Tuesday, December 6, 2022
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Italienischer Radiosender berichtet über Situation in Ashraf

A screen grab taken from a video showing Iraqi armoured vehicles drive into crowds inside Camp Ashraf, zig-zagging from side to side and running several people down on July 28, 2009.Quelle: Italienischer Radiosender, 3. September
 
Moderator: Der angesehene Aldo Forbice, ein italienischer Journalist und Menschenrechtsaktivist

Wir haben eine Liveschaltung nach Camp Ashraf im Irak. Zuerst möchte ich unseren Zuhörern kurz einige Hintergrundinformationen über das Camp geben, dann haben wir ein Liveinterwiev mit einem der Bewohner aus dem Camp. Es gibt ca. 3500 Bewohner in dem Camp. Sie leben dort seit vielen Jahren im Exil.

Alle sind Mitglieder der größten iranischen Oppositionsgruppe. Seit der Besatzung des Irak durch die britischen und amerikanischen Streitkräfte haben diese Menschen, die Mitglieder der Volksmojahedin Iran (PMOI/MEK) sind, ihre Waffen ausgehändigt und sich nicht mehr an bewaffneten Aktivitäten beteiligt. Als Gegenzug erhielten sie von den Streitkräften Schutz und Sicherheit für ihr Camp.

Zuletzt gab es bewaffnete Angriffe von irakischen Einheiten gegen das Camp, welche unter Einfluß des Iran stehen. Die Iraker versuchen, die Bewohner aus dem Camp und aus Irak in den Iran oder in ein anderes Land zu vertreiben. Wenn sie in den Iran zurück kehren, dann werden sie mit Sicherheit gefoltert und hingerichtet. Nun ist es zu einer internationalen Angelegenheit auch für die UN, die europäische Gemeinschaft und die westlichen Länder geworden. Bisher wurde keine Lösung gefunden. Bei den letzten Angriffen durch die irakischen Streitkräfte wurden viele Personen verletzt. Herr Ahmad Frouqi, der im Camp lebt, wird uns erzählen, was dort geschehen ist.

Frage: Herr Frouqi, können sie uns schildern, wie die aktuelle Lage in Camp Ashraf ist?
Antwort: …Wir sind von irakischen Einheiten umzingelt und sie erlauben keinem Reporter oder Menschenrechtsorganisationen den Zugang nach Ashraf.

Radiomoderator: Ich sprach von ungefähr 3500 iranischen Männern und Frauen, die Mitglieder des iranischen Widerstandes sind. Wie hoch ist die aktuelle Einwohnerzahl?
Ahmad Foruqi: Wir sind etwa 3.400 Personen.

Frage: Zuletzt starteten die irakischen Militärs eine Militäroperation gegen sie. Wie viele Personen des Camps wurden verwundet?
Ahmad Foruqi: Bei dem Angriff, den ich eher als Massaker bezeichne, wurden am 28. Juli 500 Menschen verletzt. Einer der Verwundeten schwebt in Lebensgefahr. 11 Menschen wurden getötet und 36 Personen verschleppt. Aus Protest gegen den Angriff sind wir seit dem Angriff in den Hungerstreik gegangen.

Frage: Herr Foruqi, war das Camp zum Zeitpunkt des Angriffes nicht unter dem Schutz der US Streitkräfte?
Ahmad Foruqi: Unglücklicherweise bestand das einzige Engagement der US Streitkräfte darin, dass sie Fotos und Videos von diesem brutalen Angriff von Einheiten, die loyal zu Khamenei stehen, machten. Sie schauten zu und machten nichts!
 
Frage: Wollen sie uns damit sagen, dass sie nichts taten, um dieses Desaster zu verhindern?
Ahmad Foruqi: Nein, sie haben nichts unternommen. Jeder von uns hier im Camp hat im Jahre 2003 ein Abkommen mit den US Streitkräften unterzeichnet. In diesem Abkommen hieß es, dass sie für unsere Sicherheit zuständig sind. Dennoch haben sie nichts unternommen, als wir angegriffen wurden.

Frage: Sind die verwundeten Personen noch im Camp oder wurden sie in irakische Krankenhäuser gebracht?
Ahmad Foruqi: Niemand ist in einem irakischen Krankenhaus. Über 90% der Verwundeten sind in dem Krankenhaus, das wir im Camp haben. Das Krankenhaus ist sehr klein und hat nur eine begrenzte Anzahl an Ärzten und Krankenschwestern und begrenzte Medikamentenvorräte. Wir haben einige Engpässe in dieser Hinsicht.
 
