Sunday, February 5, 2023
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Exklusiver Bericht vom Qarchak Gefängnis: „Frauen existieren hier nicht einmal“

Am 15. September verlor Mahsa Amini, ein 22-jähriges Mädchen, ihr Leben, nachdem sie im Gewahrsam von der Sittenpolizei schwer geschlagen wurde, weil sie „unangemessen verschleiert“ war. Mahsas tragischer Tod ist die Spitze eines Eisbergs der unerträglichen Bedingungen für Frauen im Iran unter der herrschenden Frauenfeindlichkeit.

Ein kürzlich von der Iran Human Rights Society (IranHRS) veröffentlichter Bericht enthüllt einige grauenvolle Informationen über den erbärmlichen Zustand weiblicher Gefangener im Qarchak-Gefängnis in Varamin in der Nähe von Teheran. Das Gefängnis, das selbst ein Ort der Bestrafung von Gefangenen ist, besitzt eine Unterabteilung für strengere Bestrafungen von Insassen.

„Wenn weibliche Gefangene die Gefängnisregeln missachten, werden sie in das Aminabad-Sanatorium verlegt. Zum Tode verurteilte Insassen werden heimlich hingerichtet, Gefangene verhungern und leiden unter mangelnder Hygiene“, heißt es in dem Bericht.

Der Bericht stammt von einer ehemaligen Qarchak-Gefangenen, die kürzlich den Iran verlassen hat und ihre schrecklichen Erfahrungen teilt. Sie sagte: „Nach ein oder zwei Monaten in Qarchak vergisst du, dass du einmal ein gewöhnliches Leben hattest! Dort lebst du ein primitives Leben.“

Die Überlebende betont, dass das Qarchak-Gefängnis ein großes und bewohnbares Lagerhaus ist, das in ein Gefängnis umgewandelt wurde.

„Gewöhnliche Praktiken wie das Schneiden von Haaren sind im Qarchak-Gefängnis verboten und gelten als Verbrechen. Viele Insassen wurden bestraft, indem sie nach Aminabad geschickt wurden oder lange Zeit in Einzelhaft verbrachten.“

„Im August 2021 kletterte eine Frau auf den Stacheldraht und begann vor Schmerzen zu schreien und sagte, sie wolle sich umbringen. Sie hatten ihren Sohn an diesem Morgen hingerichtet und ihr Mann war im Todestrakt. Sie wurde zu 17 Jahren Gefängnis verurteilt und musste weitere neun Jahre im Gefängnis bleiben. Sie hatte nach dem Tod ihres Sohnes alle Hoffnung verloren. Wärter nahmen sie mit und die Gefängnisbeamten sagten, sie sei freigelassen worden. Aber sie hatten sie nach Aminabad geschickt“, heißt es in dem Bericht.

Laut dieser Gefangenen ist auch das Essen im Qarchak-Gefängnis sehr knapp. „Gefangene hungern immer. Die Essensration jedes Gefangenen besteht aus einem gefrorenen gekochten Ei, einem Drittel einer Kartoffel und einem Stück Brot. Die Insassen, die keine Hilfe von außen erhalten, können nichts kaufen.“

Aber diejenigen, die Lebensmittel kaufen, haben es nicht besser, da sie nicht kochen können. „Das Gefängnis hat keinen Herd oder Kochgelegenheit. So werden Insassen, die Konserven kaufen, gezwungen, sie zu essen, ohne sie zu kochen. Daher leiden viele von ihnen an verschiedenen Krankheiten.“

#Iran: Inmates already deprived of their minimal #humanrights now face new problems. Qarchak Prison sewage has overflown the prison yard and onto the wards’ corridor. Drinking water is also cut off, and the prison authorities are not taking action. https://t.co/Ev9bcmn0dk pic.twitter.com/iGHF27ItiM
— Women’s Committee NCRI (@womenncri) June 13, 2022
#Iran: Insassen haben nicht einmal minimale #Menschenrechte und stehen nun vor weiteren Problemen. Die Abwasserkanäle sind überlaufen und haben den Gefängnishof geflutet und das Wasser läuft nun in die Zellengänge. Das Trinkwasser wurde abgeschaltet und die Gefängnisleitung unternimmt nichts dagegen. https://t.co/Ev9bcmn0dk pic.twitter.com/iGHF27ItiM
— Frauenkomitee des NCRI (@womenncri) 13, Juni 2022

Diesem Bericht zufolge sind Frauen in Qarchak der Mindesthygieneeinrichtungen beraubt und selbst das Duschen ist eine andere Form der Folter.

