Wednesday, November 30, 2022
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Besorgniserregende Taktik der iranischen Kleiderpolizei

Agenturen – Kurz nach den jährlichen Razzien gegen schamlose, unanständige bzw. unbescheidene Bekleidung, die Mitte April begannen, als Polizeieinheiten Frauen auf den Hauptstraßen und U-Bahnstationen anhielten und sie wegen ihrer Fashionstyle verwarnten, kamen die Sicherheitsbehörden unter Beschuss.

Viele Frauen, die auf der Straße dazu angehalten wurden, sich anständig zu kleiden, reagierten ärgerlich.

 Eine Parlamentkommission beklagte sich über die Kampagne beim Polizeichef. Der Chef der iranischen Gerichtsbarkeit warnte, dass ein zu repressives Vorgehen eine heftige Gegenreaktion erzeugen könne.

Selbst ein Berater des Präsidenten ermahnte zur Umsicht und sagte, dass die Polizei "nicht extrem vorgehen soll", so die Tageszeitung Etemad-e-Melli.

Der Teheraner Polizeichef, Ismail Ahmadi Moghaddam erklärte, dass das Ziel der Sicherheitskräfte die Frauen gewesen seien, die nur kleine Kopftücher oder kurze enganliegende Mäntel und kurze Hosen trugen. Er sagte ebenfalls, dass sich die Polizei in der zweiten, am Samstag beginnenden Phase dieser Kampagne mehr mit den Männern beschäftigen werde.

Bei einer parlamentarischen Anhörung der Beschwerden vor dem Nationalen Sicherheitsausschuss, betonte Dariush Ghanbari, ein Mitglied des Ausschusses: "Einige Mitglieder des Parlaments trugen die Beschwerde vor, dass die Sicherheitskräfte bei den Kontrollen anscheinend ihre Kompetenz überschreiten."

Als eine Frau, die 28jährige Nazanin, im vergangenen Monat im Vanak Park angehalten wurde, dachte sich sie sei einfacher angezogen als normalerweise. Aber ihr wurde gesagt, dass ihr Mantel knapp sitzen würde und die Silhouette ihres Körpers zu erkennen wäre.

"Ich habe mich über sie lustig gemacht und versuchte ruhig zu bleiben, aber sie befahlen mir, mich zu setzen, damit sie sehen können, wie weit meine Hose beim Sitzen nach oben rutschen würde", erzählte Nazanin einem Reporter. Ihr wurde von den Polizeibeamten gesagt, dass sie ihr helfen wollten, bescheiden auszusehen, damit ihr die Männer nicht nachschauen und ihr Unbehagen bereiten, führte sie aus.

Sie wurde wegen ihrer großen Sonnenbrille, ihrem Mantel, ihrem Eyeliner und ihren Socken verwarnt, die nach der Meinung der Polizeibeamten länger sein müssten. Ihr wurde erlaubt zu gehen, nachdem sie ein Schreiben unterzeichnet hatte, dass gegen Personen vor Gericht verwendet wird, wenn sie ein zweites Mal gegen Gesetze verstoßen.

Eine andere Frau, die 28jährige Niloofar, reagierte verärgert auf den Polizisten, der ihr sagte, dass sie ihr Kopftuch festzumachen habe, weil zuviel Haar zu sehen sei und wurde nach ihrer Aussage fünf Stunden in einem Bus festgehalten.

Die 31jährige Somayeh die zu schreien begann, als sie in der U-Bahnstation Mirdamad angehalten wurde, sagte: "Sie wollen uns einschüchtern." Ihr wurde gesagt, dass sie nach Hause gehen solle und die Nummer ihres Personalausweises – ein Äquivalent zur Nummer des Sozialversicherungsausweises – für das Schreiben angeben solle, das sie zu unterzeichnen habe. Und sie sollte versprechen, nicht wieder Make Up in der Öffentlichkeit anzulegen.

Die Frauen, mit denen das Interview geführt wurde, weigerten sich aus Angst vor einer Identifizierung durch die Polizei, ihre kompletten Namen anzugeben.

Frauen haben per Gesetz seit der 1979er Revolution ihre Haare zu bedecken und lange, lockere Kleidung zu tragen. Als ideale Bekleidung wird der Chador angesehen, ein langes, den Körper vom Kopf bis zu den Füßen bedeckendes Kleidungsstück. In den ersten Tagen der Revolution wurden Frauen, für das, was man als unanständige Bekleidung ansah, ausgepeitscht, gefangen genommen und hatten Bußgeld zu zahlen.

Allerdings beachteten viele Frauen das Gesetz nicht und die Regierung begann einen ständigen Kampf um ihr Aussehen. Schließlich gab es im vergangenen Jahr staatlich geförderte "Modeschauen", um die Frauen dazu zu bewegen, mehr "islamische" Kleidung zu tragen.

In diesem Jahr war die öffentliche Kampagne besonders schrill und lang anhaltend. Die Sicherheitsbehörden versicherten, dass die Leute über die Restriktionen glücklich seien.

Präsident Mahmoud Ahmadinejad unterstütze die Kampagne und erklärte: "Diejenigen, die ein unanständiges Aussehen haben, werden zum Feind geschickt."