Tuesday, December 6, 2022
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Brief eines politischen Gefangenen an die UN-Sonderberichterstatterin für die Menschenrechtslage im Iran

NWR. – In einem Brief an Frau Asma Jahangir, UN-Sonderberichterstatterin für die Menschenrechtslage im Iran, haben politische Gefangene im Gefängnis Gohardasht (West-Teheran) sich warnend über die Unterdrückungsmaßnahmen des Mullahregimes ausgesprochen.

Der Brief trägt den Titel „Menschenrechte vom Diktator niedergeschlagen“ und hat folgenden Wortlaut:
Die im Iran weitverbreiteten Menschenrechtsverletzungen halten unter dem velayat- faqih weiter an, während nach unserer Einschätzung die Gesellschaft mit ihren Teilen noch nie einer Katastrophe so nahe war, wie sie es jetzt ist.
Die gezielte, systematische Unterdrückung von Arbeitern und die Entwürdigung und Erniedrigung des geheiligten Berufs des Lehrers, von dessen Vertretern viele gefangen gehalten werden, haben Aktivisten wie Esmaeil Abdi gezwungen, in den Hungerstreik zu treten und ihr Leben in ernste Gefahr zu bringen, um ihren menschlichen, gerechten Forderungen Ausdruck zu geben.
Wir verurteilen es als unmenschliche Handlungen, dass Menschenrechtsaktivisten festgenommen werden, dass der 85-jährige Dr. Maleki unter Druck gesetzt, dass es ihm nicht gestattet wird, das Land zu verlassen und dass ärztliche Behandlung ihm verwehrt wird, eine Maßnahme, mit der die in der Öffentlichkeit agierenden Menschenrechtsaktivisten unterdrückt werden.
Immer mehr Menschen werden hingerichtet, immer mehr Prozesse werden wegen Sicherheitsfragen eröffnet. Unterdrückung und Folter von Angehörigen nicht-schiitischer Religion und ethnischer Minderheiten im Iran dauern an. Der Wohlstand des Landes, die nationale Macht werden monopolisiert und solchen Sicherheits-, sprich: Unterdrückungsorganen wie den Revolutionsgarden und dem berüchtigten Geheimdienstministerium übergeben. Unter dem Vorwand, die Revolution zu exportieren, werden Terror und Fundamentalismus verbreitet. Es grassiert die Einmischung in die Angelegenheiten anderer Länder der Region; damit sollen die ethnisch-religiösen Spannungen verstärkt und die Hegemonie des velayat-e faqih ausgeweitet werden. Den Frauen werden alle gesellschaftlichen und bürgerlichen Rechte vorenthalten. Sportlerinnen erleiden schreckliche Beschränkungen. Die Menschenwürde wird erniedrigt und zerstört. Die Träger schwarzer und weißer Turbane widersetzen sich ausdrücklich der Agenda 2030 der Vereinten Nationen. Das alles macht nur einen kleinen Teil der menschlichen Katastrophen in unserem Land aus.
Wir, politische Gefangene und Unterzeichner dieses Briefes, bitten Menschenrechtsorganisationen, sich unverzüglich mit der lebensbedrohlichen Situation von Esmail Abdil, Dr. Maleki und anderen Gefangenen aus Gewissensgründen zu beschäftigen. Wir erklären ausdrücklich: Der Führer des Regimes, die oberste Person des Landes, ist hauptverantwortlich für Leben und Behandlung aller politischen und Menschenrechts-Aktivisten sowie aller Gefangenen aus Gewissensgründen.
Gefangene aus Gewissensgründen im Gefängnis Gohardasht, Karaj