Wednesday, November 30, 2022
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Musikunterricht an Privatschulen im Iran verboten, wahrscheinlich wird Universitätscode eingeführt

Iran Bars Music in Private Schools, May Impose University Code1. Juni (Bloomberg) – Der Iran hat Privatschulen verboten, Musik zu unterrichten weil dieser Unterricht im Widerspruch zu islamischen Werte stehen würde. Vor dieser Entscheidung wurde beschlossen, moralische Standards zu fördern und einen Bekleidungscode im Land für Studenten einzuführen.

„Das Spielen von Musikinstrumenten ist gegen die Prinzipien unseres Wertesystems“, sagte Ali Bagherzadeh, Chef des Bereiches Privatschulen im Bildungsministerium bei einem Telefongespräch heute aus Teheran. In den 16.000 iranischen Privatschulen lernen nach Angaben der Nachrichtenagentur der Islamischen Republik 1,1 Millionen Studenten.

Der Iran will mit $1,5 Mrd. „moralisches Verhalten“ fördern. Dazu gehöre auch sein Bekleidungscode für Frauen, „um die sozio-kulturellen Krankheiten [in der Gesellschaft] zu heilen“, erklärte Innenminister Mostafa Mohammad-Najjar am 10. Mai nach der Einführung eines Verhaltenscodes an der Universität für Medizinische Wissenschaften in Shiraz. Dort wurden lautes Lachen, Nagellack, hohe Absätze und anmaßende Männer- und Frauenkleidung verboten.

 

Die Polizei wolle gegen Übertreter iranischer Gesetze für moralisches Verhalten „entschlossen vorgehen“, erklärte Mohammad Najjar. Ein Geistlicher äußerte im April während des Hauptgebetes am Freitag in Teheran und dem längsten im Iran, dass Frauen mit ihrer unbescheidenen Kleidung Erdbeben hervorrufen können.
Musikunterricht sei in den staatlichen Schulen schon immer verboten gewesen, sagte Bagherzadeh. Eine Schule, an der Musik unterrichtet wird, könne vielleicht ganz geschlossen und ihrem Direktor untersagt werden, eine andere Privatschule zu eröffnen, fügte er hinzu.  Das Verbot bezieht sich auf alle Instrumente, auch die, mit denen traditionelle Musik begleitet wird, kommentierte Bagherzadeh weiter.

Der Oberste Führer
Ein Ausschuss wird gebildet, um eine einheitliche Bekleidung für die Studenten an den iranischen Schulen anzubieten, gab ein höherer Mitarbeiter des Bildungsministeriums am 26. April bekannt. Zu dem Ausschuss werden Mitglieder des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Technik, des Gesundheitsministeriums, private Universitäten und das für Universitäten zuständige Amt des Obersten Führers Ayatollah Ali Kahmenei gehören.
„Es ist am Besten, wenn es eine einzige Richtlinie, ein einheitlichen Maßstab und Kriterien für den universitären Bekleidungscode gibt, so dass einzelne Universitäten keine unterschiedlichen Standards fördern“, sagte Jalil Dara, ein Direktor für kulturelle Angelegenheiten im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Technologie einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur Mehr im April zufolge.

Die Universitäten gehen bereits auf ihre Weise gegen unmoralische Bekleidung vor. Die Universität von Teheran informierte, dass sie den Studenten nicht erlauben würde, „ungeeignete Kleidung“ in ihren Räumen zu tragen, sagte Dara.
„Der hier zusammen gestellte Code könnte auf nationaler Ebene umgesetzt werden“, erklärte Hamed Fasihinia, Sprecher der Universität Shiraz, in einem Telefon-Interview aus der Stadt im Süden, wo die staatliche Einrichtung 5.000 Studenten ausbildet und die Gesundheitsvorsorge der Region abgedeckt wird.

Regeln für Schuhe
Nach dem am 20. Februar in Kraft getretenen Universitätskodex in Shiraz müssen Frauen weite, lange Mäntel in dezenten Farben tragen, die die Knie bedecken, eine Forderung, die den Standards der Regierung entspricht.  Männer dürfen keinen Schmuck tragen. Ausgenommen davon ist der Ehering. Sie dürfen auch keine kurzärmeligen Shirts tragen und ihre Hosen sollen den Regeln folgend weit sein. An den Schuhen dürfen keine metallenen Spitzen sein, dürfen keine Geräusche verursachen und höchstens 3 cm (1,2“) hoch sein. Sandalen, Makeup und Rauchen sind verboten.
Seit der Revolution, die die religiösen Führer der schiitischen Muslime vor drei Jahrzehnten an die Macht gebracht hat, wird von den Frauen verlangt, ihr Haar mit Tüchern zu verdecken und die Körperformen mit weiten Mänteln unsichtbar zu machen. Die Regierung, die in den USA und ihrem Einfluss auf die Kultur eine Bedrohung der iranischen Gesellschaft sieht, versucht junge Frauen und Männer davon abzuhalten, der westlichen Popkultur und den Fashiontrends zu folgen.
Jedes Jahr versucht man Frauen einzuschüchtern, um sicher zu stellen, dass die Bekleidung auch bei Temperaturen von 42Grad Celsius (107 Fahrenheit) in Teheran nach islamischem Vorbild mit der Begründung getragen wird, dass die religiösen Werte und die „nationale Sicherheit und Moral in der Gesellschaft“ geschützt und erhalten werden müssen.
Von Ali Sheikholeslami in Zusammenarbeit mit Ladane Nasseri in Teheran. Herausgeber: Heather Langan, Karl Maier