Tuesday, December 6, 2022
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Iran: Papierimporte zerstören die heimische Produktion

Von Mahmoud Hakamian

Die Papierproduktion im Iran kommt zum Erliegen. Das sagt der Leiter der Gewerkschaft für Papier und Pappe gegenüber der staatlichen Nachrichtenagentur Mehr.

Der Hauptgrund dafür ist – laut Abolfasl Roghani – fehlende Unterstützung und Förderung für die heimischen Hersteller von Papier und der Import von ausländischem Papier durch die Regierung. Er machte vor allem die Ministerien für Bildung oder der Islamischen Führung dafür verantwortlich, weil sie lieber importiertes Papier kaufen, statt Papier aus heimischer Produktion.

„Der Import von Papier ist natürlich lukrativ, wenn sie von solchen Institutionen als Abnehmer profitieren können und sie nutzen auch den günstigen Wechselkurs. Dies führt zu immer weniger heimischer Produktion und bringt die Fabriken in die Insolvenz“, sagte Roghani.

Roghani zeigte auf, dass es drei große Produzenten von Papier im Iran gibt. Es sind: Mazandaran Holz und Papier, Tabriz Papier und Pars Papier. Keiner dieser drei Fabriken hätte „einen signifikanten Output im letzten Jahr gehabt“.

 „Es ist zu erwarten, dass sich die Situation in diesem Jahr noch einmal verschlechtern wird“, ergänzte Roghani.

Der Minister für Islamische Führung im Kabinett von Rouhani bezog sich auf die Politik des Importes von Papier für Behörden, Presse und die dem Staat angeschlossenen Einrichtungen und sagte: „Die Regierung kümmert sich um die kulturellen Bedürfnisse des Landes. Die Versorgung mit Papier ist ein wichtiger Faktor und wir sollten die Kursschwankungen in der Währung nutzen. Das ist eine gute Nachricht für alle Verlage, Autoren und die Presse und dies zeigt, dass sich die Regierung um die kulturellen Bedürfnisse kümmert und sie ebenso hoch ansetzt, wie die Versorgung mit Lebensmitteln und Medizin.“

Doch diese Politik führt mittlerweile zum Schließen der Produktionsfabriken für Papier im Iran. Unter ihnen befinden sich Unternehmen, die mehr als ein halbes Jahrhundert aktiv waren. Die restlichen Fabriken arbeiten mit einem Minimum an Kapazität und die Produktion an Papier ist im Land ruiniert und ebenso die Jobs seiner Mitarbeiter, die in die Arbeitslosigkeit gehen. 

So haben zum Beispiel bei der Fabrik Mazandaran Holz und Papier im letzten Jahr rund 400 Mitarbeiter ihre Jobs verloren, sowohl Zeitarbeiter wie auch fest angestellte Mitarbeiter.

Im Land schließen die Papierfabriken, obwohl der oberste Führer Ali Chamenei das letzte Jahr zum „Jahr des Widerstands der Wirtschaft“ ausgerufen hatte und dieses Jahr zum „Jahr der Unterstützung der iranischen Produkte“ erklärte und auch die Regierungsvertreter von Rouhani unterstützten dieses leere und irrelevante Motto. Die Regierung selbst tut sich nun als größter Importeur von Papier hervor und ist so der zentrale Faktor für die Zerstörung der iranischen Papierproduktion.

Es ist deutlich, dass die Gremien und die Geschäftsleute, die zum Regime gehören, dadurch größere Profite machen. Während die Gewinnspanne bei der heimischen Produktion 6-8 Prozent beträgt, ist der Profit bei Importen bei rund 50%. (Staatliche Zeitung Tejarat-e-Farda, 10. Januar 2015)

Aufgrund dieser Politik haben diejenigen, die außerhalb der Regierungsstellen Papier benötigen, mit immer höheren Preisen zu kämpfen und es wird niemals eine Preisstabilität im Land geben.

Daher können die Konsumenten auch in diesem Jahr nicht planen, so wie es in anderen Ländern der Fall ist, wo der Preis für Papier stabil bleibt und so sind auch Pläne für ein Jahr für Verlage und andere Geschäftsleute wesentlich einfacher. (Staatliche Zeitung Iran, 19. Oktober 2017).

Die Regierung kauft importiertes Papier zu dem Preis, den die ausländischen Anbieter machen, sagte der Leiter der Gewerkschaft für Papier (Nachrichtenagentur für öffentlichen Rundfunk, 23. April 2018). 

Es ist offensichtlich, dass diese exzessive Politik des Imports von Gütern – auch mit geringer Qualität – dazu dient, die Taschen staatlicher Vertreter und von Geschäftsleuten zu füllen, die mit dem Regime verbunden sind. Das Regime macht dabei auch Konzessionen an ausländische Händler, um sich so die Unterstützung in der internationalen Gemeinschaft zu sichern.

Es ist nicht nur die Politik der Regierung von Rouhani, sondern es ist eine generelle Politik, die alle Machtgruppen des Regimes durchführen, sowie sie an der Macht sind.