Tuesday, December 6, 2022
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Iran – Terrorismus: Der Haß

ImageLe Monde – Es war notwendig, die Maske ist endlich gefallen. Mit seinem Aufruf vom 26. Oktober an die islamische Welt zur Zerstörung Israels hat der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad mit einigen wenigen Worten das Porträt eines allmächtigen und extremistischen Staatschefs komplettiert. Bei jeder seiner Ausführungen, die von dem ehemaligen Revolutionsgardisten ausgeführt wird, wird die iranische Absicht in ihrer offenen Aggressivität deutlicher.

An alle, die glaubten oder glauben wollten, dass die islamische Republik ruhiger und weiser werden würde und auch auf ihre antijüdische Besessenheit verzichten würde, hat die Realität etwas anderes gezeigt. Der Iran des Mahmoud Ahmadinejad bleibt seiner Linie treu. Der neue Präsident beabsichtigt, die offizielle Doktrin aus dem Jahr 1979 zu reaktivieren: „wie es der Imam Khomeini gesagt hat, Israel muss von der Landkarte getilgt werden“ deklarierte es vor einigen tausenden Studenten im Rahmen einer Konferenz mit dem bedeutungsvollen Titel „die Welt ohne den Zionismus“.

Mit einem Schlag wurde die reformatorische Klammer von Mohammad Khatami (1997 – 2005) ausgelöscht. Der Iran ist mit einem Mal radikaler als die Palästinenser, entschlossen wieder der islamische Wortführer zu werden und die enterbten, wüteten und beleidigten Massen anzuführen. Im Rahmen dieser angestrebten Rolle hat der iranische Präsident seine Worte gewählt und wie seine extremistischsten Vorgänger, die wütenden Menge gegen Israel aufgehetzt. Den arabischen Staaten, die den Staat Israel anerkennen wollen, drohte er, dass sie im Feuer der Wut der glaubenden Gemeinschaft brennen würden.

Die vom Präsidenten gehaltene Hassrede zeigt die politische Versteifung. Anstatt dem Volk Hoffnung zu geben (15% der aktiven Bevölkerung sind arbeitslos) oder das Erdölmanna besser und gerechter zu verteilen, fällt das Regime in die konservativen und dogmatischen Reflexe zurück. Die Frauen, und insbesondere jene die in den letzten Jahren leichte Verbesserungen genießen durften, sehen sich erneut einer rigiden Kleiderordnung ausgesetzt. Die Kulturwelt ist einer dauernden Kontrolle ausgesetzt: der obere Revolutionsrat hat gerade den Verleih und die Projektion von ausländischen Filmen verboten, die laizistische, feministische und liberale Ideen verbreiten. Die Internetseiten werden beobachtet, gefiltert und dann verboten.

Die Brutalität dieser Rückkehr ist mehr als ein schlechtes Zeichen. Dies ist ein Alarmsignal in dem Moment, in dem sich die iranische Atomare Ambitionen deutlich zeigen. Bei den Verhandlungen zwischen Teheran und der Europäischen Union kann niemand mehr an die Fabel einer Erdölmacht glauben, die sich das zivile Werkzeug der Atomkraft sichern will. Die internationale Gemeinschaft muss heute über den möglichen Gebrauch der Atombombe durch den Iran sehr beunruhigt sein.

Dieser Artikel erschien in Le Monde am 27.10.05