Tuesday, January 31, 2023
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Niedergang eines einst glänzenden Geschäfts

Irans Wirtschaft steuert auf eine ernste Krise zu. Die Gas- und Erdölindustrie, eigentlich Rückgrat des Landes, stecken in Schwierigkeiten. Die Gewinne sprudeln nicht mehr, ausländische Investoren sind nicht in Sicht.

Von Ulrich Pick, ARD-Hörfunkstudio Istanbul, zurzeit in Teheran
Tagesschau.de – 20. April 10 – In der iranischen Wirtschaft werden die Anzeichen einer schweren Krise immer stärker sichtbar. Besonders deutlich zeigt sich dies in der staatlichen Gas- und Erdöl-Industrie, die eigentlich eine tragende Säule bildet. Die Tageszeitung "Bahar" berichtet, dass die ausländischen Investitionen während der vergangenen vier Jahre in diesem Bereich um 64 Prozent zurückgegangen sind. Lagen sie 2005 noch bei 4,2 Milliarden Dollar, schrumpften sie bis 2008 auf 1,5 Milliarden. Im vergangenen Jahr konnten nur noch knapp 18 Prozent der vorhergesagten Investitionen realisiert werden.

Um diese Ausfälle zu kompensieren, musste Teheran seine eigenen Investitionen in diesem Bereich um 250 Prozent erhöhen – was gleichzeitig eine dramatische Verschlechterung für andere Wirtschaftszweige bedeutete.

Iran auf dem größten Gasfeld der Erde im Hintertreffen
Ein Blick auf die Erdgasförderung auf dem Gasfeld "South Pars", das sich Iran und Katar teilen, verdeutlicht das. "South Pars" ist mit geschätzten 51 Billionen Kubikmetern das größte Gasfeld der Erde. Obgleich der Iran weltweit der zweitgrößte Erdgasproduzent ist, exportiert Katar derzeit sechsmal soviel des Energieträgers wie die Islamische Republik. Hintergrund ist, dass in die Förderung von Gas aus Katar die große Firmen wie Chevron, BP, Amoco, Gas Prom, Exxon Mobil and TOTAL France eingestiegen sind, Iran aber vergeblich nach ausländischen Investoren Ausschau hält. Zuletzt, so hieß es am Wochenende, sei sogar die Türkei von einem 7-Milliarden-Gasförderungs-Kontrakt mit Teheran zurückgetreten. Derweil haben die Kataris durch Gasexporte aus dem Feld "South Pars" 45 Milliarden Dollar mehr einnehmen können die Iraner.

Entlassungswelle rollt durch das Land
Wie groß die Wirtschaftskrise in Iran derzeit ist, unterstreicht eine Entlassungswelle, die derzeit das Land erfasst. Fast täglich melden die Medien, dass Firmen schließen oder Kurzarbeit anmelden müssen. Exemplarisch ist die Lage in der Stadt Varamin südöstlich von Teheran: Die Agentur ILNA berichtet, dass dort von 500 Betrieben die Hälfte in den vergangenen Wochen dicht gemacht habe. Selbst die Intervention der lokalen Geistlichkeit habe nichts bewirkt, heißt es.

Flaute auf dem Arbeitsmarkt
Die Arbeitslosenquote in Iran wird derzeit offiziell mit zwölf Prozent angegeben. Hinter vorgehaltener Hand wird eine dreifach so hohe Ziffer genannt. Jährlich strömen rund eine Million Arbeitskräfte auf den iranischen Markt, die allerdings nur schwer einen Job finden können.

(http://www.tagesschau.de/wirtschaft/iran1088.html)