Thursday, February 9, 2023
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Irans wirtschaftlicher Kollaps, der Versuch der Mullahs, ihn zu vertuschen

In den letzen Tagen sprechen die Amtsinhaber des iranischen Regimes von einem „wirtschaftlichen Wunder” oder „Durchbruch”. Währenddessen kämpfen die Menschen mit der Armut und staatliche Medien räumen den wirtschaftlichen Kollaps des Iran ein.

Abdolnasser Hemati, der Chef der Zentralbank des Iran, behauptet, dass das Regime „denjenigen, die Sanktionen verhängen, nicht erlaubt, ihr letztes Ziel zu erreichen, das in dem wirtschaftlichen Kollaps des Landes besteht“.

Zugleich aber steigen Irans Inflationsrate, Liquidität, Armutsindex und der Wechselkurs mit dem Dollar und der Devisenmarkt des Landes schrumpft weiterhin.

Bedeuten Hematis Äußerungen, dass die Mullahs den wirtschaftlichen Kollaps des Iran erwarten oder dass sie ihn verheimlichen?

In einem Interview mit der staatlichen Tageszeitung Arman-e Meli spottete Heydar Hosseini, einer der Ökonomen des Regimes, am 3. Oktober über die jüngsten Äußerungen  Hematis: „Wenn der Wechselkurs mit dem Dollar 300 000 Rial erreicht und Goldmünzen die Bewertung 150 000 000 erreichen und wenn der Lebensstandard der Bevölkerung entweder extrem niedrig oder eigentlich gar nicht vorhanden ist, was bedeutet dann diese [Verhinderung eines] wirtschaftlichen Kollapses? Was muss denn noch passieren, dass man sagen kann, es gibt seit einiger Zeit einen wirtschaftlichen Kollaps? Es ist gut, dass der Chef der Zentralbank und andere Amtsinhaber sich bemühen und neue Ausdrücke definieren, die in der ökonomischen Literatur verwendet werden können. Was bedeuten aus dem Blickwinkel der Verantwortlichen für die Wirtschaft Ausdrücke wie wirtschaftliche Rezession, wirtschaftlicher Kollaps und wirtschaftliche Krise?“

Ähnlich sprach der Präsident des Regimes Hassan Rohani vor kurzem von einem „wirtschaftlichen Wunder“ und verglich sogar die Wirtschaft des Iran mit derjenigen Deutschlands mit der Behauptung, dass die Wirtschaft der Mullahs „besser“ sei als die in Deutschland.

Dazu schrieb die staatliche Tageszeitung Asia am Montag: „Wenn man sich die statistischen Zahlen und die Realitäten in der Wirtschaft unseres Landes anschaut, dann sollte die Frage [an Rohani] gestellt werden: Welches wirtschaftliche Wunder haben wir erreicht?“

„Als Rohani Präsident wurde, lag der Wechselkurs des Dollar bei 30 000 Rial, jetzt aber liegt er bei 300 000 Rial. Dieser steigende Kurs zeigt, dass Irans wirtschaftliche Situation nicht nur in einer Krise ist, sondern dass die Währung des Landes, der Rial, ihren Wert verloren hat. Nach der offiziellen Statistik wird  das Wachstum des Bruttosozialprodukts des Iran (BSP) mit 3,5 Prozent geschätzt, wenn der Ölexport eingerechnet wird. Ohne den Ölexport wäre das Wachstum des BSP negativ mit 1,7 Prozent. Die Zentralbank hat jedoch bekannt gegeben, dass diese Indizes jeweils bei negativen 2,8 Prozent und negativen 0,6 Prozent anzusetzen sind“, heißt es in dem Artikel.

Der Artikel stellt die Behauptungen der Mullahs, die den  Ausbruch des Coronavirus  als Grund für die wirtschaftliche Rezession verantwortlich machen, in Frage, indem er fortfährt: „Die Wirtschaft des Iran hat es mit einer enormen Rezession  zu tun gehabt. Deshalb folgte diesem Ausbruch keine wirtschaftliche Blüte und wir müssen zu dem Schluss kommen, dass es einen wirtschaftlichen freien Fall gibt“. Mit anderen Worten, dieses staatliche Medium räumt ein, dass die Wirtschaft des Regimes schon zusammengebrochen war.

