Wednesday, November 30, 2022
StartNachrichtenAtomprogrammFrankreich: Der Iran muss in der Frage der Zentrifugen nachgeben

Frankreich: Der Iran muss in der Frage der Zentrifugen nachgeben

 Der Iran muss seine Forderungen, über Tausende Zentrifugen zur Urananreicherung zu verfügen, fallen lassen, wenn das Land eine dauerhafte Vereinbarung mit den Großmächten über sein strittiges Nuklearprogramm will.

Das sagte der französische Außenminister am Donnerstag. 

Laurent Fabius wies auf einen weiten Abstand zwischen den Verhandlungspositionen hin und sagte im französischen Radio, der Iran dürfe nur einige hundert Zentrifugen haben. Zentrifugen sind Maschinen, die in Überschallgeschwindigkeit gedreht werden, um die Konzentration des spaltbaren Uranisotops zu erhöhen. 

Der Iran behauptet, sein Nuklearprogramm diene ausschließlich friedlichen Zwecken und weist Anschuldigungen zurück, er arbeite an der Entwicklung von Atomwaffen. Nach Angaben der UN-Atomenergiebehörde besitzt das Land zurzeit etwa 19.000 Zentrifugen, von denen ungefähr 10.000 in Gebrauch sind. Die iranischen Behörden sagen, sie müssten die Kapazität zur Urananreicherung erhöhen, um Brennstoff für das geplante Atomkraftwerk zu gewinnen. 

Paris setzt sich seit langem für strenge Bedingungen in den Verhandlungen ein, in denen es selbst, Großbritannien, China, Deutschland, Russland und die Vereinigten Staaten eine Lockerung der strengen Wirtschaftssanktionen erwägen, falls der Iran ihre Sorgen zerstreuen kann. 

Beamte aus den USA und dem Iran führen am Montag und Dienstag dieser Woche in Genf Gespräche, um eine Blockierung zu brechen, durch die es wahrscheinlich geworden ist, dass der von den Verhandlungspartnern gesetzte Termin vom 20. Juli verstreichen wird, ohne dass es zu einer Einigung kommt. 

Scheitert der Verhandlungsprozess im Ganzen, stehen weitere Sanktionen in Aussicht und die Gefahr wächst, dass Israel gegen die iranischen Atomanlagen militärisch vorgehen wird. 

Französische Beamte sollen mit den iranischen Verhandlungspartnern am Mittwoch in Genf zusammentreffen; dann sollen die sechs Mächte vor der nächsten Runde offizieller Verhandlungen mit dem Iran, die am 16. Juni in Wien beginnen, ihre Strategie klären. 

„Wir rennen bei einem Thema nach wie vor gegen eine Wand an, und das ist die Anzahl der Zentrifugen zur Urananreicherung“, sagte Fabius im Sender France Inter. 

„Wir sagen, es können ein paar hundert Zentrifugen sein, aber die Iraner wollen Tausende davon, also kommen wir nicht auf einen Nenner“, sagte er. Es war nicht ohne Weiteres klar, ob er die französische Position umriss oder die aller sechs Mächte. 

Angereichertes Uran kann zur Erzeugung von Atomenergie gebraucht werden; das ist das Ziel, das der Iran vorgibt zu verfolgen; aber es kann auch bei hoher Konzentration von spaltbarem Material den Kern eines atomaren Sprengkopfes bilden, was nach westlichen Befürchtungen Teheran endgültig erreichen will. 

Ein hoher iranischer Beamter sagte, die Gespräche könnten um ein halbes Jahr verlängert werden, wenn bis zum 20. Juli keine Einigung erzielt wird. 

Die Einigung vom November – nach der der Iran sein Atomprogramm zum Teil auf Eis legte und sich damit eine begrenzte Lockerung der Sanktionen sicherte – ließ eine sechsmonatige Verlängerung zu, wenn für eine Regelung mehr Zeit gebraucht würde. Dabei sollten die begrenzte Lockerung der Sanktionen und die Einschränkungen am iranischen Atomprogramm bis zu einem halben Jahr länger gültig bleiben. 

Fabius sagte: „Wenn die Iraner bei ihrer Position bleiben, muss man sich doch fragen, wozu die Tausende Zentrifugen dienen, wenn es nicht auf die Atombombe abgesehen ist? Also wird man in den nächsten Wochen fragen: „Ist der Iran wirklich bereit, die Atombombe aufzugeben oder nicht?“