Tuesday, December 6, 2022
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Der Prozess gegen Hamid Noury: ein sadistischer Folterer oder ein „fürsorglicher” Wärter

Am Dienstag hat ein Gericht in Schweden die erste Anhörung von Hamid Noury abgehalten, einen iranischen früheren Gefängnisbeamten, der sich an dem Massaker von 1988 an 30 000 politischen Gefangenen beteiligt hat. In seinen hoch widersprüchlichen Aussagen am Dienstag zeigte Hamid Noury sein wahres Gesicht als Henker und Verbrecher.
Noury war 2019 in Schweden verhaftet worden. Sein Prozess begann 2021. Dieser Prozess Nourys hat erschütternde Zeugenaussagen von Überlebenden des Massakers von 1988 dargeboten. Während des Massakers von 1988 wurden 30 000 politische Gefangene, meist Mitglieder und Unterstützer der Organisation der Volksmudschahedin des Iran (PMOI/MEK), hingerichtet.
Noury war zur Zeit des Massakers ein Gefängnisbeamter im Gohardasht Gefängnis. Unter den Gefangenen kannte man ihn als Hamid Abbasi. Anfänglich hatte Noury behauptet, man habe ihn fälschlich mit jemand anderem verwechselt. Aber in der Anhörung am Dienstag gestand er seine Identität ein.
Nourys Aussagen sind in drei Teile zu untergliedern: Das Lob bekannter Krimineller im Regime, die Wiederholung gleicher unberechtigter Unterstellungen gegen die MEK und die Leugnung des Massakers von 1988.
Er begann seine Aussagen mit dem Lob für Kriminelle wie Ruhollah Khomeini, Ebrahim Raisi (auch als hängender Richter bekannt), Assadollah Lajevardi (alias der Schlächter von Evin) und Qassem Soleimani, der für seine Verbrechen in der Region berüchtigt ist.
Er bezeichnete den derzeitigen Präsidenten des Regimes als „den populären Präsidenten des Volkes im Iran“. Raisi spielte eine Schlüsselrolle im Massaker von 1988 als Mitglied der Teheraner „Todeskommission“, ein Komitee, das Gefangene zum Tode verurteilte. Nourys „populärer Präsident“ wurde im letzten Juni vom Obersten Führer Khamenei ausgewählt, obwohl die Mehrheit der Iraner die Scheinwahlen boykottiert haben.
Danach lobte Noury Qassem Soleiman, den beseitigten Befehlshaber der Quds Armee in den Revolutionsgarden, der berüchtigt war für seine Verbrechen im Vorderen Orient, hauptsächlich in Syrien und im Irak. „Als [Soleimani] beleidigt wurde“, meinte Noury mit Bezug auf einen der Zeugen, der Soleimani einen Verbrecher nannte, „fühlte ich mich, als bräche die Welt über mir zusammen“.
Noury nannte dann Lajevardi den „teuren Staatsanwalt“ von Teheran. Lajevardi hatte in den 1980er Jahren persönlich gefoltert, vergewaltigt und viele Gefangene getötet.
Nachdem Noury sein Lob für Verbrecher beendet hatte, fing er damit an, die MEK anzugreifen und die Unterstellung des iranischen Regimes gegen dessen wichtigste demokratische Oppositionsgruppe wiederzukäuen.
„Es gibt eine Organisation, die sogenannten Volksmudschahedin, aber niemand im Iran kennt sie unter diesem Namen. Alle Iraner nennen sie Monafeghin“, so Noury, der den Ausdruck benutzte, den nur das Regime für die MEK benutzt. „Wenn ich sie in meinen Aussagen Mudschahedin nenne, entschuldige ich mich beim iranischen Volk“.
Monafeghin ist ein herabwürdigender Ausdruck, der nur vom Regime benutzt wird.
Obwohl Noury versuchte, seine Rolle beim Massaker von 1988 herunterzuspielen und seine Anwesenheit im Gohardasht Gefängnis zu der Zeit zu leugnen, gab er seine Rolle bei den Verbrechen des Regimes in den 1980er Jahren zu.
Noury bezeugte, dass er 1979 beteiligt war an der Unterdrückung der kurdischen ethnischen Minderheit. Er gab zu, dass es ihm erlaubt war, im Gefängnis nach seinem eigenen „Gutdünken“ zu arbeiten. Er hatte in verschiedenen Gefängnissen nahe Teheran verschiedene Positionen inne. Er lobte sich narzisstisch als „fürsorglichen“ Wärter, der die „Gefangenen liebte“ und „ihre Forderungen erfüllte“. Dagegen war Noury, wie es ihm Zeugen in diesem Prozess bescheinigten, ein sadistischer Folterer, der Gefallen an der Peinigung von Gefangenen fand.
Mojtaba Akhgar, ein ehemaliger politischer Gefangener, ist einer von denen, die Noury persönlich gefoltert hat. Laut Akhgar folterten Noury und sein Boss Mohammad Moghiseh, auch bekannt als Nasserian, ihn noch Wochen nach dem Massaker von 1988.
„Eines Tages kam Nasserian und rief einige Namen auf, darunter Taqavi und mich. Er befahl uns, hinaus zu gehen, und das taten wir. Er teilte uns mit, dass der Scharia Richter uns zu Peitschenhieben verurteilt habe. Demnach sollte ich 160 Hiebe erhalten und Javad 100. Sie banden uns auf ein Metallbett und peitschten uns aus. Ich war schwer verletzt und konnte mich kaum von dem Bett erheben“, erzählte Akhgar.

