Friday, February 3, 2023
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Iran: Bericht eines Universitätsstudenten

NWRI – Die mangelhafte Ausstattung der Universitäten und das mangelnde Verantwortungsbewußtsein der Beamten des Ministeriums für Wissenschaft und Universitäten

 In dem neuen akademischen Jahr, das im Oktober begonnen hat, sehen sich die Studenten mit einer ernsten Krise konfrontiert. Für die neuen Studenten sind keine passenden Schlafräume vorhanden; das Gleiche trifft auf die älteren Studenten zu. Während der Immatrikulation werden Studenten von Mitarbeitern der sozialen Institutionen angesprochen; sie erklären, es seien für ihre Beherbergung und Ernährung nicht genug Geld und keine zureichende Infrastruktur vorhanden. Das Problem betrifft Studentinnen noch stärker; denn sie sind zusätzlichen sozialen und kulturellen Barrieren ausgesetzt. In dieser Sache haben die Universitäten und Studenten sich an das Wissenschaftsministerium gewandt, aber dessen Beamte sind aufgrund von Geldmangel und zureichenden Argumenten die nötigen Antworten schuldig geblieben. Daher konnte die Angelegenheit bisher nicht geregelt werden.

Die Schwierigkeit, den Universitäten die für ihre wissenschaftliche Arbeit notwendigen Einrichtungen zur Verfügung zu stellen

Die meisten Veranstaltungen in der Ausbildung der Ingenieure und verwandten Zweige der Medizin sind praktisch orientiert; daher kommt es in diesen Disziplinen in erster Linie auf die Bereitstellung von Material und Labor-Gerät an. Bedauerlicherweise sind fast alle Universitäten des Landes mit einem Mangel an Labor-Gerät konfrontiert; zum Zwecke seiner Besorgung hat sich in Teheran ein schwarzer Markt etabliert. Die Sektion LC des Wissenschaftsministeriums, verbunden mit dem stellvertretenden Direktor für die Forschung, ist dafür verantwortlich, daß Labor-Gerät durch europäische Firmen besorgt wird. Diese Sektion hat bekanntgegeben, die Banken und europäischen Firmen verhielten sich beim Erwerb von nützlichen Artikeln nicht kooperativ; es sei auch nicht möglich, für den Tausch ein Konto in ausländischer Währung zu eröffnen.

Betr.: Die Ausbildung von ausländischen Studenten und die damit verbundene tiefe politische Korruption

Unlängst wurde allen öffentlichen Universitäten eine Anweisung geschickt, es seien ausländische Studenten zum Erwerb der Grade des Masters und des philosophischen Doktors zuzulassen. Trotz aller damit zusammenhängenden Krisen sind unsere Universitäten demnach verpflichtet, Studenten aus dem Irak, Afghanistan, Syrien, dem Libanon, dem Jemen, Pakistan usw. aufzunehmen. Nach diesem Plan sollen die ausländischen Studenten in ihren Herkunftsländern als kulturelle Missionare des iranischen Regimes fungieren; sie sollen die Gedanken und Ideen der iranischen Revolution und des Imam Khomeini verbreiten. Daher werden sie an den iranischen Universitäten zugelassen; man sichert ihr Studium mit Stipendien, Schlafräumen, Praktikumsplätzen und Zuschüssen. Unglücklicherweise kommen unsere Eliten nicht in den Genuß dieser Förderung; man hat sie ihnen genommen.

Die offenkundige religiöse und geschlechtliche Diskriminierung im neuen akademischen Jahr

Es ist ein zentrales Anliegen des Höchsten Führers, daß sunnitische Studenten sowie Studenten, die anderen religiösen Minderheiten angehören, von den schiitischen Studenten vollständig getrennt werden. All ihre Programme und religiösen Betätigungen müssen offiziell vom Höchsten Führer und vom Sicherheitsamt gebilligt werden. Nach einem Rundschreiben ist den Sunniten die Bildung von Gebetsgemeinschaften verboten. Es ist den sunnitischen Studenten nicht erlaubt, in den Schlafräumen der Universitäten oder auf öffentlichen Plätzen religiöse Feiern und Gebete abzuhalten.