Tuesday, January 31, 2023
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Der Kampf einer Mutter für die Freiheit im Iran

Dr. Masumeh Bolurchi

NWRI – Frau Dr. Masumeh Bolurchi schildert lebhaft diesen bitteren Tag vor 24 Monaten, den sie niemals vergessen wird. Sie stand damals früh auf, weil sie in Paris die iranische Exilgemeinde dafür gewinnen wollte, gemeinsam mit der organisierten Opposition für einen demokratischen Wandel an einer Veranstaltung teil zu nehmen, als sie gegen 6 Uhr morgens einen Anruf bekam und die Worte hörte,

die keine Mutter jemals hören sollte. 

Am Telefon war eine komplett aufgelöste Stimme, die nur schwer das sagen konnte, was gesagt werden musste. Eine andere Frau im Büro des Widerstandes sagte ihr, dass der einzige Sohn von Masumeh, Rahman, ein junges engagiertes Mitglied des Widerstandes, der in einem Flüchtlingscamp im Irak arbeitete, mit gefesselten Händen von hinten in den Kopf erschossen wurde, im Stile einer Exekution durch vom Iran finanzierte Milizen.  

Für einen Moment stoppte die Welt von Masumeh. Sie konnte weder atmen, noch konnte ihr Herz schlagen. Ihr Kopf drehte sich und alles was sie sehen konnte, war das Bild ihres lieben Sohns. Ihr einziges Kind, ein solch tapferer Aktivist für einen demokratischen Wandel im Iran, wurde für immer von ihr genommen. Ihre Mutterinstinkte befahlen ihr, in Tränen auszubrechen, doch dann begriff sie, dass auch die Stimme am Telefon sich weinend quälte. Masumeh kam zu sich und kümmerte sich zuerst um die Frau am Telefon.  

Danach verstand Masumeh, wie viele andere Menschen, die auch Rahman kannten, nun von dieser Nachricht über seine Ermordung schockiert waren und dass auch sie unbeschreibliche Schmerzen und schiere Verzweiflung durchlebten. Sie erinnerte sich an Tausende Menschen im Iran, die hingerichtet wurden und die auch Mütter hatten, die jeden Tag darüber informiert werden, dass ihre größten Schätze an die Galgen gebracht wurden und dort starben. 

Obwohl ihr Herz zu explodieren schien, sagte Masumeh zu sich selbst, wenn sie jetzt zusammen brechen würde, dann hätten die Mullahs gewonnen. Meine Pflicht ist es, wie es auch Rahman tat, die Stimme der Unterdrückten zu sein und die internationale Gemeinschaft dazu zu bringen, sich zum Schutz der Opfer des iranischen Regimes und seiner täglichen Greueltaten zusammen zu schließen. Mit diesem Gedanken machte Masumeh eine gewissenhafte Entscheidung: Sie wollte nun all ihre Kraft nutzen, um eine Kampagne zu starten, welche die anderen iranischen Dissidenten retten sollte, die in dem selben Flüchtlingscamp wie Rahman im Irak saßen. 

Sie rief sofort das deutsche Auswärtige Amt an, welches Rahman seinen Flüchtlingsstatus gab und sie rief internationale Medien und Menschenrechtsgruppen wie Amnesty International an. Gegen Mittag hatten sich Iraner in aller Welt zu einer ad-hoc Kampagne versammelt, um Druck auf die Vereinten Nationen und die USA zu machen, um das Abschlachten durch irakische Söldner des iranischen Regimes in Camp Ashraf zu stoppen.  

Masumeh’s Sohn Rahman Manani, Mitglied der PMOI in Camp Ashraf

Alle Bewohner von Camp Ashraf sind offiziell von den USA als „geschützte Personen“ unter der vierten Genfer Konvention anerkannt worden und sie haben Ausweise als „geschützte Personen“ erhalten. Die UN haben ebenfalls gesagt, sie wollen das Camp vor Angriffen schützen. Doch bis zum heutigen Tag haben weder die USA noch die UN irgend eine Tat dafür vollbracht.  

