Friday, February 3, 2023
StartNachrichtenFrauenIran: Frauen wegen Kleidung verwarnt

Iran: Frauen wegen Kleidung verwarnt

Agenturen – Die iranische Polizei ging Informationen der staatlichen iranischen Medien und Augenzeugenberichten am Sonntag zufolge erneut gegen Frauen vor, weil anzunehmen sei, dass einige beim zu erwartenden Anstieg der Temperaturen im Sommer den islamischen Kleidungskodex verspotten würden.

Diese Übergriffe werden in den iranischen Sommermonaten zu einer Gewohnheit. Die Polizei sieht sich einer immer größer werdenden Zahl junger Frauen gegenüber, die die Grenzen des Gesetzes mit kürzerer, hellerer und knapperer Bekleidung ausloten.

Die islamischen Sharia, die im Iran 1979 nach der Revolution zum Gesetz wurde, bestimmt, dass Frauen verpflichtet sind, ihr Haar zu bedecken und lang, weite Kleidung zu tragen, die ihre Figur verhüllt und sie bescheidener erscheinen lässt.

Wer dagegen verstößt, kann ausgepeitscht, mit Geldbußen bestraft oder eingesperrt werden.
"Die Polizei begann am Freitag, sich mit Frauen auseinanderzusetzen, die auf der Straße unangenehm aufgefallen waren",  zitierte die halbstaatliche Nachrichtenagentur Mehdi Ahmadi, den Polizeisprecher der Hauptstadt.

Viele junge Frauen – vor allem in den wohlhabenderen urbanen Gebieten – vermeiden den vom Kopf bis Fuß bedeckenden Chador und tragen lieber bis zu den Waden reichende Caprihosen, figurbetonte Kurzmäntel und hellfarbige, nach hinten geschobene Kopftücher, unter denen ihr Haar zu sehen ist.

Der islamische Kleidungskodex spielt in ärmeren urbanen Regionen und im ländlichen Gebiet eine größere Rolle.

Die Polizei in der iranischen Hauptstadt Teheran hat bereits mehr als 1.300 Frauen angehalten und sie wegen der Nichteinhaltung des Kleidungskodexes verwarnt, sagte Ahmadi und fügte hinzu, "dass die Fälle von 59 Frauen an den Gerichtshof übergeben wurden".

Die Polizei, bzw. deren Offiziere entscheiden über das Schicksal der Frauen, die "schlecht gekleidet" waren. Sie können gegen eine Kaution wieder auf freien Fuß gesetzt oder mit zur Polizeistation genommen werden und gegen eine Bürgschaft befreit werden, so die Zeitung Kargozaran.

Das Zitat eines höheren Polizeioffiziers: "Die Frauen, die sich der Polizei widersetzen, bleiben in Gewahrsam."

In der achtjährigen Präsidentschaftszeit des moderaten Mohammad Khatami, der 1997 gewählt und 2001 auf der Plattform sozial-politischer Reformen wieder gewählt wurde, waren die sozialen Restriktionen, wie die des islamischen Kleidungskodex, moderater.

Aber selbst unter Khatami wurde sporadisch gegen Frauen vorgegangen und einige junge Frauen verhaftet.

Als der Hardliner Mahmoud Ahmadinejad 2005 die Präsidentschaftswahl gewann, sprachen sich die Hardliner für schärfere Kontrollen des "unmoralischen Verhaltens" aus, nachdem er versprach, zu den Werten der Revolution zurückzukehren.

Aber einige Analysten sind besorgt, dass eine kompromisslose Linie einen Rückschlag bedeuten könnte, wenn die Regierung in einer Pattsituation mit dem Westen beim iranischen Atomstreit auf die Unterstützung der Bevölkerung angewiesen wäre.

Der Westen befürchtet, dass der Iran versucht, unter dem Deckmantel eines zivilen Programms eine Atombombe zu bauen. Der Iran behauptet, dass er die Nukleartechnologie zur Energiegewinnung einführen würde.