Sunday, January 29, 2023
StartNachrichtenIrans Sicherheitskräfte schießen auf Demonstranten gegen den Abschuss des ukrainischen Linienflugzeugs

Irans Sicherheitskräfte schießen auf Demonstranten gegen den Abschuss des ukrainischen Linienflugzeugs

Amnesty International- Es gab viele Verletzte, weil Sicherheitskräfte gesetzeswidrige Formen der Gewalt zur Niederschlagung der Proteste anwenden

In einem Bericht, der am 15. Januar veröffentlicht wurde, bestätigt Amnesty International , dass das iranische Regime unverhältnismäßige Gewalt gegen Protestierer wegen des Abschusses des ukrainischen Linienflugzeugs mit 176 Opfern anwendet.
„Überprüfte Videos, Fotos und Zeugenaussagen von Opfern und Augenzeugen vor Ort, die Amnesty International erhalten hat, bestätigen, dass iranische Sicherheitskräfte ungesetzliche Formen der Gewalt gegen friedliche Protestierer angewendet haben, die sich nach dem Eingeständnis der Behörden, dass sie das ukrainische Passagierflugzeug am 8. Januar abgeschossen haben, im ganzen Iran versammelt haben“, heißt es in dem Bericht.
„Es gibt Beweise dafür, dass Sicherheitskräfte am 11. und 12. Januar mit spitzen Kugeln aus Luftgewehren, die sonst bei der Jagd üblich sind, auf Protestierer geschossen haben, was blutende und schmerzhafte Wunden verursachte. Die Sicherheitskräfte verwendeten auch Gummigeschosse, Tränengas und Pfefferspray, um die Protestierenden zu zerstreuen und rempelten sie an und stießen gegen sie, schlugen auf sie mit Stöcken und nahmen willkürlich Verhaftungen vor“, so der Bericht weiter.

„Es ist empörend, dass die Sicherheitskräfte im Iran gegen friedliche Mahnwachen und Proteste von Menschen vorgingen, die Gerechtigkeit für die 176 Passagiere einforderten, die im Flugzeug getötet wurden oder ihren Zorn über die anfängliche Vertuschung durch die iranischen Behörden zum Ausdruck gebracht haben“, äußerte Philip Luther, der Direktor für Nachforschungen und Anwaltschaft für den Bereich Vorderer Orient und Nordafrika bei Amnesty International.

Amnesty International bestätigte auch, dass die Sicherheitskräfte des Regimes „spitze Kugeln abfeuerten, die schmerzhafte Wunden verursachen und eine chirurgische Behandlung notwendig machen, um die Kugeln aus dem Körper zu entfernen, und dass es Verletzungen aus dem Gebrauch von Gummigeschossen gab. Die genannten Kugeln werden sonst für die Jagd auf Kleinwild verwendet und sind vollkommen unangemessen in jeder Situation, wo es um Politik geht“.

„Sicherheitskräfte und Geheimdienstleute sind massiv in einigen Krankenhäusern anwesend, was Befürchtungen nährt, dass sie planen, Patienten zu verhaften. Amnesty International hat auch Informationen bekommen, dass Sicherheitskräfte versucht haben, einige verletzte Protestierer in Militärkrankenhäuser zu verlegen. Einige medizinische Kliniken und Krankenhäuser in Teheran haben verletzte Menschen zurückgeschickt und ihnen gesagt, sie würden verhaftet, wenn die Sicherheitskräfte und Geheimdienstleute herausfänden, dass sie zu den Protestierern gehörten“, liest man in dem Bericht.

In Bezug auf die willkürlichen Verhaftungen und den Gebrauch von Gewalt gegen inhaftierte Protestierer fügte Amnesty hinzu: „Es gibt Berichte, dass zahlreiche Menschen, darunter Universitätsstudenten in Städten verhaftet wurden, wo Proteste stattfanden, darunter in Ahwaz in der Provinz Khusistan, in Isfahan in der Provinz Isfahan, Zanjan in der Provinz Zanjan, Amol und Babol in der Provinz Mazandaran, Bandar Abbas in der Provinz Hormusgan, Kermanshah in der Provinz Kermanshah, Sanandaj in der Provinz Kusrdistan, Maschad in der Provinz Khorasan Razavi, Shiraz in der Provinz Fars, Täbriz in der Provinz Ost-Aserbeidschan und Teheran“.

Ferner bezieht sich Amnesty auf „Schockierende Beschuldigungen sexueller Gewalt gegen mindestens eine Frau, die von Agenten in Zivil verhaftet worden war und mehrere Stunden in Polizeigewahrsam verbrachte. Nach einer informierten Quelle wurde die verhaftete Frau in einen Raum gebracht, wo sie von einem Sicherheitsbeamten vernommen wurde, der sie zu oralem Sex mit ihm zwang und versuchte, sie zu vergewaltigen“.

Das frauenfeindliche Regime, das im Iran herrscht, hat schon öfter in Gefängnissen sexuelle Gewalt gegen Frauen angewendet, um sie einzuschüchtern oder zur Gefügigkeit zu zwingen.
„Die iranischen Behörden müssen die Repression dringend beenden und sicherstellen, dass Sicherheitskräfte ein Maximum an Zurückhaltung üben und die Rechte von Protestierenden auf friedliche Meinungsäußerung und Versammlung respektieren. Die Verhafteten müssen gegen Folter und andere Misshandlungen geschützt und willkürlich Festgenommene müssen freigelassen werden“, heißt es in dem Bericht, in dem Philip Luther zitiert wird.

Hintergrund

Am 8. Januar haben die Revolutionsgarden des iranischen Regimes (IRGC) einen ukrainischen Passagierjet abgeschossen, wobei 176 Menschen getötet wurden. Nach drei Tagen des Leugnens war das Regime gezwungen, sein Verbrechen zuzugeben, nachdem es unwiderlegliche Beweise und internationalen Druck gab. Am 11. Januar wurden in vielen iranischen Städten wegen der Tötung unschuldiger Passagiere des ukrainischen Linienflugzeugs von Studenten massive Proteste laut, die in ihren Slogans auf die Spitzenvertreter des Regimes, darunter den Obersten Führer Ali Khamenei, zielten. Diese Proteste unterstrichen einmal mehr den Wunsch in der iranischen Bevölkerung, das Regime zu stürzen, das an der Wurzel aller wirtschaftlichen und sozialen Probleme steht.