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Iranische Dissidenten wollen Regimewechsel

Some 150 people arrested within one hourVeröffentlicht: 11. Feb.  2010
Von   STEFAN NICOLA, UPI Europakorrespondent

BERLIN,  Feb. (UPI) –  Als Unterstützer und Gegner des Regimes am 31. Jahrestag der Revolution am Donnerstag im Iran auf die Straße gingen, forderten mehrere Hundert Exiliraner vor der iranischen Botschaft in Berlin einen Regimewechsel.

"Nieder mit den Diktatoren, nieder mit den Mullahs”, skandierten um die 200 Exiliraner, die sich mit Spruchbändern und Flaggen auf einem vereisten Fußweg vor der iranischen Botschaft im Berliner Stadtteil Dahlem versammelt hatten.

Organisiert vom Nationalen Widerstandsrat Iran, einer Dachorganisation der iranischen Demonstration mit Sitz in Paris, sollten bei der Demonstration nach den Worten des Sprechers des NWRI, Javad Dabiran, mehrere Forderungen ausgesprochen werden wie: Sofortige Einstellung der Hinrichtung von Dissidenten, Freilassung der politischen Gefangenen, Sanktionen des Westens gegen Teheran zur Solidaritätsbekundung mit der Opposition.

Der NWRI ist umstritten, denn die iranischen Volksmojahedin gehören dazu, die im Iran und in den Vereinigten Staaten als Terrororganisation gelten, weil sie in den 1980er und 1990er Jahren einen bewaffneten Kampf gegen das Regime geführt haben. Nach Großbritannien 2008  hatte die EU die Gruppe dennoch im Januar 2009 von ihrer Terrorliste gestrichen und ihre Mitglieder nahmen von bewaffneten Gegenreaktionen Abstand.

Obwohl die Ziele von Gruppen der iranischen Opposition extrem divergieren, sind sie in ihrem Verlangen vereint, das zu beenden, was sie ein Gewaltregime nennen.

“Im Iran hat eine Bewegung für die Wende eingesetzt und das Volk dahinter ist dazu entschlossen",  erklärte Dabiran UPI gegenüber. „Keine Einschüchterung kann sie davon abhalten, auf den Straßen ihrer Stimme für mehr Freiheit zu erheben.”

Die Bewegung für die Wende habe nach Dabiran im letzten Sommer begonnen, als massive Demonstrationen aus Protest gegen das stattfanden, was die Kritiker manipulierte Wahlen nennen, aus denen Mahmoud Ahmadinejad als Gewinner hervorging. Teheran schlug die Proteste gewaltsam nieder und verhaftete Tausende. Der Westen kritisierte den Iran scharf wegen dieser Gewalt.

Im Vorfeld der Feierlichkeiten am Donnerstag zum 31. Jahrestag der Revolution, die zum Sturz des Shahs führte, hatten regimefreundliche und –kritische Führer ihre Anhänger dazu aufgerufen, wieder auf die Straße zu gehen.

Hunderttausende Anhänger des Regimes trafen sich zur Festrede von Ahmadinejad in der Downtown Teherans, wo der Präsident den Iran zur Atommacht erklärte. Obwohl der Westen befürchtet, dass der Iran auf dem Weg zu Atomwaffen ist, schwor Ahmadinejad, dass Teheran diese Technik lediglich für zivile Zwecke einsetzen will.
… Es wird davon gesprochen, dass mehrere Hundert Demonstranten bei den Protesten festgenommen wurden. …

Iranische Beamte haben diese Behauptungen bisher noch nicht  bestätigt, die sehr schwierig zu überprüfen sind, weil dass Regime ausländischen Journalisten nicht ermöglicht, die Proteste der Opposition zu begleiten.

Dennoch schaut der Westen vorsichtig nach Teheran: Die Christlich-Demokratische Union der deutsche Kanzlerin Angela Merkel verurteilte am Donnerstag die Politik der Gewalt und erklärte, dass sie „an der Seite derer steht, die sich für eine freie Demokratie und Menschenrechte im Iran einsetzen.“
Der britische Premierminister Gordon Brown äußerte der BBC gegenüber: „Die weltweite Stimmung nimmt gegenwärtig in eine Richtung zu, in der Geduld nicht unerschöpflich ist, die Menschen beginnen nach besonderen Sanktionen zu schauen, die wir für den Iran planen können.“

In Berlin hatten die Demonstranten in Anspielung auf die neun eingekerkerten Gegner des Regimes, die gegenwärtig gegen ihre Todesstrafen im Iran Widerspruch eingelegt haben, neun Galgen vor der Botschaft, einem  modernen Kalksteingebäude, aufgebaut

Das Regime ließ im vergangenen Monat zwei Menschen hängen, die in Prozessen nach den Wahlen verurteilt wurden und mehr als 80 Menschen wurden bis zu 15 Jahre hinter Gefängnismauern gebracht. Dazu zählten mehrere ehemalige höhere Beamte.

 Viele Iraner wissen, wie es ist, einen nahestehenden Menschen im Gefängnis oder am Galgen zu verlieren.

Einer davon ist Bahram Mavaddat, ein hochgewachsener Mann mit Händen wie Bärenpranken. Vor drei Jahrzehnten war er Torwart der iranischen Nationalmannschaft, die sich für das Weltcup in Argentinien qualifiziert hatte.

Als die islamische Revolution ein Jahr später über das Land fegte, war Mavaddat wie die meisten Iraner der Hoffnung, dass sein Land einen besseren Weg einschlagen würde – „in Richtung Demokratie, in Richtung Freiheit“, sagte er.

Aber das Gegenteil geschah, Fußball wurde für zwei Jahre verboten und die Kritiker des Regimes gingen dafür ins Gefängnis, dass sie ihren Frust über die Mullahs aussprachen.

In der Zeit nach der Revolution wurde Mavaddats Mitspieler, der hoch talentierte Habib Khabiri, der mit seinem dramatischen Tor aus einer Entfernung von 40 Yards (ca. 37 m) gegen Kuwait dem Iran zum allerersten Mal den Weg zum World Cup Finale frei machte, als ein Feind des Regimes verhaftet. 1984 wurde er hingerichtet.

Im gleichen Jahr floh Mavaddat nach Deutschland, wo er seitdem lebt und von wo aus er die Regimegegner unterstützte.

“Als ein Athlet, willst du Fußball spielen, du willst Dich nicht um Politik kümmern”, sagte er zu UPI. „Aber wenn das Schicksal deines Landes auf dem Spiel steht, musst du etwas machen. Ich bin hier, um Freiheit für den Iran zu fordern. Das ist unser Recht.“