Die staatliche  Eghtesad-e Saramad meldete derweil am Dienstag einen „freien Fall” an Irans Börse. „Gestern wurde an der Börse mit einem Fall der Indizes gehandelt, so dass der Hauptindikator des Aktienhandels mit einem Fall um mehr als  32 000 Einheiten endete und die Aktien am dritten Handelstag dieser Woche  erreichten 1 490 154 Einheiten. Die Details der Transaktionen des Aktienhandels auf der Grundlage von aufgezeichneten statistischen Zahlen zeigen, dass alle Handelsindizes an der Börse gestern gefallen sind mit einem durchschnittlichen Fall um 1,61 Prozent“.

Radio France International veröffentlichte am 2. Oktober in seiner persischen Ausgabe ein  Interview mit Feridun Khavand, einem dem Regime nahestehenden Ökonomen.

Der Artikel darüber zitiert den letzten Bericht von „COFACE“, einem französischen weltweit agierenden Versicherungsunternehmen. In seinem neuesten Bericht ordnet COFACE, das eines der angesehensten globalen Unternehmen auf dem Feld der Kreditversicherung und der „Risiko* Prognose ist, den Iran als erstes Land im Hinblick auf politische und soziale Fragilität ein mit der Möglichkeit, dass sich ein sozialer Aufruhr ereignet.

„Die jährliche Aktualisierung des politischen Risikoindex von Coface, die in diesem Barometer veröffentlicht wird, hebt einen zweifachen Trend hervor: auf der einen Seite gibt es eine Abnahme eines Konflikts auf globaler Ebene, aber auf der anderen Seite eine Zunahme der politischen und sozialen Fragilität. Der Iran und die Türkei gehören zu den Ländern, deren Niveau des sozialen Risikos am meisten gestiegen ist. Der Iran festigte seine Position an der Spitze dieses Indikators“, liest man in dem Bericht.

Bezugnehmend auf diesen Bericht zitierte RFI Khavand mit der Aussage: „Eine Begutachtung der derzeitigen Situation zeigt, dass die wirtschaftliche Situation des Landes vollkommen in der Krise ist und am Rande des Kollaps steht. Die Kaufkraft der Menschen ist dramatisch gefallen. Eine ungezügelte Inflation, Armut und Arbeitslosigkeit, wirtschaftliche Instabilität, das Fehlen wirtschaftlicher Sicherheit verbunden mit dem Zögern inländischer Investoren, etwas für die Steigerung der Produktion auszugeben, das Fehlen einer konstruktiven Interaktion mit der Außenwelt sind einige der Faktoren, die die Wirtschaft des Landes in der derzeitigen Situation hilflos gemacht haben“.

In welcher Weise betrifft der wirtschaftliche Kollaps die Bevölkerung?

Während die Menschen sowohl mit der Armut als auch mit der COVID-19 Krise zu kämpfen haben, haben die Mullahs, statt Masken unter den Leuten zu verteilen, eine Strafgebühr für das Nichttragen der Maske eingeführt. Dazu schrieb die staatliche Jahan-e Sanat am Dienstag: „Die Länder, die in dieser Beziehung erfolgreich waren, stärkten die Infrastruktur für die Gesundheit unter den Menschen und verhängten dann Strafgebühren für diejenigen, die die Gesundheitsvorschriften verletzten. Derzeit beträgt das Gehalt eines Arbeiters         2 800 000 Rial, wobei zu berücksichtigen ist, dass die Armutslinie bei                                         100 000 000 Rial verläuft. Die Hälfte der Bevölkerung lebt in absoluter Armut. Eine vierköpfige Familie in Teheran kann das Geld für eine täglich verfügbare Maske nicht aufbringen. Um solche Gesetze umzusetzen, müssen die Regierung und das Gesundheitsministerium zuerst einige Masken für die Ärmsten bereitstellen und dann erst Gebühren verhängen“.