Monday, February 6, 2023
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Öffentliche Hinrichtung im Iran – mit allen Details

Menschenrechtsorganisation zeigt Film

Mit der ersten öffentlichen Vorführung einer heimlich im Iran gefilmten Hinrichtung in Paris haben Menschenrechtsorganisationen auf die wachsende Zahl von Exekutionen von Gegnern des Mullah-Regimes hingewiesen.
 
Frankfurter Rundschau – Paris – Der knapp 17 Minuten lange Film wurde im Juni 2006 in der Stadt Ghazwin gedreht, die südlich der iranischen Hauptstadt Teheran liegt. Er zeigt die Hinrichtung eines unbekannten Mannes, der mit der Schlinge um den Hals am Kran eines Lastwagens aufgehängt und hochgezogen wird.

Nach mehreren Minuten, während der sich die vielen Zuschauer der Hinrichtung hinter den Absperrungen lautstark erregen, wird das Opfer herabgelassen und auf eine Bahre gelegt. Die Augenbinde wird ihm abgenommen, und ein Arzt stellt den Tod des etwa 45 Jahre alten Mannes fest, der anschließend in einem Leichenwagen abtransportiert wird.

Der Film wurde am Donnerstag vom "Unterstützungskomitee für die Menschenrechte in Iran" (CSDHI) in einem Pariser Veranstaltungszentrum öffentlich gezeigt. Bisher existierten nur heimlich aufgenommene Fotos von Hinrichtungen im Iran, die im Ausland gezeigt wurden. Neben der CSDHI, die dem "Nationalen Iranischen Widerstandsrat" nahe steht, machte Amnesty International auch auf den Fall des am 5. September 2006 in einer Teheraner Klinik gestorbenen Valiollah Feyz Mahdavi aufmerksam.

Mahdavi, dem es gelungen war, im April diesen Jahres über ein Telefon eine Nachricht aus der Haft zu übermitteln, die ebenfalls während der Veranstaltung vorgespielt wurde, war 2001 festgenommen worden, als er den Iran verlassen wollte. In dem Tondokument berichtete Mahdavi, dass er 546 Tage in den Folterkellern verschiedener Gefängnisse zugebracht habe. Der 1980 geborene Widerstandskämpfer wurde 2003 von einem Richter zum Tode verurteilt, ohne dass ihn ein Anwalt verteidigen konnte.

Anfang des Jahres teilte man ihm mit, dass er am 16. Mai hingerichtet werden würde. Anschließend habe es immer wieder Scheinexekutionen gegeben, bei denen er nachts von Wächtern aus der Isolationszelle geholt und mit Waffen bedroht worden sei.

Der Regimegegner, der laut der CSDHI "fünf Jahre zwischen Leben und Tod schwebte", wurde am 3. September an einen unbekannten Ort gebracht. Am 6. September hieß es, er habe sich am Vortag in der Dusche des Gefängnisses von Gohardacht in Teheran selbst erhängt.

Amnesty forderte die Regierung in Teheran auf, die Todesumstände Mahdavis ebenso zu untersuchen wie den Tod des Studentenführers Akbar Mohammadi, der im Teheraner Evin-Gefängnis am 31. Juli 2006 starb. Allein aus den vergangenen beiden Monaten verfügt die CSDHI über Berichte zu rund einem Dutzend öffentlicher Hinrichtungen im Iran. Hans-Helmut Kohl