Saturday, November 26, 2022
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Fragen und Antworten zu den neuen Sanktionen gegen iranisches Öl

NEW YORK (Agenturen) – Die USA und Europa wollen den Iran von Einkommen aus Ölverkäufen ausschließen, weil seine Regierung nach dessen Glauben Atomwaffen bauen will. In dieser Woche trat der Konflikt in eine neue Phase.
Die USA werden ab Donnerstag Banken bestrafen, die Ölgeschäfte mit dem Iran tätigen, die europäischen Staaten werden ab Sonntag ein Embargo über iranische Ölimporte verhängen.

Diese Maßnahmen wurden bereits im Dezember und Januar angekündigt, aber die Politiker gaben den Ländern und Ölmärkten eine Übergangszeit, bis jetzt.

Der Iran reagierte bereits mit der Drohung einer Blockade der Ölhandelsrouten. Der Ölpreis stieg nach der Bekanntgabe auf über 100 Dollar pro Barrel, vor allem weil Engpässe in der Versorgung wegen des gestiegenen Bedarfs aus China erwartet wurden, obwohl das Land selbst nur einen Bruchteil seiner Versorgung aus dem drittgrößten Ölexporteur Iran bezieht.

Doch die Ängste haben sich nicht bestätigt.

Der Iran hat zwar nicht von seinen atomaren Ambitionen Abstand genommen, aber er sitzt wieder am Verhandlungstisch. Das Weltwirtschaftswachstum hat sich verlangsamt und damit auch der Bedarf an Öl. Saudia Arabien und andere Länder erhöhten ihre Fördermengen und fingen so das sinkende Angebot aus dem Iran ab und seit dem 1.Mai ist der Rohölpreis um 25 Prozent gesunken und die Ölhändler hatten genug Zeit, nach anderen Anbietern Ausschau zu halten.

„Die Kunden haben sich selbst in eine gute Verhandlungsposition gebracht“, sagte Rex Tillerson, der Vorstandsvorsitzende von ExxonMobil, am Mittwoch.

„Es gibt jedoch immer noch ein gewisses Restrisiko, wenn das europäische Embargo am 1. Juli in Kraft tritt. Was dann passiert, ist schwer vorherzusagen“, sagte Tillerson.

Doch Michael Lynch, der Präsident für wirtschaftliche Studien im Energiesektor denkt, dass „nichts besonderes passiert“, weil die Länder das Embargo „bereits eingeplant haben“.

US Vertreter sind der Meinung, dass sich die iranischen Ölexporte bereits jetzt drastisch reduziert haben. Der Iran nahm im letzten Jahr 100 Milliarden Dollar durch Ölverkäufe ein, ein gigantischer Anstieg zu den 20 Milliarden aus dem letzten Jahrzehnt, so steht es in der Statistik von IHS CERA, einem Energieberatungsunternehmen.

Der Iran warnte davor, dass das Ölembargo den Weltmarktpreis erhöhen könnte, doch der Markt ist im Moment vom Angebot überflutet und selbst der Verlust der iranischen Mengen konnte keine Auswirkungen auf den Preis hinterlassen. Wenn der Iran jetzt einen Weg findet, die Sanktionen zu umgehen – was möglich ist – dann würde der Preis eher noch weiter fallen.

Hier also die zentralen Fragen und Antworten über die Sanktionen des Westens und welche Auswirkungen sie für den Energiesektor haben können:

Frage: Was sind es für genaue Sanktionen und wie greifen sie?

Antwort: Die USA , welche selbst kein iranisches Öl kauft, gab im Dezember bekannt, dass sie den großen Banken der Welt verbietet, Öltransaktionen von iranischen Banken abzuwickeln. Das macht es dem Iran schwieriger, sein Öl auf dem offenen Markt zu verkaufen. Der Wert eines einzigen Öltankers beträgt 100 Millionen Dollar. Die US Sanktionen treten ab Donnerstag in Kraft.

Europa gab im Januar bekannt, dass es jeglichen Import von iranischem Rohöl ab 1. Juli verbietet. Bisher kamen drei Prozent der Versorgung aus dem Iran. Europa verbot Unternehmen ebenfalls, Lieferungen von iranischem Öl zu versichern.

Frage: Welche Rolle hat der Iran auf dem Weltmarkt für Öl?

Antwort: In den letzten Jahren exportierte der Iran 2.5 Millionen Barrel pro Tag, was drei Prozent der gesamten Ölexporte entspricht. 500.000 Barrel gingen nach Europa, der Rest nach China, Indien, Japan und Südkorea.

Die iranischen Ölfelder produzieren schwefelhaltigeres Öl als sogenanntes leichtes Öl. Schwefelhaltiges Öl ist schwieriger zu verarbeiten und daher teurer bei der Weiterverarbeitung. Daher hat es auf dem Markt in der Regel einen geringeren Preis.

Frage: Welche Effekte hatten die Sanktionen bis jetzt?

Antwort: US Vertreter sagen, dass sich die iranischen Ölexporte um mehr als 1,8 Millionen Barrel am Tag verringert haben, was einem Rückgang von 700.000 Barrel am Tag entsprechen würde. Nimmt man den heutigen Ölpreis, dann hat diese Reduktion den Iran 63 Millionen Dollar am Tag gekostet. Selbst Ölimpoteure, die noch Öl vom Iran kaufen können, schrecken oft davor zurück, weil keine Versicherungsgesellschaft den Transport versichert. Der Iran hat seine Ölproduktion während der Sanktionen nicht gedrosselt und seine Reserven aufgefüllt. 

Frage: Können bestimmte Länder immer noch iranisches Öl kaufen, ohne den Sanktionen zu unterliegen?

Antwort: Ja. Das US Außenministerium gab bekannt, dass China, Indien, Malaysia, Südkorea, Singapur, Südafrika, Sri Lanka, die Türkei und Taiwan Ausnahmegenehmigungen bekommen, wenn sie dafür die Ölimporte „signifikant“ drosseln, sie können aber weiterhin iranisches Öl kaufen. Zehn europäische Länder erhielten zudem Ausnahmegenehmigungen, die allerdings am 1. Juli mit dem generellen Verbot erlöschen.

Frage: Werden die Sanktionen greifen?

Antwort: Sie haben bereits die iranischen Ölverkäufe drastisch begrenzt, zudem hat der fallende Ölpreis die Einnahmen vom Iran auch an die Länder sinken lassen, die immer noch Öl von ihm beziehen. Die Kombination aus sinkendem Handelspreis und Sanktionen belastet die iranischen Finanzen. Der Iran hat wieder Atomgespräche mit dem Westen begonnen, doch bisher waren sie nicht erfolgreich.  Der Iran hat bei den Gesprächen deutlich gemacht, dass es keine Zusagen zum Atomprogramm geben wird, bevor nicht die Ölsanktionen beendet werden.