Friday, September 30, 2022
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„Die Wärter haben uns grausam geschlagen, als wir ins Gefängnis kamen“, bezeugt ein Ex-Gefangener im Prozess gegen Noury


Am Donnerstag erreichte der Prozess gegen Hamid Noury seine 80. Sitzung seit seiner Verhaftung 2019 in Schweden. Noury, ein iranischer Gefängnisbeamter, wurde festgenommen wegen seiner Rolle im Massaker von 1988 an 30 000 politischen Gefangenen.
Die meisten Opfer waren Mitglieder der Mujahedin-e Khalq (MEK/PMOI).
In der Sitzung am Donnerstag hat Alireza Akbari Sepehr, einer früherer politischer Gefangener der Organisation des Kampfes für die Emanzipation der Arbeiterklasse (Paykar) seine schmerzhaften Erinnerungen im Gefängnis mitgeteilt. Sepehr wurde 1982 im Südosten des Iran zusammen mit seiner schwangeren Frau verhaftet, einige Monate, nachdem die Organisation, die er unterstützt hatte, aufgelöst worden war.
Wenige Monate später gebar Sepehrs Frau ihren Sohn in einer Einzelzelle. Akbari sagte am Donnerstag aus, dass er Hamid Noury, der als Abbasi bekannt war, im berüchtigten Evin Gefängnis begegnet sei, wo Abbasi „assistierender Ankläger“ war. Herr Akbari Sepehr war zu 12 Jahren Gefängnis verurteilt worden.
1987 wurden nach einem Hungerstreik der politischen Gefangenen im Evin Gefängnis Sepehr und Hunderte andere MEK Mitglieder ins Gohardasht Gefängnis verlegt.
Akbari machte auch seine Zeugenaussage über den sogenannten „Todestunnel“. Nach der Ankunft der Gefangenen begannen die Wärter damit, die Gefangenen grausam zu schlagen, wobei sie umgeben von Wärtern durch einen Korridor gehen mussten. „Nach der Durchquerung des Tunnels wurden die MEK Gefangenen und ich in eine Zelle gebracht, wo uns die Wärter nackt auszogen und Augenbinden anlegten. Dann haben sie uns wieder geschlagen“, sagte er vor dem Gericht aus.
Und weiter sagte Akbari in dem Gericht aus, dass die Wärter einige Tage vor dem Massaker von 1988 das Fernsehgerät entfernten unter dem Vorwand, dass es repariert werden müsse, und auch keine Zeitungen mehr auslegten. Alle Treffen wurden abgesagt und die Gefangenen wurden über Morse Codes darüber informiert, dass die „Todeskommission” in das Gefängnis gekommen sei.
Die sogenannten „Todeskommissionen“ wurden gebildet kurz, nachdem der damalige Oberste Führer Ruhollah Khomeini eine Fatwa ausgesprochen hatte, dass politische Gefangene, besonders MEK Mitglieder zu beseitigen seien. Sie haben nur MEK Mitglieder identifiziert, die sich weigerten, der Organisation und ihren demokratischen Idealen abzuschwören.
Der derzeitige Präsident des Regimes Ebrahim Raisi, alias der hängende Richter, war ein Schlüsselmitglied der Todeskommission.
Marxistische Gefangene wie Akbari Sepehr wurden gezwungen, zu beten und ein Interview mitzumachen, in dem sie ihre früheren Positionen verurteilten. „Als ich Gewissheit über die Hinrichtungen erlangte, habe ich akzeptiert zu beten und an dem Interview teilzunehmen“, erklärte er.
Sepehr bestätigte, dass Noury bei dem Massaker 1988 eine Rolle gespielt hatte und bezeugte unter Eid, dass Hamid Noury wirklich der berüchtigte Abbasi ist, der im Gohardasht Gefängnis als stellvertretender Oberaufseher gearbeitet hat.
Während des Prozesses gegen Noury haben Unterstützer der MEK und Familienangehörige der Opfer ihre Proteste vor dem Gerichtsgebäude in Stockholm fortgesetzt.

Hintergrund

1988 sah Khomeini in der MEK und ihrer progressiven Interpretation des Islam eine ernste Bedrohung seiner Herrschaft und Ideologie. Daher entschied er sich dafür, dass jeder zu eliminieren sei, der nicht bereit war, sich zu unterwerfen und das Geschick dem Glauben vorzog. Das ganze Regime hätte es lieber gehabt, dass jene Zehntausende sich ihm, dem Regime, unterworfen hätten und mit der Botschaft zu ihren Angehörigen zurückgekehrt wären, dass eine Ablehnung von Khomeini sich nicht lohnt. Stattdessen blieben diese Männer und Frauen aufrecht und wählten den Tod für ein Ideal, das weiterleben würde, das den kommenden Generationen die Inspiration von Liebe, Gleichheit und Wohlstand geben würde. Die Aufstände im Iran von heute zeigen, dass die Botschaft und der Geist derer, die 1988 hingerichtet wurden, weiter leben und dass sie nicht umsonst gestorben sind.
Der als Khomeinis Erbe ausersehene, später abgesetzte und inzwischen verstorbene Ayatollah Hossein Ali Montazeri hat am 14. August 1988 gegenüber Mitgliedern der Todeskommission geäußert: „Die Volksmudschahedin sind keine Einzelpersonen, sie haben eine Ideologie und eine Weltsicht. Sie haben eine Logik. Es braucht die richtige Logik, um die falsche Logik zu beantworten. Sie können das Falsche nicht mit Tötungen richtig stellen; sie verbreiten es damit nur“.