Als die schockierenden Bilder von den Massakern durch Mobiltelefone von Überlebenden des Camps versendet wurden, begannen Hunderte Iraner in aller Welt einen Hungerstreik und die internationale Gemeinschaft forderte vom Irak den Zugang eines UN Teams ins Camp. Von den verbliebenen 101 Bewohnern – alle waren im Rahmen eines Abkommen zwischen der USA, der UN und dem Irak im Camp verblieben – wurden 52 unbewaffnete und schutzlose Mitglieder des iranischen Widerstandes kaltblütig massakriert und sieben weitere von ihnen – darunter sechs Frauen – wurden entführt. Ob von ihnen heute noch jemand lebt, ist nicht bekannt. 

Nach dem Massaker gab es große Sorgen, dass die Widerstandsgruppe der Volksmojahedin Iran (MEK) aufgrund von Druck durch das iranische Regime auf den damaligen Regierungschef Nuri al-Maliki von Sondereinheiten ermordet wurde, die nach Camp Ashraf geschickt wurden, um den Angriff auszuführen. 

Der Angriff vom 1. September wurde später von UN Generalsekretär Ban Ki-moon und US Außenminister Kerry sowie von der internationalen Gemeinschaft verurteilt, doch Rufe für eine internationale Untersuchung wurden nie umgesetzt und kein Verantwortlicher in der irakischen Regierung und aus Teheran wurde je zur Rechenschaft gezogen. 

Masumeh, die Ärztin von Beruf ist, ist seit über drei Jahrzehnten für den iranischen Widerstand aktiv. Sie setzt ihren Kampf als Erinnerung an Rahmans Kampfgeist fort und sie arbeitet bis heute unermüdlich daran, für einen Sturz der „religiösen Faschisten“ in Teheran und die Gründung einer demokratischen Regierung zu kämpfen, welche Menschenrechte, die Gleichheit zwischen Mann und Frau und die Trennung von Kirche und Staat verfolgt. 

Das iranische Regime hat seit seiner Machtergreifung über 120.000 politische Gefangene hingerichtet, sagt Masumeh. Unter ihnen sind 10 von Rahman’s engsten Verwandten, darunter seine Onkel und seine Großmutter. 

„Jede Nach warten Mütter in tiefem Schmerz darauf, dass ihre Angehörigen nach Hause kommen und sie wissen, dass dies nie geschehen wird. Diese Mütter haben nie eine Möglichkeit gehabt, ihren Angehörigen Lebe Wohl zu sagen. Viele Mütter wissen nicht einmal, wo ihre Kinder beerdigt sind. Sie dürfen nicht einmal in der Öffentlichkeit trauern“, sagt sie. 

„Die Hinrichtungen gehen auch heute noch jeden Tag weiter. Es gibt keine Verbesserung der Menschenrechtslage, seit Hassan Rohani an der Macht ist. Mehr als 2000 Menschen wurden seitdem hingerichtet. Es ist nicht wahr, dass der Atomdeal zwischen den Weltmächten und dem iranischen Regime zu weniger Hinrichtungen führen wird. Alleine in dieser Woche wurden 16 Menschen hingerichtet.“ 

 „Jeden Tag gibt es Proteste für einen Wandel im Iran. Die iranische Gesellschaft ist voller Unzufriedenheit. Wir werden uns von der religiösen Unterdrückung befreien und eine Nation aufbauen, die Größer als der Wunsch des Volkes ist. Die Galgen werden dann nichts mehr sein, als eine bittere Erinnerung, die wir langsam vergessen werden.“, ergänzt sie. 

Dr. Masumeh Bolurchi, die Vertreterin des Nationalen Widerstandsrat Iran (NWRI) in Deutschland sagt, dass ihr Kampfgeist durch die „inspirierenden Nachrichten“ der charismatischen Präsidentin des NWRI, Maryam Rajavi, geweckt wurde, denn durch unermüdliche internationale Arbeit hat Frau Rajavi erfolgreich eine breite internationale Unterstützung für den Widerstand mobilisieren können. 

Ihr 10 Punkte Plan für einen zukünftigen Iran bekommt politische Legitimität durch universelles Wahlrecht, Garantien der Rechte für alle Bürger, vor allem der Rechte von Frauen und Minderheiten, ein Ende der brutalen Willkür der Justiz und der Bildung eines Rechtsstaates. Er ist auch das Ende des Alptraums der islamistischen Diktatur durch Trennung von Kirche und Staat, dem Schutz der Eigentumsrechte und den Schutz der Umwelt und er sieht einen atomwaffenfreien Iran und das Ende aller Massenvernichtungswaffen vor.