

Weitere Einzelheiten zu den Leiden dieses großen Juristen, seiner Haft und den von ihm erlittenen Kränkungen wurden von seinem Studenten Reza Sadr in seinem Buch „Im Gefängnis der Velayat-e Faqih“ mitgeteilt. Doch damit nicht genug. Freunde Khomeinis trieben die Beleidigungen der Juristen Shariatmadari und Kho’ei auf die Spitze; sie setzten Bilder von ihnen Eselsköpfen auf und führten sie in der Stadt herum. Diese außerordentliche Kränkung gehörte zu der Strategie, die Khomeini und seine Freunde angenommen hatten; niemand war davor gefeit. Außerdem entzog Khomeini anderen Geistlichen ihre Titel. Er trug das Gewand des „Imam“, doch selbst ein Imam war vor seinem Zorn nicht sicher; denn er legte sich noch andere Titel zu wie „Führer“ und „Leiter“. Sobald er in Teheran angekommen war, ging er gegen alle seine iranischen Verbündeten vor, die mit im gemeinsam die Revolution bewerkstelligt hatten. Sie wurden unterdrückt, inhaftiert, ermordet. Sie waren der erste, dem Khomeini das Messer in den Rücken stach. Außerdem erstach er Khalkhali – den Leitenden Juristen der Gerichte. Dieser hatte sich selbst als einen Revolutionär bezeichnet und mit auf Verdächtigungen beruhenden Todesurteilen über Dissidenten denselben Weg beschritten wie Khomeini. Bekannt ist einer seiner Aussprüche zur Rechtfertigung des Tötens unschuldiger Menschen: „Wenn (der Hingerichtete) ein Verbrecher war, hat er seine gerechte Strafe empfangen; wenn er aber unschuldig war, so kommt er in den Himmel.“

Khomeini versprach den Iranern die Demokratie; heute brüstet sich das Regime mit seinen Wahlen. Worin besteht der Sinn dieser Wahlen, deren Kandidaten nicht ins Rennen gehen können, wenn sie nicht den Filter des Vali-e Faqih passiert haben? Diese Wahlen können nicht als Bestätigung guten Betragens gelten. Alle totalitären Regimes – wie der Faschismus und Kommunismus – halten Wahlen ab; wir haben gelernt, daß die Mördergestalten des vorigen Jahrhunderts, Hitler, Mussolini und Stalin alle auf ihre Wahlen stolz waren. Das Verhalten des Regimes in Teheran hat zu keinem demokratischen System, sondern zu einer mörderischen Diktatur geführt. Man hört immer noch den Widerhall der Hinrichtung von tausenden iranischen Häftlingen, durchgeführt von dem Schlächter-Regime – zum ewigen Fluch für sich und seine Führer. Diese Hinrichtungen demonstrieren, daß Kriegsverbrechen vor den Internationalen Strafgerichtshof gebracht werden müssen.

Die ersten Opfer Khomeinis und seiner Gefolgsleute waren die Iraner, die Schreckliches erleiden und immer noch gezwungen werden, die kranken Ideen der Velayat-e Faqih zu erdulden, welche sich nur durch beständige Krisen am Leben hält. Entsprechend setzte Khomeinis Nachfolger seinen Eifer in die Gründung paramilitärischer Truppen und Milizen, um seine Armeen in den von den Truppen der Revolutionsgarden beherrschten Hauptstädten einzusetzen. Sie wollen diese Milizen ebenso dienstwillig machen wie die Revolutionsgarden, zu willigen Werkzeugen in den Händen des Vali-e Faqih, dem die iranische Verfassung als dem Nachfolger Khomeinis absolute Macht einräumt.

Liebe Brüder und Schwestern,

die Anstrengungen, mit denen Sie dem Regime entgegentreten, sind legitim; der Kampf, mit dem Sie alle Teile der iranischen Gesellschaft – darunter die Araber, die Kurden, die Belutschen, die Azeri und die Perser – erlösen wollen, ist, wie Frau Maryam Rajavi sagte, legitim und geboten. Setzen Sie ihn mit Gottes Segen fort! Gott segne Sie! Segen für die Märtyrer, die Opfer Khomeinis und seines Nachfolgers, nicht nur im Irak, in Syrien und auf der arabischen Halbinsel, sondern überall, wo sie erschlagen wurden. Und am Anfang wie am Ende – Grüße an die Märtyrer der großen Nation des Iran.

Vielen, vielen Dank!