Tuesday, January 31, 2023
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Iran: Was verstehen Regime-Vertreter unter „Wirtschaft des Widerstandes“?

Von Amir Taghati

Vertreter des iranischen Regimes sprechen immer wieder von der “Wirtschaft des Widerstandes“. Diese Phrase wurde in den letzten Monaten bei zahlreichen Erklärungen verwendet. Dieser Begriff kam wieder auf, als Ende Dezember die landesweiten Proteste im Iran begannen. 

Die Regierung, der Sicherheitsapparat, das Militär und sogar religiöse Vertreter weisen immer wieder darauf hin, dass die Proteste, die bis heute weiter gehen, wegen der wirtschaftlichen Situation im Land erfolgen. Sie verwiesen darauf, dass dies der einzige Grund für die Unruhen sei. Sie sagen weiter, dass diese wirtschaftlichen Probleme von der Regierung von Rouhani und seiner desaströsen Politik verursacht wurden, welche die sogenannte „Wirtschaft des Widerstandes“ ignoriert habe.

Der Bergriff wurde schon einmal benutzt. 2011 gab es Sanktionen vom Westen. Der oberste Führer prägte diesen Begriff als Ausdruck des Kampfes gegen die Sanktionen. Dazu gehörte die Produktion von Produkten im Inland anstatt des Importes aus dem Ausland, die Umgehung der Sanktionen, die Steigerung des Tauschhandels usw. Dies wurde als Weg des „Widerstandes“ auf den wirtschaftlichen Druck gesehen und dazu gehörte auch, Waren zu schmuggeln. Ajatollah Ali Khamenei erklärte damals, dass die „Wirtschaft des Widerstandes“ eine florierende Wirtschaft und ein wirtschaftliches Wachstum trotz Sanktionen ermöglichen kann.

Der oberste Führer hält diese Lösung für die Probleme des Landes bis heute für sinnvoll und seine Verbündeten stimmen ihm dabei zu.

Doch funktioniert das wirklich?

Zuerst einmal muss man verstehen lernen, dass dies keine Politik ist. Wirtschaftsvertreter vertreten diese Idee zwar, aber dem ist nicht so.

Die Wirtschaftsexperten wollen dem Volk suggerieren, dass die Probleme des Landes, welche die Regierung verursacht, nur Probleme sind, die vom Ausland kommen. Sie vergessen, dass das Volk nicht aus purer Lust weniger konsumiert, sondern weil es unter hohen Kosten, niedrigen Löhnen und immer mehr Armut leidet.

Eine „Wirtschaft des Widerstandes“ wird die Probleme im Iran nicht lösen. Sie wird das Leid nur vergröért und noch mehr Menschen in die Armut führen. Dies ist extrem unfair gegenüber dem Volk, weil es dabei zeitgleich beobachten muss, wie diese Vertreter das Land ausplündern. Das herrschende Regime im Iran verschleudert Milliarden für Kriege im Ausland, den Terrorismus und die Verbreitung von Chaos.

Die Menschen verstehen immer mehr die Situation und sie wollen das Regime dafür zur Rechenschaft ziehen. Seit Ende letzten Jahres, als die große Protestwelle begann, wird es jeden Tag offensichtlicher, dass sich das Volk nicht mehr einschüchtern lässt und stumm bleibt. Die Menschen riskieren Verhaftungen, Inhaftierungen, Folter und sogar Hinrichtungen, um deutlich zu machen, dass die Korruption präsent ist und in allen Bereichen des Regimes wütet.

Das iranische Regime will, dass das Volk seinen schlechten Lebensstandard akzeptiert. Doch das Volk will mehr. Es will einen Regimewandel und die Chance, in einem Land zu leben, wo es von der religiösen Diktatur befreit ist.

Der oberste Führer spricht über eine transparente Wirtschaft. Doch all diese Worte bedeuten nichts, wenn daraus keine Taten folgen. Jede Institution, die unter der Kontrolle von Khamenei ist, hat niemals seinen finanziellen Status offen gelegt.