Friday, January 27, 2023
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Das Undenkbare geschah am 28. Juli

In a surprise move on the morning of May 28, 2009, the Iraqi police force attacked Ashraf at its entrance. They imposed a siege and for two months they exerted mounting pressures, threats and restrictions on Ashraf. Finally on July 28, 2009, they launched a brutal attack on Ashraf residents killing them savagely together with other suppressive forces at the behest of Khamenei who is engulfed in a nationwide uprising in Iran;

Von Mostafa Sanaie, Ashraf, Iraq
Quelle: huffingtonpost, 20. Oktober 2009
 
Am 7. Oktober als die Sonne aufging, saß ich in meiner kleinen Gefängniszelle in einem Vorort von Bagdad und begann zu verstehen, dass dies der letzte Sonnenaufgang sein könnte, den ich sehe.

Ich habe die Sonne immer geliebt. Es ist jetzt die großartigste Zeit des Jahres in Bagdad. Aber ich hatte Angst, aufzustehen und mir alles anzusehen. Ich hätte fragen können, als ich von 35 Freunden umgeben war. Aber nun war niemand in der Lage, mir helfen zu können.

Ich befand mich im 72. Tag des Hungerstreiks und am 7. Tag des trockenen Hungerstreiks, dass heißt, wir haben seit 7 Tagen kein Wasser mehr getrunken. Es war eine bedrückende Stille im Raum. Jede Minute konnte einer meiner Freunde sterben.

Obwohl ich in einem irakischen Gefängnis sitze, bin ich kein Iraker. Ich bin ein Iraner, der seit 23 Jahren im Irak lebt. Alle 36 Personen hier sind iranische Dissidenten. 3.400 von uns leben an einem Ort, der Camp Ashraf heißt, eine selbst organisierte Gemeinschaft ca. 60 Meilen nördlich von Bagdad. Es wurde von meinen Freunden, den Mitgliedern der Oppositionsgruppe der Volksmojahedin Iran (PMOI), aufgebaut.

Die Bewohner lebten mit den anderen Irakern in Frieden, bis 2003 die USA und ihre Koalition eine Invasion starteten. Danach händigten wir unsere Waffen den USA freiwillig aus und schlossen mit den USA ein Abkommen, dass wir geschützte Personen unter der vierten Genfer Konvention bleiben.

Wir durften in Ashraf bleiben und weiter in Frieden leben und unsere Ziele verfolgen. Aber als die US Regierung mit der Maliki Regierung in Bagdad ein Abkommen unterzeichnete, dass sie ihre Streitkräfte in den nächsten zwei Jahren abziehen, sahen die Machthaber in Teheran eine Chance, den Dorn (die PMOI) aus ihrem Auge zu entfernen.

Tumulte brachen im Iran nach dem Wahlbetrug bei den Wahlen aus und so wurde es für das Regime noch wichtiger, seine Feinde zu zerstören. Die Mullahs aktivierten ihre Freund in der irakischen Regierung, damit sie gegen schutzlose Zivilisten in Ashraf vorgehen konnten.

Das Undenkbare geschah am 28. Juli. Irakische Einheiten, trainiert und ausgerüstet von den USA, stürmten Ashraf und setzten drei Stunden nach Beginn des Angriffs Schußwaffen ein. 11 Menschen wurden getötet, 500 verwundet und ich und 35 meiner Freunde weg geschafft.

Wir wurden einige Male geschlagen. Wir verletzten uns bei den Schlägen und wurden von Humvee überfahren, einige hatten gebrochene Beine. Wir gingen alle in den Hungerstreik, um gegen unsere illegale Verhaftung und die physische und psychische Folter während unser Inhaftierung zu protestieren. Unsere Reise in eine unbekannte Zukunft begann.

Nachdem wir tagelang in einer behelfsmäßigen Zelle außerhalb Ashrafs verbracht hatten, wurden wir in ein Gefängnis in Khalis gebracht. Das Gericht gab nach Durchsicht aller Beweise drei Urteile zu unser sofortigen Entlassung heraus, doch die irakische Regierung ignorierte dies.
 
Anstatt frei gelassen zu werden, wurden wir am 1. Oktober in unseren Zellen geschlagen und in das al-Muthana Gefängnis in einem Vorort von Bagdad gebracht. Dort entschieden wir, kein Wasser mehr zu trinken, auch wenn wir wußten, dass es nun ein Kampf gegen die Uhr wurde.

Währenddessen starteten Amnesty International, Die internationale Gemeinschaft für Menschenrechte, Die Weltorganisation gegen Folter sowie der Erzbischof von Canterbury, der Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu und Hunderte Parlamentarier, Mitglieder des US Kongresses und internationale Persönlichkeiten eine Kampagne zu unserer Freilassung.

An diesem sonnigen Morgen, an dem mein Lebensgeist langsam entschwand, gingen all die letzten Jahre durch meinen Kopf. Doch ein Gedanke kam immer wieder zurück: Mein ultimativer Traum von einem freien und demokratischen Iran; das war das Ziel, dass mich nach Ashraf führte, als ich ein junger Mann war und das mir den Anstoß gab, an dieser Sage teil zu nehmen.

Ich hatte das Zeitgefühl vergessen, als die Zellentüren geöffnet wurden. Ich sah viele Truppen. Was wollen sie an unserem letzten Tag mit uns tun? Was gibt es noch zu sagen? Sie wußten, wir werden uns ihren Forderungen nicht beugen.

Doch sie sagten uns, wir sind frei und können nach Ashraf zurück gehen. Unser Hungerstreik und der internationale Druck auf den Irak haben zu unser Freilassung geführt. Wir kamen in Ashraf an, standen am Rande des Todes und wurden sofort in medizinische Behandlung übergeben.

Nun kann ich wieder auf wackligen Beinen stehen und die wundervolle Sonne genießen – und ich habe eine Geschichte zu erzählen. Doch will sie irgend jemand hören?
Der Grund ist einfach: Was uns geschah kann auch anderen geschehen, so lange nichts getan wird, um die schutzlosen Bewohner von Ashraf zu schützen. Die Mullahs wollen sie vernichten und bedauerlicherweise finden sie in Bagdad Gehör, nachdem die USA das Land verlassen.

Es ist elementar wichtig, dass die UN ein Beobachtungsteam nach Ashraf schickt, um weitere Angriffe oder eine gewaltsame Umsetzung zu verhindern und die unsere fundamentalen Rechte unter der vierten Genfer Konvention sichert.

Ebenso muß die USA sein Abkommen mit den Menschen aus Ashraf erfüllen und sie zumindest bis Ende 2011 schützen, wenn der Rückzug der USA abgeschlossen sein soll.

Und die Welt muß hinsehen, weil es ein Indikator dafür ist, welchen Weg der Irak geht – zurück in ein Camp aus Teheran oder in eine neue Zukunft als wahre Demokratie im Mittleren Osten.

Mostafa Sanaie ist ein Flugtechniker. Er studierte an der Northrop Universität in Kalifornien. Er ist ein Experte für Flugtechnik der Boeing 727. ER lebt seit 20 Jahren in Ashraf, Irak.