„Das Qarchak-Gefängnis hat kein Trinkwasser. Es ist buchstäblich Kalkwasser. Beim Duschen kommt Wasser mit niedrigem Druck wie weiße Kreide aus der Dusche. Manchmal ist das Wasser so heiß, dass die Haut der Gefangenen Blasen bekommt und manchmal so kalt, dass es unerträglich ist.“

Inzwischen „leiden viele Drogenabhängige und Obdachlose in diesem Gefängnis an verschiedenen Infektionskrankheiten. Viele von ihnen bringen Läuse mit ins Gefängnis. Aber es gibt keine Möglichkeit der Gesundheitsversorgung für sie und andere leiden ebenfalls erheblich unter diesem Problem.“

„Die medizinische Situation im Qarchak-Gefängnis ist katastrophal. Wenn eine Gefangene nach Mitternacht akut krank ist, wird sie kaum ins Krankenhaus verlegt. Im Krankenhaus selbst gibt es keine Medikamente. Und seine Apotheke ist leer“, fügt der Bericht hinzu.

Laut frisch entlassenen Gefangenen wurden „inhaftierte Frauen, die schwanger waren und aufgrund der harten Bedingungen im Gefängnis eine Fehlgeburt hatten, misshandelt und der medizinischen Versorgung beraubt. Wenn sie dies aussprechen würden, würden sie angegriffen.“

Das Qachak-Gefängnis ist in der Tat ein „Niemandsland“, in dem weibliche Gefangene „nicht einmal existieren“. „Wir hatten kein Protestrecht. Die Wachen unterdrückten brutal jeden, der in einen Hungerstreik trat. Sie bringen den Gefangenen in Einzelzellen. Die Einzelhafträume sind kleine, 2 x 1 Meter große, schmutzige Räume, in denen man sich hinhocken sollte, um Platz zu finden.

Der Bericht fügt hinzu, dass es viele „Häftlinge im Todestrakt gibt und jeden Tag werden vier bis fünf von ihnen gehängt. Aber die Nachricht von diesen Hinrichtungen dringt nicht an die Außenwelt.“

Einige der Opfer sind arme Frauen, die gezwungen wurden, Drogen für ihre gewalttätigen Ehemänner zu schmuggeln und dabei erwischt wurden und nun gehängt werden. Viele Insassen begehen Selbstmord, aber niemand erfährt von ihrer Situation.

Die im Iran herrschende Frauenfeindlichkeit betrachtet Frauen als minderwertige Kreaturen und genau wie im Mittelalter genießen Frauen im Iran keine Rechte.
Vom Spritzen von Säure in die Gesichter von Frauen bis hin zu ihrer Verhaftung und dem Foltern, Vergewaltigen und Töten von aufsässigen Frauen haben Mullahs vor keiner Maßnahme zur Unterdrückung von Frauen zurückgeschreckt. In seinem Bericht vom 8. März 2021 zählte der iranische Sonderberichterstatter, Javaid Rahman, die vom Regime legalisierte Unterdrückung der iranischen Frauen auf.

„Im iranischen Recht und in der Praxis existiert eine offensichtliche Diskriminierung, die geändert werden muss. In mehreren Bereichen ihres Lebens, einschließlich Ehe, Scheidung, Beschäftigung und Kultur, sind iranische Frauen entweder eingeschränkt oder benötigen die Erlaubnis ihrer Ehemänner oder väterlichen Vormünder, wodurch sie ihrer Autonomie und Menschenwürde beraubt werden“, heißt es in dem Bericht.

Trotz des harten Vorgehens des Regimes zeigen iranische Frauen eine wachsende Entschlossenheit, nicht nur den gleichen Status im Iran zu erreichen, sondern eine führende Rolle im Kampf der Menschen für Demokratie zu spielen. Die Frauen im iranischen Widerstand stehen an der Spitze der Bewegung. Während der großen Proteste im Iran in den letzten Jahren standen mutige iranische Frauen an vorderster Front und führten ihre Landsleute an.

Die mutigen Taten der iranischen Frauen erfüllen die Menschen. Der berühmte französische Schriftsteller und Dichter Lous Aragorn sagte dazu: „Frauen sind die Zukunft der Menschheit.“