Monday, January 30, 2023
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Iran: Katastrophale Entlohnung der Arbeiternehmer

Im zentralistisch regierten Iran wird der Mindestlohn für die Arbeitnehmer einmal im Jahr vom Staat für die kommenden 12 Monate festgelegt. Am 15. März 2017 veröffentlichte das Arbeitsministerium des iranischen Regimes eine Erklärung, in der dieser monatliche Mindestlohn für das nächste persische Jahr (2017) mit 930.000 Tomans bestimmt wurde. Im Vergleich zum letztjährigen Mindestlohn von 812.000 Tomans ist das zwar eine Steigerung von 14,5 Prozent, die jedoch von der herrschenden Inflation mehr als aufgefressen wird. Wobei diese von der Regierung von Rohani offiziell angekündigte, manipulierte Inflationsrate selbst von Khamenei als zu niedrig angezweifelt wird. Damit entspricht der künftige monatliche Mindestlohn eines Arbeitnehmers weniger als einem Drittel der amtlichen Armutsgrenze.

Dies ist für einen Großteil der Arbeitnehmer eine absolute Katastrophe. Darüber hinaus stellt sich die Frage, warum der amtliche Mindestlohn in diesem Jahr erst in den letzten Tagen des iranischen Jahres verkündet wurde. Denn bisher wurde die Festlegung des monatlichen Mindestlohns für die Arbeitnehmer frühzeitig und offen in den staatlichen Medien diskutiert. Im Gegensatz dazu hat diesmal das Regime nur wenige Tage vor dem iranischen Neujahrsbeginn die neue Untergrenze angekündigt. Die Absicht ist offenkundig: Die Arbeitnehmer sollten während der Ferien davon überrascht werden und keine Möglichkeit haben zu protestieren. Das Regime fürchtet Proteste der Arbeitnehmer wie die Pest.

Und nun schauen wir uns den angekündigten Mindestlohn einmal an und untersuchen, was das für iranische Arbeiter wirklich bedeutet: Ein Mindestmonatslohn von 930.000 Tomans wird zu einer Zeit festgesetzt, in der die offiziell veröffentlichte Armutsgrenze bei 3.000.000 Tomans liegt   also mehr als dreimal so hoch ist wie der neue Mindestlohn. Die staatlich bestimmte sogenannte Überlebenslinie liegt sogar noch höher.

Nach Artikel 41 des Arbeitsgesetzes des Regimes sollte der Mindestlohn auf der Grundlage der Inflationsrate derart festgelegt werden, dass der Lebensunterhalt und der Lebensstandard der Arbeitnehmer gesichert sind. Unterdessen sagen die Quellen innerhalb des Regimes, dass die minimalen monatlichen Lebenshaltungskosten für eine durchschnittliche Arbeiterfamilie bei 2.489.000 Tomans liegen.

Tja, die katastrophale Konsequenz daraus ist, dass bei diesem garantierten Einkommen eine Arbeiterfamilie entweder zum allmählichen Hungertod verurteilt ist oder einen zweiten und sogar dritten Job finden muss, um zu überleben. Bei den Zuständen auf dem iranischen Arbeitsmarkt kommt hier nur Straßenverkauf in Frage oder die Kinder werden aus der Schule genommen und müssen ebenfalls Geld verdienen – wie auch immer.

Ein Vergleich zwischen dem Mindestlohn der iranischen Arbeiter mit denen der Arbeiter auf der ganzen Welt, insbesondere der Nachbarländer, erklärt viel: Der monatlichen Mindestlohn von 930.000 Tomans ergibt derzeit in US-Dollar etwa 246 $. Damit reiht sich der Iran im Vergleich mit anderen Ländern am unteren Ende der Liste ein. Der garantierte Stundenlohn eines iranischen Arbeiters liegt damit bei etwas über einem Dollar. Zum Vergleich: etwa 10 $ in den westlichen Ländern und immerhin noch mehr als 3 $ in der Türkei. Sogar in China, das zu den Ländern mit dem niedrigsten Mindestlohn gehört, werden die Arbeiter mit etwa 270 Dollar im Monat bezahlt, das sind etwa 10 % mehr als ihre iranischen Kollegen. Hinzu kommt, dass die iranischen Arbeiter – entgegen offiziellen Verlautbarungen – nicht regelmäßig entlohnt werden. So wäre es keine Überraschung, wenn die iranischen Arbeiter diese unmenschliche und einseitige Entscheidung nicht akzeptieren und dagegen massiv und lautstark demonstrieren und protestieren würden.