Frage: Haben sie keine Hilfe vom Internationalen Roten Kreuz bekommen?
Ahmad Foruqi: Wie ich schon zuvor erwähnt habe, hat die irakische Regierung auf Geheiß von Ali Khamenei jeglichen Zugang von internationalen Menschenrechtsorganisationen in das Camp verboten. Nicht einmal Reporter dürfen nach Ashraf. Dies ist ein Zeichen, dass diese Regierung weitere Massaker plant.

Frage: Sie meinen also, dass die aktuelle irakische Regierung Pläne aus Teheran umsetzt?
Ahmad Foruqi: Die Bewohner des Camps haben keine Waffen und sind schutzlos. Wie ein iranischer Fernsehbericht im Februar gesagt hat, haben die Regierungen des Irak und des Irans ein Abkommen unterzeichnet, welches Druck auf die Bewohner von Ashraf machen soll, auch weil Camp Ashraf ein Stolperstein für die Expansion des islamischen Fundamentalismus durch das iranische Regime ist.

Frage: In der Vergangenheit gab es Verhandlungen über eine Verteilung der Bewohner des Camps in europäische Länder und die Ausweisung von ihnen in den Iran, wenn ihnen ein Verzicht auf eine Verfolgung garantiert wird. Ich habe von solchen Verhandlungen gehört. Was können sie uns darüber sagen?
Ahmad Foruqi: Wie ich schon gesagt habe, halten die Iraker 36 unserer Freunde als Geiseln. Obwohl ein Gericht in Khalis und ein unabhängiger Richter die Freilassung der Personen angeordnet hat, weil sie unschuldig sind, hat Nuri al-Maliki, der irakische Premierminister, auf Geheiß des iranischen Regimes in die Rechtsprechung eingegriffen und ihre Freilassung verhindert. Die 36 Geiseln sind seit 37 Tagen im Hungerstreik und einige davon in kritischem Zustand.

Frage: Wie sie gesagt haben, gibt es die Notwendigkeit eines internationalen Eingreifens. Vielleicht sollten die UN und die EU bei der Lösung des Problems eine zentrale Rolle spielen. Dies ist eine humanitäre Frage und es besteht die Gefahr, dass diese Menschen im Irak sterben und niemand eingreift. Das ist in der Tat eine inakzeptable Situation. Die Leben von 3.500 Menschen sind in Gefahr und niemand sagt oder tut etwas und keine Zeitung berichtet. Ist das wahr?
Ahmad Foruqi: Ja. Es ist genauso, wie sie es sagen. Wir sind in einer sehr ernsten Lage und haben zum sofortigen Eingreifen zum Schutz dieser Menschen aufgerufen.

Ansonsten werden wir sehr bald Augenzeugen einer menschlichen Tragödie werden. Einer unser Hungerstreikenden hat sein Augenlicht verloren. Zwei weitere sind in kritischem Zustand. Ich möchte diese Gelegenheit nutzen, um alle Menschenrechtsorganisationen und die UN aufzurufen, schnellstens einzugreifen. Ich selbst habe einen Brief an den italienischen Botschafter in Bagdad geschrieben und gebeten, so schnell wie möglich eine Delegation zu entsenden. Ich bin mir sicher, wenn demokratische Länder wie Italien diese Verbrechen nicht verurteilen, dann werden die Iraker weitere Verbrechen begehen. Wenn wir jetzt still bleiben, dann wird eine Regierung wie die von al-Maliki mit verbrecherischen Aktionen fortfahren.
 
Radiomoderator: Leider bleiben die Regierungen und Länder in solchen Dingen stumm. Her Foruqi, ich danke ihnen für die Teilnahme an unserem Programm und für ihre interessanten Fakten. Wir werden nicht still sein und wieder mit ihnen sprechen. Bitte fahren sie fort mit dem, was sie tun. Schreiben sie Briefe an die Botschaften und Parlamente in der EU, in Italien, Großbritannien und den westlichen Regierungen, besonders an die US Regierung und bitten sie um ein Eingreifen. Wir sollten diese Angelegenheit allen Menschen in der Welt näher bringen, um die Leben der 3500 Männer und Frauen in Ashraf zu retten. Sie brauchen den Einsatz der Regierungen und der internationalen Organisationen.