Thursday, December 1, 2022
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Iran: Interview mit dem Sohn eines politischen Gefangenen in der Todeszelle

Ali SaremiNWRI – Akbar Saremi, ein Mann aus dem Camp Ashraf im Irak und Sohn von Ali Saremi, einem politischen Gefangenen, der vom iranischen Regime zum Tod verurteilt wurde, schilderte am 4. Januar die Situation seines Vaters in einem Interview mit dem amerikanischen Fernsehen Voice of America. Ali Saremi wurde verhaftet, weil er an einer Feierstunde zum Gedenken an die Massaker politischer Gefangener 1988 im Iran teilnahm. Er wurde vom Regime zum Tod verurteilt.

Nachfolgend ein Abdruck des Interviews von Akbar Saremi mit Voice of America. Der Originaltext liegt in Farsi vor. Die deutsche Übersetzung basiert auf dem englischen Text.
Host: Wir gehen jetzt in das Camp Ashraf im Irak. Dort ist ein sehr bekannter Gefangener aus dem Iran, Ali Saremi, der nach seinen Protesten gegen die Massaker 1988 verhaftet wurde. 1988 wurden einige Gefangene in den Haftanstalten hingerichtet. Die Zahlen der Opfer in den Gefängnissen wurden zwischen drei und sogar 20 Tausend geschätzt. Dieser Protest galt dem Rücktritt von Ayatollah Montazeri nach einem Schreiben an Ayatollah Khomeini. Ali Saremi wurde zu einer Strafe von mehr als zehn Jahren Gefängnis verurteilt und war damals im Gefängnis. Er wurde vor kurzem wieder vor Gericht gestellt und zum Tode verurteilt. Sein Sohn ist im Camp Ashraf. Dieses Camp gehört den Mitgliedern und Unterstützern der iranischen Volksmojahedin (PMOI/MEK) im Irak. Wir hatten Berichte zuvor über dieses Camp. Jetzt interviewen wir den Sohn von Hern Saremi.

Herr Saremi, es gibt einige Berichte, dass Ihr Vater Sie besuchen wollte oder dass er nach einem Besuch bei Ihnen verhaftet wurde. Können Sie diese Berichte bestätigen? Was genau ist passiert? Warum wurde er wieder vor Gericht gestellt? Wenn Sie Informationen darüber haben, bitten wir Sie, uns kurz zu berichten, warum dieses Strafe verhängt wurde.

Akbar Saremi: Ja, vor drei Jahren kam mein Vater zu Besuch ins Camp Ashraf. Es wurde im Iran gegen ihn ermittelt. Im September 2007 wurde er nach einer Feier im Gedenken an die massakrierten politischen Gefangenen festgenommen und im Block 209 des Evin Gefängnisses inhaftiert. Es war das dritte Mal, dass sie meinen Vater verhafteten. Er verbrachte mehr als 20 Jahre seines Lebens im Gefängnis und wurde den brutalsten Foltermethoden unterzogen. Durch diese Folter hatte er Rückenschmerzen, die ihn sogar am richtigen Laufen hinderten. Durch einen Hirnschlag wurde er halbseitig gelähmt. Das iranische Regime verweigterte  meinem Vater anderthalb Jahre lang einen Prozess, obwohl er inhaftiert war. Schließlich wurde er am Dienstag plötzlich zum Tod verurteilt, ohne dass er einen ordentlichen Prozess hatte. Natürlich verhafteten sie mit meinem Vater zusammen auch meine Mutter. Sie wurde verhaftet, weil sie gegen die Verhaftung meines Vaters protestierte.

Gestatten Sie mir zu erwähnen, dass das iranische Regime, so wie es auch einige Analytiker feststellen konnten, seinem Ende entgegen geht und der Countdown begonnen hat. Deshalb will es sich nun selbst retten und hat beschlossen, Menschen zu unterdrücken und politische Gefangene, darunter auch meinen Vater, zu massakrieren.

Sie planen die gleichen Verbrechen, die auch Khomeini während der Massaker 1988 begangen hat, so wie Sie bereits erwähnten, gegen die PMOI und politische Gefangene. Sie wiederholten mehrfach, dass die jüngsten Aufstände von der PMOI geplant worden seien und dass die Slogans der PMOI von den Leuten in dern Straßen von Teheran skandiert würden. Sie benutzen den Vorwand der "Ketzerei" [Krieg gegen Gott], um freiheitsliebende Menschen wie meinen Vater hinzurichten.

Sie haben vielleicht gehört, dass mein Vater trotz der gegenwärtigen Umstände einen Brief aus dem Gefängnis senden konnte, der natürlich mehr Details enthält. Aber, wenn Sie mir gestatten, werde ich Ihnen einen Satz daraus vorlesen. In dem Brief sagt er: "In diesen Tagen, in denen Imam Hussein gedacht wird, werde ich inspiriert durch den Führer der freiheitliebenden Menschen überall [Imam Hussein] einmal mehr ausrufen, wenn Muhammad und nun unser Land nur auf den Weg des Friedens kommen, wenn mein Blut oder das Blut von Menschen, die mir ähnlich sind, vergossen wird, dann legt mir jetzt die Schlinge um den Nacken!"

Wie Sie sehen können, ist das ein Zeichen des Mutes und der Angstlosigkeit des iranischen Volkes. Unterdrückung und Hängen waren niemals in der Lage, den Aufstand des iranischen Volkes zu verhindern und werden es auch nie können.