Iran: Register der Menschenrechtsverletzungen von Ebrahim Raisi, Berichte von Augenzeugen. Mojtaba Akhgar
Laut Noury zog er sich 1991 aus der Arbeit im Gefängnis zurück. „Ich baute ein Unternahmen für Kies und Sand auf“, erzählte er und ergänzte: „An jedem Tag kam ich mit einem Koffer voller Geld nach Hause“.

Leugnen des Massakers von 1988

Noury leugnete unverhohlen, dass das Massaker von 1988 jemals stattgefunden habe, und nannte es eine „erlogene und nicht dokumentierte Geschichte“ und ein „lächerliches Spiel“.
Hierzu ist anzumerken, dass Irans Amtsträger an der Spitze, darunter Raisi, Mostafa Pourmohammadi, ein anderes Mitglied der Todeskommission und ein früherer Justizminister, ihre Rolle beim Massaker von 1988 eingestanden haben und „stolz“ die Massenhinrichtungen von Gefangenen verteidigt haben.
Noury leugnete auch die Existenz des Gohardasht Gefängnisses. „Es gibt kein Gefängnis mit dem Namen Gohardasht. Dies ist eine historische Lüge, die in diesen dreißig und ein paar Jahren aufgestellt wird“, meinte er. „Wenn Sie im Iran Gohardasht sagen, lachen die Leute Sie aus“.
Er behauptete, zur Zeit des Massakers von 1988 im Urlaub gewesen zu sein. Aber viele Gefangene sahen ihn, wie er Gefangene zu den „Todeskommissionen“ brachte und von da in die „Todeshalle“, wo Gefangene hingerichtet wurden.
In seiner schockierenden Zeugenaussage in der vergangenen Woche hat Ashghar Mehdizadeh, der in die Todeshalle gebracht worden war, dem Gericht mitgeteilt, dass Noury und Nasserian MEK Gefangene hingerichtet haben.
Das Massaker von 1988 an politischen Gefangenen im Iran: Augenzeugenberichte, Asghar Mehdizadeh
„Der Wärter brachte mich in die Halle und ließ mich etwa 30 Meter vom Gerüst stehen. Unter meiner Augenbinde konnte ich die Leichname hingerichteter Gefangener sehen, die auf der Plattform aufeinander gestapelt waren“, berichtete er. „Ich habe die Kontrolle über mich verloren. Als der Wärter meine Augenbinde entfernte, sah ich 12 MEK Unterstützer auf der Plattform, sie standen auf Stühlen mit Schlingen um ihren Hals. Die Wärter trugen die Leichname nach draußen und zeigten sie einander. Auf der einen Seite der Plattform standen Nasserian, Davud Lashghari und Hamid Abbasi [Noury] und auf der anderen Seite etwa 20 andere Wärter“.

„Als die Gefangenen damit anfingen, zu singen, schauten Nasserian und seine Umgebung überrascht auf sie. Dann plötzlich blaffte Nasserian Davud Lashghari, Abbasi und die anderen Wärter an: ‚Das sind Monafeg! Worauf wartet ihr? Stosst ihre Stühle um!‘” erzählte Mehdizadeh. „Als Nasserian damit anfing, die Stühle wegzustoßen, folgten ihm Lashghari und Abbasi nach“.
Ausstellung in Ashraf 3, Albanien: Todeshalle des Gohardasht Gefängnisses während des Massakers 1988 im Iran

Nourys bestreitbare Feststellungen sind ein Zeugnis dafür, dass er sich in seinem Verfahren nicht verteidigen kann. Noury ist einer der Beamten des Regimes, die an dem Massaker von 1988 beteiligt waren. Andere Verbrecher und Hauptakteure wie Raisi sollten strafrechtlich verfolgt und für ihre Rolle im Massaker von 1988 verantwortlich gemacht werden, da diese ihre Rolle in diesem Verbrechen gegen die Menschlichkeit gut dokumentiert ist.