Wednesday, February 1, 2023
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Exil-Iraner werfen Teheran im Atomstreit Vertragsbruch vor

Das Regime soll seit Monaten Zentrifugen für die Uran-Anreicherung gebaut haben / Kritik am Bundeskanzler

Von Gunnar Herrmann
Süddeutsche Zeitung, Berlin, 20. August – Der Nationale Widerstandsrat Iran (NWRI) hat am Freitag in Berlin die iranische Regierung beschuldigt, mit unvermindertem Tempo am Bau einer Atombombe zu arbeiten und seit Monaten gegen Abmachung mit der EU zu verstoßen.

ImageDas Regime soll seit Monaten Zentrifugen für die Uran-Anreicherung gebaut haben / Kritik am Bundeskanzler

Von Gunnar Herrmann
Süddeutsche Zeitung, Berlin, 20. August – Der Nationale Widerstandsrat Iran (NWRI) hat am Freitag in Berlin die iranische Regierung beschuldigt, mit unvermindertem Tempo am Bau einer Atombombe zu arbeiten und seit Monaten gegen Abmachung mit der EU zu verstoßen. Die Gruppe von im Exil lebenden Regimegegnern nannte bei einer Pressekonferenz in Berlin mehrere Produktionsstätten und Tarnfirmen, die ihrer Ansicht nach dazu dienen, Material für den Bau von den Atomwaffen herzustellen. Heftige Kritik übte der NWRI an der „Beschwichtigungspolitik“ von Bundeskanzler Gerhard Schröder und der EU.

Masomeh Bolurchi, Deutschlandvertreterin des NWRI, sagte, die iranische Regierung habe in den vergangenen Monaten in Teheran und Isfahan Tausende Zentrifugen gebaut und damit gegen eine Abmachung mit Frankreich, Großbritannien und Deutschland vom November 2004 verstoßen. Die drei EU-Länder verhandeln derzeit mit Iran über das Atomprogramm. Die Zentrifugen werden zum Anreichern von Uran benötigt. Dem NWRI zufolge lagern sie derzeit in Vororten Teherans und sind einsatzbereit. Als Beleg für ihre Anschuldigungen nannte Bolurchi eine Anweisung Ayatollah Ali Chameneis. Der geistliche Führer des Landes habe den Bau der Zentrifugen persönlich angeordnet. Bolurchi berichtete unter Berufung auf  Informationen aus iranischen Regierungskreisen auch von Fortschritten beim Bau eines Schwerwasserreaktors in Arak. Die Anlage könne zur Produktion von Plutonium für Atomwaffen genutzt werden, warnte sie. Der NWRI hatte 2002 erheblichen Anteil daran, das geheime Atomprogramm des iranischen Regimes aufzudecken.

Für die Fortschritte des iranischen Atomprogramms machte Bolurchi auch eine „Beschwichtigungspolitik“ der EU verantwortlich. Bundeskanzler Gerhard Schröder missbrauche den Atomstreit für Wahlkampfzwecke, vermeide aber eine konsequente Politik gegenüber Iran. Der NWRI fordert, die Verhandlungen abzubrechen und die Streitfrage dem UN-Sicherheitsrat vorzulegen. „Die EU-Länder haben Iran zu viel Zeit gegeben“, sagte Bolurchi.

Chamenei wies beim Freitagsgebet in Teheran Forderungen zurück, sein Land solle die Verarbeitung von Uran einstellen. Iran sein nur an friedlicher Nutzung der Atomenergie interessiert. „Wir wollen keine Atomwaffen“, sagte er.